Antisemitische Inhalte im Zuge der Bildungsreform entfernt

Schulbücher in Saudi-Arabien fördern zunehmend Toleranz und Respekt gegenüber Nicht-Muslimen. Eine Studie weist auf Verbesserungen und Entwicklungspotenziale in dem Lehrmaterial hin.
Von Israelnetz

RIAD (inn) – Das Forschungsinstitut IMPACT-se stellt Fortschritte bei den in Saudi-Arabien verwendeten Schulbüchern fest. Die Ergebnisse seiner Untersuchungen hat das „Institut zur Beobachtung von Frieden und kultureller Toleranz in der Schulbildung“ im Juli veröffentlicht. Die Studie trägt den Titel „Überprüfung saudischer Textbücher 2024–2026“.

Gegenstand der Untersuchungen waren 136 primär geisteswissenschaftliche Schulbücher aus den Curricula der Schuljahre 2024/25 und 2025/26.  Ein Augenmerk lag auf Veränderungen an Textpassagen, die in früheren Berichten des Instituts als verbesserungswürdig aufgefallen waren.

Jegliche antisemitische Inhalte entfernt

Nicht-Muslime seien schuld am Untergang des Osmanisches Reiches, und Anhänger des Christentums und Judentums glichen „verstümmelten“ Tieren: Diese Inhalte aus Schulbüchern der 7. und 8. Klasse sind im Zuge der jüngsten Überarbeitungen entfallen. Laut der Studie „wurden sämtliche Fälle von Antisemitismus, die im vorangegangenen Bericht von IMPACT-se aufgezeigt worden waren, inzwischen aus dem Lehrplan entfernt“.

Unter dem Aspekt der Geografie nahmen die Schulbuchautoren außerdem Änderungen an Karten vor, die die Umgebung Saudi-Arabiens zeigen: das Gebiet, das vorher nur als „Palästina“ betitelt war und Israel unerwähnt ließ, verbleibt in den neuen Ausgaben teilweise ohne Namen. In Texten ersetzt der Begriff der „israelischen Besatzung“ den des „zionistischen Feindes“. So kommt Israel nun vor, aber bislang negativ.

Auch im Bereich der Geschlechtergerechtigkeit haben die Verantwortlichen nachjustiert. Einige traditionelle Geschlechterstereotypen sind jetzt abgemildert. Aus einem Islamkunde-Lehrbuch der 12. Klasse wurde beispielsweise ein Hadith entfernt, der eine starke Hierarchie zwischen Ehemann und Ehefrau normalisierte. Ein Hadith ist ein überlieferter Bericht über Aussprüche oder Handlungen des Propheten Mohammed, der nicht im Koran erscheint.

Einsatz für friedliche Koexistenz

Zunehmend halten positive Denkweisen Einzug in die Lehrmaterialien. Diese Entwicklung hat IMPACT-se bereits 2024 festgestellt. Koexistenz und Dialog werden als menschliche Grundbedürfnisse bezeichnet und ein zugewandter Umgang mit Nicht-Muslimen wird an mehreren Stellen gefördert: „Ein Lehrbuch für die 11. Klasse hebt die Friedensabkommen hervor, die Mohammed mit Juden, Christen und arabischen Stämmen schloss, und stellt diese als Beispiele für friedliches Zusammenleben dar.“

Die Lehrinhalte heben auch die Bedeutung der Frau für die Stärkung der saudischen Wirtschaft und Gesellschaft hervor. Das Land wolle den Frauen zunehmend Teilhabe ermöglichen. Aus den Untersuchungen wird außerdem ersichtlich, dass im Unterricht mehr Wert auf kritisches Denken und Respekt vor unterschiedlichen Meinungen gelegt wird.

Nicht perfekt, aber auf einem guten Weg

IMPACT-se blickt in seinem Bericht insgesamt wohlwollend auf die Entwicklungen im saudischen Lehrplan. An einigen Stellen sieht das Institut jedoch Verbesserungspotenzial: Ein Lehrbuch aus dem Fach Sozialkunde lässt beim Thema des Zweiten Weltkriegs den Holocaust unerwähnt. Einzelne Unterrichtsmaterialien bilden Atheismus weiterhin als Quelle sozialer und moralischer Verdorbenheit ab. Auch der Umgang mit Israel ist zwar gemäßigter, doch von einer Anerkennung des jüdischen Staates ist noch nichts zu spüren.

Das Forschungsinstitut zieht dennoch ein positives Fazit: „Obwohl weiterhin einige Problembereiche bestehen, befindet sich der saudische Lehrplan heute in einer deutlich stärkeren Position als in früheren Jahren und zeugt weiterhin von einem

anhaltenden Engagement für Bildungsreform und Modernisierung.“ IMPACT-se erkennt im Kontext früherer Untersuchungen die schrittweise durchgeführte Neugestaltung an.

Entwicklungen als Folge umfassender Reformen

Die Modernisierung der Lehrinhalte geschieht vor dem Hintergrund der Reforminitiative „Saudi Vision 2030“, die im Jahr 2016 ins Leben gerufen wurde. Der Kronprinz und faktische Herrscher Saudi-Arabiens, Mohammed Bin Salman al-Saud, stellte das Programm vor dem Hintergrund der starken Abhängigkeit des Landes von Öleinnahmen vor. Ziel der Reform ist es, die Wirtschaft breiter zu fächern und zugleich Lebensqualität, Beschäftigung und gesellschaftliche Teilhabe im Land zu verbessern.

Laut IMPACT-se erkennt die „Vision 2030“ an, „dass radikale Ideologien und politische Ansätze den Zielen von Frieden und Wohlstand entgegenstehen“. Das Programm stand indes kürzlich in der Kritik, die gesteckten Ziele trotz hoher Ausgaben nicht zu erreichen.

