Komplexe Aktion: Transport eines antiken Tauchbades

Wegen Bauarbeiten wird ein rituelles Tauchbad aus der Antike in eine Lagerhalle transportiert. Die Aktion lässt selbst bei einem altgedienten Konservator der Altertumsbehörde den Adrenalinspiegel steigen.
Von Israelnetz

KIRIAT GAT (inn) – Archäologen haben im südisraelischen Kiriat Gat ein etwa 2.000 Jahre altes jüdisches Tauchbad entdeckt. Da am Fundort ein neues Viertel namens Karmel Gat entsteht, wurde die Mikwe in einer riskanten Aktion vorübergehend entfernt. Sie soll später in dem Stadtteil ausgestellt werden.

Das Tauchbad wiegt 25 Tonnen und ist 4 Meter breit. Um ein solches Bauwerk, das zudem in der Erde vergraben war, zu bewegen, benötigten die Wissenschaftler der Israelischen Altertumsbehörde (IAA) besondere Gerätschaften. Doch zuerst musste die Mikwe gesichert werden.

Die Vorbereitungen währten etwa zwei Wochen, wie die IAA am Donnerstag mitteilte. Zuerst legten Archäologen das Tauchbad von allen Seiten frei. Dann wurden Löcher gebohrt, um Stahlträger für den Transport anbringen zu können.

Foto: Israelische Altertumsbehörde
Vorbereitungen für den Transport

Doch auch die alten Pflastersteine an den Wänden sollten erhalten bleiben. Die Archäologen befürchteten, dass Vibrationen zum Abbröckeln führen könnten. Also verwendeten sie Gaze und Klebemittel, aber auch Schaumstoff zum Schutz der Steine.

„Wenn sie auseinanderfällt, haben wir die Mikwe verloren“

Für den Transport selbst wurde ein großer Kran genutzt, der 300 Tonnen schwere Lasten tragen kann. Dies war unter anderem wegen der Breite der Mikwe notwendig. Die Straße zur Lagerhalle im nahegelegenen Beit Guvrin wurde für den Verkehr gesperrt, Begleitfahrzeuge vor und hinter dem Kran sicherten ihn zusätzlich ab.

Foto: Israelische Altertumsbehörde
Für den Transport war ein besonders großer Kran nötig

Der Konservator Ejal Kaho äußerte sich zum Transport der Mikwe: „Wenn man ein derartiges Bauwerk einmal in die Höhe gehoben hat, gibt es keinen Weg zurück. Wenn sie auseinanderfällt, haben wir die Mikwe verloren. Deshalb muss jede Einzelheit im Voraus in Betracht gezogen werden. Am Tag vor einer solchen Operation schläft man nicht. Man ist unter Druck, weil man die Verantwortung trägt und es schlicht keinen Preis gibt, der für Fehler entschädigen kann. Selbst nach 36 Jahren bei der Israelischen Altertumsbehörde steigt der Adrenalinspiegel jedesmal von Neuem.“

Bislang unbekannte jüdische Ortschaft

Die Mikwe indes deutet auf eine jüdische Ortschaft hin, die sich zur Zeit des Zweiten Tempels im heutigen Kiriat Gat befand. Elena Kogan-Sahavi, Ma’ajan Margulis und Schira Lifschiz leiten die Ausgrabung. Sie erklärten: „Die jüdische Siedlung, die wir hier entdeckt haben, ist die erste und die einzige bekannte in diesem Gebiet. Im judäischen Tiefland sind viele jüdische Siedlungen aus der römischen Zeit bekannt. Aber im Saum zwischen dem judäischen Tiefland und dem nördlichen Negev gab es bislang keine.“

Am Fundort wurden auch Messkrüge aus Stein entdeckt. Diese werden nach jüdischem Gesetz nicht rituell unrein. Deshalb waren sie in jener Zeit unter Juden häufig in Gebrauch.

Die bislang unbekannte jüdische Ortschaft wurde offenbar während des Bar-Kochba-Aufstandes gegen die Römer (132–135) aufgegeben. Erst 500 Jahre später, in der byzantinischen Zeit, erwachte sie zu neuem Leben. (eh)

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