PETACH TIKVA (inn) – Der letzte Beteiligte beim Hissen der legendären Tintenflagge, Jochanan Elischov, ist tot. Der frühere Palmach-Kämpfer und israelische Soldat starb am Montag im Alter von 95 Jahren in Petach Tikva. Die Flagge hisste er mit Kameraden am Ende des Unabhängigkeitskrieges in Südisrael.
Jochanan Elischov wurde am 17. März 1931 in Petach Tikva geboren. Sein Vater Mosche Elischov stammte von russischen Subbotnik-Konvertiten ab; seine Vorfahren hießen ursprünglich Sapinkow und waren im 18. Jahrhundert vom russisch-orthodoxen Christentum zum Judentum übergetreten. Die Mutter Chaja war aus Bessarabien eingewandert.
Wegen einer Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie) tat sich Jochanan schwer in der Schule und beendete sie mit zwölf Jahren. Er arbeitete in einer Autowerkstatt. Dort entwickelte er technische Fähigkeiten, die später nützlich für den Militärdienst sein sollten. Als er etwa 15 Jahre alt war, gab er sich für 16 aus, um der paramilitärischen Gruppe Palmach beitreten zu können. Sein Kommandeur wurde der spätere Armeechef Rafael „Raful“ Eitan.
Rettender Nebel
Bei der letztlich erfolglosen Zweiten Schlacht um den Berg Nebi Samuel nahe Jerusalem überlebte Elischov die Kämpfe und konnte im dichten Nebel entkommen. Seitdem hatte er eine Vorliebe für nebliges Wetter.
Er kämpfte auch in der Schlacht um das Jerusalemer Stadtviertel Katamon. Dabei evakuierte er Rafael Eitan und David „Dado“ Elasar, der später ebenfalls israelischer Armeechef wurde.
Während der ersten Waffenruhe im Juni 1948 kam er an die Südfront im Negev. Er fuhr auf eine Mine und wurde verwundet. Nach der Behandlung im Krankenhaus kehrte er zu den Streitkräften zurück. Er diente dem zuständigen Kommandeur Jigal Allon als Fahrer.
Improvisierte Flagge
Am 10. März 1949, während der Operation Uvda, erreichte seine Gruppe als Erste eine verlassene Polizeistation in Umm Raschrasch, dem heutigen Eilat. Da sie keine israelische Flagge mitführten, hissten sie eine improvisierte mit Tinte.
Elischovs Sohn Joav beschrieb die Situation im Gespräch mit der Zeitung „Yediot Aharonot“: „Als mein Vater die Tintenflagge hisste, verstand er das Ausmaß des Ereignisses nicht. Sie hatten keine Flagge, also nahm ihr Schreiber ein Laken und zeichnete darauf. Erst später wurde es ein historisches Symbol.“
Nach dem Unabhängigkeitskrieg wurde Elischov Reservist. Er kämpfte 1956 beim Sinaifeldzug, 1967 im Sechs-Tage-Krieg, 1973 im Jom-Kippur-Krieg und noch 1982 im Ersten Libanonkrieg.
Etwa 30 Jahre lang war er für eine Baufirma als Fahrer schwerer Fahrzeuge tätig. Dabei beteiligte er sich auch am Bau der Straßen, die nach Eilat führen. Er war verheiratet und hinterlässt drei Kinder: Ofer und Joav sind Ärzte, Merav wurde Rechtsanwältin.
„Die Engländer sollen Hebräisch lernen“
„Mein Vater war kein gebildeter Mann“, erzählte Sohn Joav. „Er sagte, er wollte nicht Englisch lernen – und dass die Engländer zuerst Hebräisch lernen sollten.“
Nach einem erfüllten Leben verstarb Jochanan Elischov nun in seinem Zuhause in Petach Tikva – auf dem Grundstück, wo er auch geboren wurde. (eh)