Für die Kinder und Jugendlichen an saudischen Schulen hat es unterdessen bereits viel erreicht. Sie profitieren von toleranteren, zukunftsorientierten Lehrinhalten, die ein offeneres Weltbild vermitteln. (lea)

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20 Kommentare

  1. Einige Schritte in die richtige Richtung, hoffentlich geht es weiter so, inch’allah. Wenn dann noch die öffentlichen Hinrichtungen abgeschafft werden und Frauen nicht mehr Schleier und Abbaya tragen müssen…
    Der Kronprinz ist ein ambivalenter Mann, er bringt fortschrittliche Entwicklungen auf den Weg, aber bleibt gleichzeitig einer unguten Tradition von Gewalt verhaftet, wie die Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi und die „Säuberungen“ innerhalb seiner eigenen Familie zeigen. Abwarten, wie es weiter geht.

  2. Es ist gut, dass antisemitische Inhalte aus den Schulbüchern in Saudi-Arabien entfernt worden sind.

  3. Interessant das Sie sich in der Lage sehen, die Ermordung von Journalisten zu kritisieren. Haben Sie die Ermordungen der über 200 Journalisten seitens Israel auch kritisiert? Ich finde keinen solchen Beitrag von Ihnen.

    1. @Blub
      Es ist ja wohl ein himmelweiter Unterschied zw. einem Jamal Khashoggi, der zur Abholung von Dokumenten zu seiner eigenen Hochzeit das Saudi-arab. Generalkonsulat betrat und dort brutal ermordet und zerstückelt wurde und sogenannten Journalisten, getarnt mit Press-Weste, von denen mehr als die Hälfte nachgewiesene Verbindungen zu Hamas und Dschihad hatten und selbst militärisch tätig waren. Ein Journalist geht immer freiwillig in ein Kriegsgebiet. Und mit der Falsch-Einschätzung eines „Genozids“ hat deren Berichterstattung (Guardin, El Pais, BBC) an Glaubwürdigkeit verloren. Hätten Reporter ohne Grenzen die Hintergründe der getöteten Personen hinreichend geprüft, hätten Todesfälle verhindert werden können, bzw. die Datenbank würde eine geringere Anzahl an getöteten Journalisten zeigen, in einem Krieg mit Terroristen.

      1. Ella,lass dich doch darauf nicht ein, es ist von Saudi-Arabien und den Bildungsinhalten die Rede,weder von filetierten Journalisten noch von Terrorjournalisten.
        SHALOM

      2. @Ella, komplett am Thema vorbei geredet. Setzen. Erst lesen, dann versuchen zu verstehen, dann antworten.

        1. @Blub
          Falsch! Muss heißen:
          Erkennen Sie die Lügen, die Sie glauben. Verändern Sie Ihre Perspektive. Bekennen Sie, was wahr ist.

    2. @Blub
      Was Sie schreiben, nenne ich Lüge!
      Die IDF hat keine 200 freie und unabhängige Journalisten ermordet.
      Wenn Sie anderer Meinung sind, liefern Sie mir bitte die Quelle.

  4. Aus Saudischen Schulbüchern antisemitische Inhalte entfernt. Werden die Palästinenser das auch tun? Nein.

  5. Vermutlich wurde der saudische Lehrplan noch nie so gut bewertet. Das ist eine gute Nachricht. Es wäre wünschenswert, dass andere arabische Länder das übernehmen. Auf längere Sicht könnte das zum Frieden im Nahen Osten führen, wenn Hass nicht mehr indoktriniert wird.
    Zum Vertrag von Nadschran „Mohammed garantierte den Christen von Nadschran den Schutz ihres Besitzes, ihrer Kirchen und ihrer freien Religionsausübung“, habe ich ein großes Fragezeichen. Die Christenverfolgung in muslimischen Ländern wie z.B. Afghanistan, Pakistan, Somalia oder Teilen des Nahen Ostens sprechen eine andere Wahrheit. Im Iran und Saudi Arabien wird Staatsislam als Bedeutung der Nation Identität gefordert und erzwungen.

  6. Antisemitische Inhalte müssen nicht nur aus Schulbüchern, sondern auch aus den Köpfen entfernt werden.

  7. @Ella
    Zu Ihrem letzten Satz:
    Haben wir nicht alle vor Kurzem den Dialog zwischen zwei Israelis inn einem Kaffee gelobt,
    Was fordert der der orthodoxe Jude?
    Shalom

    1. @Reinhard
      Lesen Sie es, dann wissen Sie es.
      Und dann empfehlen Sie es Ihrem Freund, dessen Werte und Gedankengut Sie ja teilen.

  8. Da die Zensierungen der Kommentare durch die Redaktion ‚Israelnetz‘ nicht nachvollziehbar sind und mir recht willkürlich erscheinen, melde ich mich für diesen Newsletter ab.

    Mit freundlichen Grüßen
    Erika Moyses

  9. Interessant ist, finde ich, daß hier möglicherweise so eine Art von Annäherung an Israel durch die Hintertüre stattfinden könnte, aber das muss wohl erst abgewartet werden wieviel da vielleicht dran ist.
    SHALOM

  10. Erika, tun Sie das nicht.
    Auch von mir sind schon Kommentare rausgeworfen worden, wenn sie, wenn auch vielleicht der Wahrheit entsprechend, allzu scharf formuliert waren. Man gewöhnt sich dran, mildert ein wenig die Schärfe, und schon kommt er durch. Wenn man so bissig ist wie ich, muss man mit solchen Reaktionen rechnen.
    SHALOM

  11. Blub verschweigt, dass viele der „Journalsten“ in Wahrheit Hamas-Terroristen waren. Auch mit Verschweigen kann man die Unwahrheit ausdrücken.

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