JERUSALEM (inn) – Um dem Lehrermangel in Israel zu begegnen, will die Regierung Personal aus Nordamerika anlocken. Im Verbund mit der Einwanderungsorganisation Nefesch B’Nefesch hat sie zu diesem Zweck am Mittwoch ein Unterstützungsprogramm ins Leben gerufen. Ziel ist es dabei, den Lehrkräften den Einstieg in Israel zu erleichtern.
Mithilfe des Programms sollen für die Kandidaten aus den USA oder Kanada schon vor dem Umzug wesentliche Dinge geklärt sein, darunter die Anerkennung des Studiums und die Neuanstellung. Auf diese Weise sollen die Lehrer schon kurz nach ihrem Umzug mit der Arbeit beginnen können, ohne erst monatelang mit Behörden zu tun zu haben. Die ersten Lehrer werden für das akademische Jahr 2027/28 erwartet.
Die Initiative basiert auf einem vor zwei Jahre für Ärzte ausgerufenen Programm, das in den Augen der Regierung bislang erfolgreich verlaufen ist: Mehr als tausend Ärzte seien seit 2024 aus aller Welt nach Israel gekommen.
In Israel fehlen derzeit rund 3.000 Lehrkräfte, darunter 200 in Kindergärten und 100 in Förderschulen. Das berichtete der Sender „Kan“ Ende Juli. In dem Beitrag hieß es weiter, dass viele Lehrer derzeit fachfremd unterrichten würden, um den Mangel zu lindern. So komme es vor, dass Sportlehrer den Schülern Englisch beibringen.
Ausweitung angedacht
Einwanderungsminister Ofir Sofer (Religiöser Zionismus) ist überzeugt, dass infolge der Beseitigung von Hindernissen durch den Staat mehr Lehrer nach Israel kommen. Das Programm solle später auch auf weitere Länder ausgedehnt werden.
Bildungsminister Joav Kisch (Likud) erklärte, der Lehrermangel in Israel sei eine der größten Herausforderungen für das Bildungssystem. Besonderen Bedarf gebe es bei den Fächern Mathematik, Naturwissenschaften und Fremdsprachen wie Englisch. Für das kommende Schuljahr ist der flächendeckende Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Englischunterricht angedacht, um das System zu entlasten.
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Hohe Abwanderungsrate
Erst vergangene Woche begrüßte Staatspräsident Jizchak Herzog die einhunderttausendste Person seit dem Jahr 2002, die mithilfe von Nefesch B‘Nefesch aus Nordamerika eingewandert ist: Es handelt sich um die achtjährige Emilia aus New York, die mit ihren Eltern und ihrem Bruder ein neues Leben in Israel beginnt. Im Schnitt brachte Nefesch B’Nefesch damit rund 4.167 Einwanderer pro Jahr nach Israel.
Welcome to Israel, Emilia – the 100,000th Olah to make Aliyah with @NefeshBNefesh 🇮🇱 pic.twitter.com/4YVr3aOG9J
— יצחק הרצוג Isaac Herzog (@Isaac_Herzog) August 9, 2026
Zugleich ist der jüdische Staat derzeit mit einer hohen Auswanderungsrate konfrontiert. Abgesehen von einzelnen Perioden in den 1950er und den 1980er Jahren hatte stets mehr Zuwanderung als Abwanderung gegeben. Im Zeitraum 2023/24 gab es wieder mehr Abwanderung.
Für das Jahr 2025 werden endgültige Zahlen erst 2027 erwartet. Eine Anfang August veröffentlichte vorläufige Untersuchung der Universität Tel Aviv deutet jedoch auf ein anhaltendes Rekordniveau hin. Die Forscher zählten rund 91.000 Israelis, die im Jahr 2025 für mehr als drei Monate das Land verließen und zuvor mindestens drei Jahre in Israel gelebt hatten. In den Jahren 2010 bis 2019 lag dieser Wert bei durchschnittlich 60.000.
Wirtschaftsprofessor Itai Ater erklärte, von den gezählten Israelis würden viele zwar nach drei Monaten oder nach einem Jahr wieder zurückkehren. Nichtsdestotrotz weise der Wert einen starken Zusammenhang zur dauerhaften Abwanderung auf. Als Gründe nannte Ater die militärischen Konflikte sowie den politischen Streit im Land. (df)
Ein Kommentar
Israel will Lehrer aus Nordamerika ins Land holen. Eine gute Idee.