Komplex für rituelle Reinigung in Jerusalem entdeckt

Forscher entdecken drei Mikwen in der Nähe des Tempelberges. Jüdische Pilger aus dem ersten Jahrhundert nutzten sie für die rituelle Reinigung, bevor sie den Tempel betraten.
Von Israelnetz
Dreifachtor

JERUSALEM (inn) – Bei Ausgrabungen in der Nähe des Tempelbergs in Jerusalem haben israelische Archäologen drei große Mikwen aus der Zeit des zweiten Tempels freigelegt. Die Tauchbäder wurden Anfang des ersten Jahrhunderts gebaut und dienten jüdischen Pilgern als Reinigungsstation vor dem Aufstieg zum Tempel.

Das Besondere an der Entdeckung: Die Mikwen sind Teil einer großen Anlage, die sich über eine Fläche von 280 Quadratmetern erstreckt. In ihrem Zentrum steht ein großes, von allen Seiten begehbares, verputztes Becken. Es liegt knapp 50 Meter vom historischen Dreifachtor entfernt, an der Südmauer des Tempelberges.

2.000 Jahre alte Mikwe in voller Höhe

Der Fund sei beispiellos, erklärte Usi Leibner von der Hebräischen Universität in Jerusalem. Denn bei der Anlage handele es sich um einen Zweckbau, der ausschließlich für die rituelle Reinigung geschaffen worden sei.

Die drei Mikwen waren in einem Gebäude aus Quadersteinen untergebracht. Zumindest eine davon ist in sehr gutem Zustand. Sie hat eine Höhe von 4,2 Meter und trägt noch das gewölbte Steindach, das einst über dem gesamten Gebäude ragte. In der Decke befindet sich ein Schacht. Darüber wurde das Becken mit Wasser gefüllt. Ein ausgeklügeltes Entwässerungssystem leitete das verbrauchte Wasser in das Kidrontal.

Derart gut erhaltene Strukturen in Jerusalem aus der Zeit des Zweiten Tempels kommen selten vor, erklärte Leibner gegenüber der Nachrichtenseite „Times of Israel“. Die Anlage zeige, wie die drei wichtigen jüdischen Pilgerfeste – Pessach, Schawuot und Sukkot – vor 2.000 Jahren ausgesehen haben.

Reinheit vor dem Aufstieg

„In der Zeit des Zweiten Tempels, als die Wallfahrt zum Tempel noch ein wichtiger Teil des Judentums war, diente die Anlage Tausenden von Pilgern, die in einen Zustand der rituellen Reinheit kommen mussten.“ Die Anlage sei Teil der Infrastruktur zur Versorgung der Pilger gewesen. Rundherum findet man den Forschern zufolge auch Gehwege, Geschäfte und Wasserreservoirs.

Ein Ende fand das rege Leben rund um die jüdische Kultstätte 70 nach Christus, als die Römer Jerusalem und den Tempel zerstörten. Im Jahr 1187 eroberte der islamische Herrscher Saladin Jerusalem und ließ die Tore schließlich zumauern. (mw)

Bitte beachten Sie unsere Kommentar-Richtlinien. 

Schreiben Sie einen Kommentar

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Israelnetz-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen