MIZPE RAMON (inn) – Ein achtjähriger Junge hat in der südisraelischen Wüste Negev einen besonderen Fund gemacht: Bei einem Wochenendausflug mit seiner Familie stieß er auf ein Fragment einer antiken Statuette – und konnte direkt eine Expertenmeinung einholen.
Dor Wolynitz aus der Stadt Rechovot im Zentrum des Landes habe sich im Ramon-Krater nach besonderen Gegenständen umgeschaut, teilte die Israelische Altertumsbehörde (IAA) am Montag mit. Die Funde habe er dann seinen Klassenkameraden zeigen wollen. Plötzlich sei er auf einen interessanten Stein mit Streifen aufmerksam geworden.
Archäologe begleitete Familie auf Ausflug
„Es wirkte auf mich wie ein ungewöhnlicher Gegenstand“, sagte Dor. „Also zeigte ich ihn Akiva, einem Archäologen und einem Freund meines Vaters, der mit uns auf unserem Ausflug war.“
Akiva Goldenhersch arbeitet bei der IAA für die Abteilung zur Verhinderung von Diebstahl. Zuerst dachte er nach eigener Aussage, es handele sich um ein Fossil. „Aber dann bemerkte ich die herausgearbeiteten Falten des Gewandes, und ich war sehr aufgeregt.“ Der Mantel der Statuette sei in weichen, fließenden Linien um eine menschliche Figur gewickelt.
Das Fragment ist etwa 6 mal 6 Zentimeter groß und stellt den oberen Teil eines männlichen Torsos dar. Möglicherweise ist es ein Stück von einer Jupiter-Statuette. Doch auch Zeus-Duschara ist möglich – in der römischen Zeit war der griechische Hauptgott Zeus mit einer örtlichen, nabatäischen Gottheit verschmolzen.
Die Nabatäer waren ein halbnomadisches Volk, das in der Wüste lebte. Sein Gebiet erstreckt sich über das heutige Saudi-Arabien, Jordanien, Israel und die ägyptische Sinaihalbinsel. Die Nabatäer beteiligten sich aktiv am Handel im Negev. Sehr präsent waren sie zwischen dem 3. vorchristlichen und dem 2. nachchristlichen Jahrhundert.
Fundort auf antiker Gewürzroute
Der Fundort liegt in der Nähe von Chan Saharonim. Dieser Ort diente in der Antike als Herberge für Reisende auf der internationalen Gewürzroute, die den Ramon-Krater durchquerte. Diese war in römischer und nabatäischer Zeit sehr belebt.
Der Geologe Nimrod Wieler fand heraus, dass die Statuette aus Phosphorit bestand. Dieses Mineral ist häufig im Negev zu finden. Daraus schloss der Wissenschaftler, dass die Skulptur nicht importiert, sondern in der Region hergestellt wurde.
Bei der Datierung wiederum half der Stil des Gewandes. Es handele sich um einen schweren Mantel, himation genannt, erklärte Goldenhersch laut der Nachrichtenseite „Times of Israel“. Dieser habe kein sichtbares chition, also Untergewand. Daraus ergab sich für den Experten, dass die Statuette etwa 1.700 Jahre alt sein muss.
Der junge Entdecker übergab seinen Fund an die IAA-Abteilung für nationale Schätze. Dafür erhielt er ein Zertifikat über gutes staatsbürgerliches Verhalten. (eh)
21 Kommentare
Es ist schön, dass ein achtjähriges Kind möglicherweise ein Stück einer Jupiter-Staue gefunden hat. Mein Vater hat einmal bei einer Wanderung eine Druse gefunden.
Auf einer Wanderung im Negev stößt der Achtjährige Dor auf eine Statuette, 1700 Jahre alt.
Bei der nächsten Wanderung wollen meine Ehefrau und ich selbst, 89 Jahre alt, unbedingt dabei sein.
Wie schön, dass Kinder so neugierig sind auf ihren Pfaden und nicht einfach blindlings durch die Welt stapfen. Das ist bei unseren Enkeln auch so.
Und dann solch ein Fund! Herrlich!
Herzlichen Glückwunsch kleiner Mann und weiterhin viel Spaß am Entdeckertum.
Könnte dieses Fragment vielleicht aus Petra stammen ? Die alte Hauptstadt der Nabatäer ist nicht weit entfernt, und dort wurden meines Wissens nach solche Gegenstände hergestellt.
SHALOM
Sehr interessant, was Sie hier schreiben. Mit ihrer Aussage hier erweitern Sie meinen Bildungshorizont.
@Ute Engels
Ich finde den Kommentar von Klaus auch interessant. Und er könnte Recht haben.
Übrigens kommt es mir so vor,als wenn Klaus für Sie so eine Art Lehrer ist. Bitte nicht falsch verstehen. Sind keine Hintergedanken dabei. Ich finde es nur niedlich von Ihnen. Und wenn Sie einverstanden sind,ich bin ja nun wohl die Ältere von uns beiden,dann würde ich Ihnen das „Du“ anbieten. Ich mag auch Ihre kleinen Anekdoten aus Ihrem persönlichen Leben ganz gerne. Auch wenn manche sich fragen: was hat das mit dem und dem Bericht zu tun? Sie wirken manchmal sehr vorsichtig. Aber das ist ok.
