Köln: Warum eine deutsch-israelische Familie auswandert

Eine deutsch-israelische Familie in Köln entscheidet sich für die Einwanderung in den jüdischen Staat. Denn in ihrem Stadtviertel nehmen antisemitische Vorfälle zu. Kölner Gruppen rufen die Politik zum Handeln auf.
Von Israelnetz

KÖLN (inn) – Angesichts zunehmender antisemitischer Vorfälle denken immer mehr Juden in Deutschland über Auswanderung nach. Eine deutsch-israelische Familie hat sich nun für diesen Schritt entschieden: Vor allem wegen ihrer drei Kinder zieht sie nach Israel. Die Eltern hoffen, dass sich die Sicherheitslage dort bald entspannen wird.

Die Familie will anonym bleiben. Dem WDR erzählte die 43-jährige Julia: „Seit dem 7. Oktober ist die Stimmung sehr schnell gekippt. Überall in Ehrenfeld sehe ich Hamas-Dreiecke, mein Mann spricht mit den Kindern auf der Straße kein Hebräisch mehr. Wir wurden schon mehrfach bedroht.“ Die Familie hat nach ihrem Bekunden das Vertrauen verloren, dass jüdisches Leben ausreichend geschützt werde.

Julia will nur unter diesem Vornamen in den Medien erscheinen. Sie stammt aus einer christlichen Familie in Köln. Auf einer Reise lernte sie einen jüdischen Israeli kennen. Sie heirateten und zogen 2012 in die Stadt am Rhein. Die beiden haben drei Kinder.

Verlorener Prozess

Für den Entschluss zur Alija nennt die Psychologin einen konkreten Auslöser: Sie verloren einen Prozess gegen einen Mann, der sie mit einer Geste bedroht habe, weil ihr Mann Israeli ist. Nach ihrer Aussage strich er sich mit der Hand über den Hals. Das Amtsgericht hingegen glaubte ihm, er habe sich an der Nase gerieben. Es sprach ihn vom Vorwurf der Bedrohung frei.

„Wenn uns selbst die Justiz nicht mehr hilft, was sollen wir dann noch hier?“, fragte Julia im WDR. „Und das gerade mal 80 Jahre nach dem Holocaust.“

Der Verein „Klare Kante“ beobachtet Strafprozesse. Er bemängelt, dass Gerichte oft antisemitische Motive nicht als solche erkennten. Deshalb gebe es viele Freisprüche.

Unter Juden in Köln sei keine Ausreisewelle zu beobachten, sagte Felix Schotland von der Synagogen-Gemeinde dem WDR. Doch viele dächten drüber nach und fragten sich: „Sind wir hier noch sicher?“

Deutliche Zunahme von Vorfällen auch in Köln

Vor allem nach dem Terrormassaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 und dem dadurch ausgelösten Gazakrieg hat der Antisemitismus auch in Köln zugenommen. Im Jahr 2025 wurden 321 Vorfälle erfasst, das ist ein Anstieg um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die meisten ereigneten sich in der Innenstadt, Ehrenfeld folgt an zweiter Stelle.

„Ich habe hier Bilder gesehen, wo Juden als Ratten dargestellt wurden“, erzählte Julia. Aufrufe zur „Intifada“ seien zu hören gewesen.

Bundesweit registrierte die Meldestelle RIAS für das vergangene Jahr 8.725 antisemitische Vorfälle, das waren fast 24 pro Tag. Einen Anstieg um rund 44 Prozent gab es demnach sowohl im rechtsextremen Spektrum als auch vor einem linken, anti-imperialistischen Hintergrund.

Kölner Gruppen fordern zum Handeln auf

Infolge der Entscheidung von Julias Familie haben Kölner Gruppen eine Erklärung veröffentlicht. Darin schreiben sie: „Julia verlässt mit ihrem israelischen Mann und den drei Kindern der beiden Köln nach Israel. Dies folgt auf massive Anfeindungen, weil sich die Familie für Israel engagiert und israelsolidarisch zu sein für sie selbstverständlich ist.“ Die Frau sei Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft.

„Wenn es Zustände gibt, aufgrund derer man sich als jüdische Familie gezwungen sieht, Köln den Rücken zu kehren, dann sind diese Zustände zu benennen und zu kritisieren!“, heißt es weiter. Das sei ein Armutszeugnis für Köln, „die Stadt, die so viel auf ihre Toleranz und Vielfalt gibt, dass sie den Schutz israelsolidarischer und jüdischer Menschen nicht mehr gewährleisten kann“.

Die Gruppen erinnern daran, dass Juden seit dem Jahr 321 in Köln ansässig waren. Sie fügen an: „Der Stadtrat hat Resolutionen in Solidarität mit den hier lebenden Jüdinnen und Juden, der Partnerstadt Tel Aviv und Israel verabschiedet.“ Das sei gut, aber nicht genug. „Jüdinnen und Juden und deren Kinder, Verwandte, Freundinnen und Freunde müssen sich in Köln jederzeit sicher und aufgehoben fühlen können. Sie gehören zu uns! Wenn das nicht mehr so ist, haben wir als Stadtgesellschaft, als Parteien, als Zivilgesellschaft, als Kirchen, als Vereine versagt.“

Die Erklärung haben unter anderen die AG Köln der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, verschiedene Initiativen gegen Antisemitismus sowie der Verein für die Städtepartnerschaft zwischen Köln und Tel Aviv-Jaffa unterzeichnet. (eh)

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2 Kommentare

  1. Wie gut ist es um unsere Demokratie in Deutschland bestellt, wenn der Antisemitismus so stark zugenommen hat? Mich erinnert es an den Vorfall kürzlich, bei dem ein 65jähriger der deutsch-israelischen Gesellschaft wegen einer Israelfahne von einem 20jährigen Syrer in das Koma getreten und geschlagen wurde. Bei der Masse der Menschen gibt es weder einen Aufschrei noch bemerken sie es? … Antizionismus ist der politische Vorwand den Staat Israel zu delegitimieren bei vielen Moslems … ich mag Juden aber keine Zionisten (Zitat)… ich ziehe mich regelmäßig in das Gebet zurück, weil es mich frustriert. * SHALOM

  2. Dann wird irgendwann die große Synagoge in Köln, in der Roonstraße verwaist sein, weil es dann keine Juden mehr in Köln oder sogar ganz Deutschland mehr gibt.
    Wen wird man dann hassen ?
    Die Queeren, die Moslems, die Rechten, die Linksgrünwoken, sich selbst ?
    Mir ist’s gleich, ich bin dann schon längst weg, nach Israel, nach Hause.
    Nur um die paar anständigen Nichtjuden, die es hier dann noch aushalten müssen, tut es mir sehr leid.
    SHALOM

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