JERUSALEM (inn) – Es ist ein unerwarteter Fund, den Israels Altertumsbehörde für sich verbuchen kann: In einer Höhle in Ostjerusalem haben Archäologen eine Stein-Werkstatt aus der Zeit des Zweiten Tempels gefunden. Dies gab die Behörde in einer Pressemitteilung am Montag bekannt.
Neben hunderten von Scherben entdeckten die Forscher dort auch 2000 Jahre alten Produktionsabfall und nicht fertiggestellte Gefäße. Laut der israelischen Nachrichtenseite „Arutz Scheva“ ging diesem Glückgriff ein wahrer Krimi voraus:
Antiquitätenräuber auf frischer Tat ertappt
Um Antiquitätenräubern das Handwerk zu legen, unterhält die Altertumsbehörde eigens eine Einheit für Diebstahlsprävention. Denn wie so vieles andere ist auch die Archäologie ein hochpolitisches Thema in Israel und Antiquitätenraub daher nichts Ungewöhnliches.
Im Schnitt zwei Mal die Woche erwische die Altertumsbehörde Diebe auf frischer Tat, erklärte der Chef der Einheit Amir Ganor gegenüber der israelischen Zeitung „Ha’aretz“. Im vorliegenden Fall hatte die Einheit eine Bande von Antiquitätenräubern im Visier, als sie im Zuge der Ermittlungen auf verdächtige Aktivitäten am Skopusberg aufmerksam wurde.
Daraufhin überwachten Ganors Leute das Gebiet engmaschig – und es lohnte sich: Nach nur wenigen Nächten überraschten die Ermittler fünf Räuber am Tatort. Sie hatten unter anderem einen Generator, einen Metalldetektor und Steinbruchwerkzeuge dabei.
Die fünf Männer wurden noch an Ort und Stelle verhaftet. Sie haben Ganor zufolge ein Geständnis abgelegt und sollen aus Ostjerusalem stammen. Den Räubern drohen wegen Zerstörung einer antiken Ausgrabungsstätte und illegalen Ausgrabungen bis zu fünf Jahren Haft.
Damit könnte die Geschichte zu Ende sein, doch nach der Verhaftung untersuchten Mitarbeiter der Altertumsbehörde die Höhle und entdeckten die antike Werkstatt.
Mehr als nur Fragmente: Zeugnisse jüdischen Lebens
Es ist nicht das erste Mal, dass Forscher eine derartige Werkstatt im judäischen Bergland freilegten. Eitan Klein verwies gegenüber „Arutz Scheva“ auf ähnliche Entdeckungen am Skopusberg. Der stellvertretende Leiter der Einheit für Diebstahlsprävention fügte hinzu:
„Die Entdeckung dieser Werkstatt ist besonders wichtig, da sich nun ein umfassendes Bild der Region abzeichnet: Neben diesen Produktionsstätten wurden zahlreiche weitere Funde aus der Zeit des Zweiten Tempels entdeckt – Gräber, große Wasserreservoirs, ein Reinigungsbad (Mikwe) und ein Kalksteinbruch.“
Die Werkstatt liegt zudem an einer Hauptstraße, die jüdische Pilger vor 2.000 Jahren benutzten, um nach Jerusalem zu kommen. Dies weise darauf hin, dass der Ort schon damals wichtig für die Region war und lege eine dauerhafte Besiedlung nahe. Die Forscher glauben, dass Händler die Steingefäße auf den Jerusalemer Märkten verkauft haben.
Steingefäße spielten in der Zeit des Zweiten Tempels eine wichtige Rolle für die jüdische Bevölkerung, denn anders als solche aus Ton oder Keramik können sie nicht rituell unrein werden. Daher waren sie ideal für die Aufbewahrung etwa von Speisen.
„Kriminelle Vergangenheit“ der Ausstellungsstücke
Der Minister für Kulturerbe Amichai Elijahu (Ozma Jehudit) versteht die Entdeckung als „Fenster in eine Welt“, die es zu schützen gelte. „Versuche unserer Feinde, Antiquitäten zu plündern, sind nicht einfach Diebstahl, sondern Bemühungen darum, unsere Identität zu stehlen“, erklärte er gegenüber „Arutz Scheva“.
Archäologiefreunde und Geschichtsenthusiasten können die Steingefäße in Jerusalem bestaunen: Die Altertumsbehörde zeigt sie im Rahmen der Ausstellung „Criminal Past“ (Kriminelle Vergangenheit). Dabei ist der Name sprechend: Die ausgestellten Artefakte waren in der Vergangenheit Teil von Diebesgut oder stammen von geplünderten Ausgrabungsstätten.
Zu sehen ist die Ausstellung auf dem „Jay und Jeany Schottenstein-Campus für die Archäologie Israels“ Der Campus befindet sich auf dem Museumshügel in Jerusalem und wird derzeit noch weiter ausgebaut. Hier soll künftig ein Großteil der in Israel gefundenen Artefakte dauerhaft aufbewahrt werden. Dazu gehören unter anderem die circa 25.000 Fragmente der berühmten Qumran-Handschriften. (mw)
5 Kommentare
Heidenoi, da haben die gleich zwei Fliegen mit einer Klappe erwischt. Gute Arbeit, Leute, toda raba.
SHALOM
Die Entdeckung der antiken Werkstatt ist wundervoll, denn sie ist ein wichtiges Zeugnis aus der Vergangenheit.
Immer wieder gibt es bei den Ausgrabungen Überraschungen zu bestaunen!
Demnächst reise ich nach Israel und freue mich jetzt schon darauf Ausgrabungsstätten und anderes live zu sehen und zu erleben.
Abigail, wenn Sie nach Israel reisen, müssen Sie nicht zwangsläufig alle diese Orte besuchen. Sobald Sie dort sind, werden sie die Geschichte vieler Jahrtausende spüren und inhalieren.
So oft, wie ich in Israel bin, habe ich doch nie ein Museum dort besucht, weil die Geschichte mich umgibt, einschließlich der Gegenwart des
Ewigen. Yad Vashem und die angeschlossenen Einrichtungen hingegen sind Orte der Mahnung und des Gedenkens, die ich jedesmal aufsuche.
SHALOM
Lieber Klaus, es lohnt sich schon, Museen in Israel zu besuchen. Obwohl ich seit fast 60 Jahren in Israel lebe, besuche ich immer noch die Museen und lerne jedes mal viel, weil auch immer Neues entdeckt wird.
Was mich an dem Artikel stört, ist der nationalistische Slogan. Arutz Scheva ist ultrarechts und Ozma Jehudit ist die Partei des rechtsgültigen vorbestraften Ministers Itamar Ben Gvir, einem Kahanisten.
Hier wird alles gleich politisch. Es handelt sich um ein kriminelles Vergehen, Grabraub, aber nicht um ein feindlicher Akt damit Israels Vergangenheit auszulöschen. Im Grunde stammen alle Antiquitäten in der arabischen Jerusalemer Altstadt wie der jüdischen Neustadt aus Grabraum, und das israelische Amt für Altertumskunde weiß das und versucht das zu regulieren, damit wenigstens die wertvollsten Funde dem Staat nicht verloren gehen. So wurden schließlich auch die Rollen vom Toten Meer gefunden, durch nach Antiquitäten suchenden Beduinen.