Und @Klaus: du hast also eine Art “ Vorbildfunktion“! 😃😃👍👍🇮🇱
Liebe Grüße an euch!
Manu
Ja, Sie können mich gerne dutzen.
@Ute Engels
Ok,freut mich. Das macht das etwas vertrauter.
Viele Grüße Manu
Vielen Dank für die Blumen, aber so sehe ich mich eigentlich nicht, eher als eine Art korrigierender Moderator, auch wenn das vielleicht ein wenig hochgegriffen ist.
Ich stehe als Jude und Zionist auf Israels Seite, finde aber vieles, was kritikwürdig ist. Das Recht zur Kritik habe ich, das lasse ich mir nicht nehmen, selbst wenn sie mal auf meine Mitstreiter gemünzt ist
oder auch auf mich selbst, wenn ich mal danebenliege.
Ich schrieb vor einiger Zeit mal, daß ich nie ganz auf einer Seite stehe, weil nämlich auch nie jemand ganz auf meiner Seite steht, und so halte ich es auch.
Das ich mir nicht immer Freunde damit mache ist logisch. Ich kann damit leben.
Die Welt ist nun mal nicht schwarz/weiß, sie ist grau, mit unterschiedlichen Stufen, du verstehst? In diesem Sinne…………
SHABBAT SHALOM
Ich hab mal im Geologieatlas nachgeschlagen, die Phosphoritvorkommen erstrecken sich tatsächlich über einen Gürtel aus diesem Gestein, der auch die Gegend um Petra beinhaltet. Dieses Fragment könnte wirklich auch von dort stammen, ist nur nen Katzensprung weit entfernt im heutigen Jordanien.
SHABBAT SHALOM
Grossartiger Fund! Zugleich denk ich mir, dass sich der kleine Entdecker neben der Urkunde auch über ein paar Schekel gefreut hätte!
@Ulrich Haug
Es ist abwegig, was Sie sich da so denken. Aber vielleicht gehen Sie von sich aus? 😒 – Von (intrinsischer) Motivation im Rahmen der Entwicklungs- bzw. Kinderpsychologie haben Sie wohl noch nie etwas gehört? Ein Achtjähriger! Schekel? Ich bitte Sie!
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Ich zitiere aus den ALL ISRAEL NEWS vom 12.05.2026:
>> Goldenhersh lobte Dor dafür, dass er das Fragment der Abteilung für Nationalschätze übergeben habe. Der Junge erhielt eine Anerkennungsurkunde von der Israelischen Altertumsbehörde.
„Jeder archäologische Fund ist Teil unseres gemeinsamen Erbes in diesem Land. Die Übergabe an die Abteilung für nationale Schätze ermöglicht es uns, ihn zu untersuchen, zu bewahren und das Wissen der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, sagte Goldenhersh. „Das verantwortungsbewusste Verhalten von Dor und seiner Familie ist ein Beispiel für echte bürgerliche Verantwortung und die Bewahrung des kulturellen Erbes unseres Landes. Dor ist ein Vorbild für uns alle.“
Der israelische Minister für Kulturerbe, Rabbi Amichai Eliyahu, sagte [. . .]:
„Ich gratuliere Dor zu seiner Wachsamkeit und seinem Verantwortungsbewusstsein – dank ihm wurde der Fund entdeckt, wird erhalten bleiben und uns allen die Geschichte der Völker und Kulturen erzählen können, die vor Tausenden von Jahren hier vorbeikamen“ [. . .]
Der Ramon-Krater ist eine einzigartige geologische Formation [. . .] In der Antike war er eine Station auf den Handelswegen über Land, die Indien und China mit dem Mittelmeer verbanden. <<
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Ja, das ist Motivieren in praxi! Vorbildlich, kindgerecht, anspornend . . . 👍👍👍
@Alida
Ich muss dich auch hier etwas „bremsen“. Da ich Mutter bin,weiß ich aus Erfahrung,ein paar Euro/Schekel spornen auch an. Gerade bei so etwas Wichtigem. Es müssen ja keine Hunderte sein. Aber ein,zwei Euro. Da hat sich auch mein Sohn dann gefreut. Er bekam nicht ständig etwas. Aber wenn er mal was Tolles gemacht hat. Damit meine ich
nicht das Zimmer aufräumen. 🤣🤣🤣
Bitte keine psychologischen Tipps ohne eigene Kinder. Und bitte nimm es mir nicht übel.
Ich grüße dich ganz lieb!😘
Manu
@Alida
Was ist jetzt daran so „abwegig“, einem kleinen Jungen ein paar Schekel zu schenken für einen bedeutenden Fund, der zur historischen Geschichte Israels gehört? Vielleicht würde es ihn anspornen, einmal Ärchäologe werden zu wollen.
@Ella
Bitte @Anas Kommentar lesen. Und berücksichtigen, was der ACHTJÄHRIGE an Wertschätzung und Anerkennung erfahren hat (dazu habe ich einiges zitiert).
