Regimetreue iranische Zeitung veröffentlicht Racheliste

Eine Racheliste mit westlichen Politikern erscheint in einer iranischen Zeitung. Auch Kanzler Merz findet sich darauf. Währenddessen verbreiten tausende Fake-Profile mit Verbindungen zum Iran Falschinformationen über den 7. Oktober 2023.
Von Israelnetz

TEHERAN (inn) – Die staatsnahe iranische Zeitung „Hamschahri“ hat am Samstag eine „Abschlussliste“ mit hochrangigen amerikanischen, israelischen und europäischen Politikern veröffentlicht.

Dort wurden US-Präsident Donald Trump (Republikaner) und der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu (Likud) als Ziele markiert. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sowie der französische Präsident Emmanuel Macron (Renaissance) finden sich auf der Liste.

Auf den Bildern der Grafik tragen die insgesamt 13 Politiker orangefarbene Kleidung, die an Gefängniskleidung erinnert. Dazu veröffentlichte „Hamschahri“ Berichten zufolge eine Stellungnahme von Irans oberstem Führer Ajatollah Modschtaba Chamenei: „Rache ist der Wille unserer Nation und sie muss zweifellos ausgeführt werden.“

Drohungen gegen Trump

Chamenei ist der Sohn des im Februar getöteten früheren Revolutionsführers Ajatollah Ali Chamenei. Dieser wurde am Donnerstag beigesetzt. Während der Trauerfeierlichkeiten hielten Anhänger des Regimes Plakate hoch, auf denen „Tötet Trump“ stand, und riefen anti-israelische und -amerikanische Parolen.

Todesdrohungen gegenüber Trump sind nicht neu: Bereits 2024 verhinderten Sicherheitskräfte gegen ihn gerichtete Anschlagsversuche des Iran. In der vergangenen Woche sagte der US-Präsident am Rande des NATO-Gipfels in Ankara: „Ich bin die Nummer eins auf den iranischen Todeslisten“.

Nur wenig später wurde bekannt, dass Israel geheimdienstliche Informationen über Anschlagspläne an die USA weitergeleitet hatte.

Bericht: Kampagne gegen Hamas-Opfer

Indes hat ein Bericht der israelischen Organisation „Online-Antisemitismus bekämpfen“ (FOA) aufgedeckt, dass Tausende gefälschte Konten in Sozialen Medien gezielt Überlebende des Nova-Massakers angreifen. Zudem verbreiten sie Falschinformationen, indem sie das Hamas-Massaker etwa als „Inszenierung“ leugnen oder den Überfall der israelischen Armee anlasten, schrieben die Autoren im April.

Für ihren Bericht analysierte FOA zahlreiche Hass-Beiträge auf den bekannten Internet-Plattformen, die zwischen Oktober 2023 und April 2026 erschienen sind. Unter anderem untersuchten sie Beiträge auf Instagram, TikTok, Reddit und X. Nach Angaben der Autoren stehen manche der dahinter stehenden Konten mutmaßlich mit dem Iran in Verbindung.

Das Narrativ sei über Plattformen und Sprachen hinweg einheitlich. Zur Strategie gehöre neben Leugnung und Ablenkung auch die „Darstellung der Opfer als Aggressoren und Einschüchterung der Überlebenden durch persönliche Belästigung“. Die Autoren kommen zu folgendem Schluss: „Die Einheitlichkeit deutet eher auf koordinierte Bemühungen als auf einen organisch entstanden Diskurs.“ (mw)

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