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Verweise auch darauf, dass Forist @Ulrich Haug Urkunde mit gleichzeitiger Geldübergabe (durch IAA!) verknüpft. Das ist abwegig. Völlig abwegig.
Ich drücke mich hier, als höflicher Mensch, milde und vorsichtig aus. Vielleicht sollte mein Standpunkt in diesem Fall respektiert werden?
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Danke, Alida, genauso sehe ich das auch. Ich finde es toll, dass der achtjährige Junge selbst seinen Fund übergeben dürfte und eine „kindgerechte Wertschätzung“ für diesen herausragenden Fund erleben durfte. Diese Begebenheit wird ihn vermutl. sein Leben lang begleiten. Sicherlich wird er weiterhin seine Augen offen halten. Er bekommt dadurch sicherlich von seiner Familie und manch anderen weiterhin Anerkennung.
Wo käme denn die IAA hin, wenn sie all die Funde berechnen und bezahlen sollte. Ich bin gehe davon aus, dass dann plötzlich ganz viele „Scheinfunde“ auftauchen würden, nicht nur die „echten“. Abgesehen davon finde ich es gut, dass nicht alles in Geld „gewechselt“ wird. Vllt hat er von seiner Familie einen „großen“ Eisbecher bekommen, oder sein „Lieblingsgericht“ wurde
gekocht?
Danke Alida, für die Darstellung der „intrinsischen Motivation“.
Ganz ehrlich, das „Todschlagargument“ selbst keine Kinder zu haben, lächerlich, als ob alle Eltern automatisch für ihre Kinder das „Richtige“ tun würden,
nachdem die „schlimmsten Erfahrungen“ nicht genau in der eigenen Familie stattfinden würden, und diese dann ein Leben lang belasten.
@Ana
Herzlichen Dank für Zustimmung und Ergänzung! – Übrigens liegt meine Kindheit nicht gar so lange zurück – ich spreche aus Erfahrung! 😎
@Ana
Einige Bemerkungen zu Ihrem anregenden und verständnisvollen Kommentar . . .
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Was Sie zur IAA und möglichen „Scheinfunden“ sagen, ist meiner Meinung nach unbedingt zu berücksichtigen (unter diesem Blickwinkel hatte ich’s nicht gesehen; für Ihren Hinweis bin ich Ihnen dankbar).
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Sie heben hervor, dass ich die „intrinsische Motivation“ erwähnt habe. Das freut mich sehr. Ich interessiere mich (soll ich nun sagen: trotz meines Chemiestudiums?) so nebenbei brennend für einige eng umgrenzte psychologische Themen. Und dazu gehört diese Art Handlungsmotivation, die ja in Erziehung (und Unterricht bis hin zur Erwachsenenbildung) von Bedeutung ist.
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An den Begriff „Totschlagargument“ hatte ich überhaupt nicht gedacht, als ich die betreffende „Zurechtweisung“ vor mir hatte. Mein erster Gedanke war lediglich: Wenn das Anna Freud lesen müsste . . . 🤦♀️
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Übrigens ist es doch nicht gar so selten, dass Eltern „alles“ richtig gemacht haben, trotzdem schlagen die Kinder unerwartet seltsame Wege ein. Oder umgekehrt: Verwahrlostes Elternhaus, bewundernswertes Kind.
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Was ist der Mensch? So hat nicht nur Ernst Cassirer gefragt. Die Psychologie ist ein weites Feld. Völlig unpräzise, unsicher, nicht verifizierbar in Teilbereichen. Ein Fach nicht frei von nebulösem bis bedenklichem Vokabular. Spielwiese verwegener Experimentatoren. Anfällig für Scharlatanerie.
Bitte nicht so grob,Alida, er hat das mit Sicherheit nicht bös gemeint.
Und nein, ihre Antwort an mich betreffend, ich kreide es Ihnen nicht an.
SHALOM
@Klaus
Vorsichtig gefragt: Vielleicht verstehen wir unter dem Begriff „grob“ jeweils etwas anderes?
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„Grob“ ist in meinem arg begrenzten Sprachverständnis mit den Begriffen „ungehörig“ bzw. „ungebührlich“ verknüpft.
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OT: Ich spreche öfters- wie Sie ja auch – Klartext. In meiner Entgegnung auf @Ulrich Haug (der sich in Schweigen hüllt) beziehe ich mich (natürlich ohne das zu erwähnen!) auch auf die Erziehung in meiner Kindheit. Als ich neun Jahre alt war. habe ich begonnen, eine Art „Tagebuch“ zu führen. Eines meiner großen Erlebnisse damals: Urkunde für Sieg im Weitsprung (mit Medaille!). Was meinen Sie, wie stolz ich damals war!
@Ana
Vielen Dank. Und ja, aus meinem Sohn ist was geworden. Und er ist auch anständig. Hab dann wohl doch alles richtig gemacht.
Sicher macht man auch Fehler. Aber bestimmt nicht,wenn ich ein paar Schekel für diesen Fund schenke. Und was wissen Sie über Ereignisse in meiner Familie?