Jüdische Identität und Resilienz

In Israel schlummern viele junge Talente mit einem großen kreativen Potential. Einer von ihnen ist Moshe Shamah.
Von Gundula Madeleine Tegtmeyer

Die Begrüßung durch Moshe Shamah und seine Partnerin Chanah ist herzlich. Es ist sehr warm und ungewöhnlich schwül an diesem Tag in Jerusalem. Bevor wir uns der Kunst zuwenden, offerieren meine Gastgeber Wasser, Kaffee und Gebäck, eine willkommene Stärkung in der Hitze. Chanah erzählt, dass sie ursprünglich aus der Ukraine stammt, nach ihrer Alija, der Einwanderung, in der israelischen Armee gedient hat. Seit geraumer Zeit arbeitet sie für eine Organisation, die olim chadaschim, jüdische Neueinwanderer, unterstützt und durch den Dschungel der israelischen Bürokratie begleitet.

Nach der Stärkung führt mich Moshe in sein kleines Atelier. Beim Betreten des Raumes fällt mein Blick auf ein Buch über Japanische Masken, der Einstieg in unser Gespräch: „Dieses Buch habe ich kürzlich entdeckt, japanische Masken faszinieren mich. Auch wenn meine jüdische und israelische Identität in meiner Kunst im Vordergrund stehen, lasse ich mich von unterschiedlichen Quellen inspirieren.“

Die Adaption ist ihm gelungen. Neben dem Bildband lehnt an der Wand eine durch die japanischen Masken inspirierte Collage, eine Löwen-Maske, „dieser Arbeit habe ich den Titel ‚Geburt des Löwen‘ gegeben, erklärt Moshe.

In der biblischen Erzählung segnet der Stammvater Jakob seine zwölf Söhne. Vier seiner Söhne und der Stamm Josef werden im sogenannten Jakobssegen mit Tieren verglichen, die ihre jeweiligen Charaktereigenschaften und zukünftigen Rollen symbolisieren. Juda wird mit einem jungen Löwen gleichsetzt, er verkörpert Königsmacht, Stärke, Herrschaft und den königlichen Stamm, aus dem später König David hervorgehen wird. Die christliche Tradition führt Jesu Abstammung auf David zurück und somit ebenfalls auf den biblischen Stamm Judah.

Der Löwe ist das Emblem der Stadt Jerusalem. Die Stadt liegt exakt an der historischen Grenze zwischen den biblischen Stammesgebieten von Juda (im Süden, siehe Josua 15,63) und dem nördlichen Gebiet von Benjamin (Josua 18,28). Die Stammesgrenze verlief mitten durch das biblische Stadtgebiet, dies erklärt, warum Jerusalem in biblischen Texten beiden Stämmen zugeordnet wird.

Jerusalem statt Tel Aviv

Moshe Shamah hat sich bewusst für Jerusalem entschieden und schildert, warum: „In Tel Aviv gibt es eine Kunst-Clique. Wenn man nicht in deren Narrativ und Kunststil passt – was besonders auf mich als eine Art Außenseiter-Künstler zutrifft, der nicht zu ihrer Bezalel-Gruppe gehört –, bleibt man außen vor. In Tel Aviv muss man in bestimmten Kreisen verkehren, um wahrgenommen zu werden. In Jerusalem hingegen lechzen die Menschen nach Kunst und zeigen sich offen, selbst orthodoxe Juden und Jüdinnen.“

Er erzählt von einer unerwarteten Begegnung: „Vor geraumer Zeit habe ich die Ausstellung eines Künstler-Kollegen besucht, seine Werke waren gewagt, da teilweise sehr erotisch, manche würden sie gar pornographisch nennen. Dann passierte etwas Unterwartetes, ultra-orthodoxe Juden betraten die Ausstellung, wir wurden unruhig, alle rechneten mit einer Auseinandersetzung, vielleicht sogar Randale, aber es passierte das Gegenteil: Sie zeigten sich offen und stellten Fragen wie: ‚Was ist das für eine Kunstrichtung?‘ und ‚was ist die Absicht des Künstlers?‘“

Peter Moshe Shamah, so lautet sein vollständiger Name, wuchs in New Milford, einem Ort im US- Bundesstaat Connecticut, auf und studierte an der Rutgers-Universität. Er beschreibt sein Elternhaus als typisch israelisch und erinnert sich an seine Schulzeit: „obwohl in den USA geboren, war ich in der Klasse der Junge aus Israel“.

Holocaust-Studienreise als Auftakt für Identitätsfindung

Im Jahr 2013, Shamah besuchte zu jenem Zeitpunkt die „New Milford High School“, bewarb er sich erfolgreich für eine 14-tägige Holocaust-Studienreise nach Polen, Tschechien und Deutschland. Diese Reise markiert den Auftakt zu seiner eigenen Identitätsfindung. Die intensive Begegnung und Auseinandersetzung mit jüdischer Geschichte, Kultur und Traumata fließen fortan in seine Kunst ein.

An der Rutgers-Universität studierte Moshe Shamah Jüdische Studien und Kunstgeschichte und engagierte sich dort im Hillel-Zentrum; die Stiftung für jüdisches Leben auf dem Universitätscampus mit dem Namen Hillel wurde 1923 gegründet. Der Künstler erinnert sich: „Während meines Studiums war Hillel für mich wie ein zweites Zuhause, ich erlebte eine Wiederentdeckung meiner jüdischen Identität und knüpfte enge Freundschaften, die ein Leben lang halten werden.“

Mit dem Chaos um die US-Präsidentschaftswahlen 2016 entdeckte er die Collagentechnik als sein künstlerisches Ausdrucksmittel. „Die Mixed-Media-Collage greift Chaos auf und zerstört es, um neu zu ordnen“, erläutert Shamah seine bevorzugte künstlerische Technik und fügt hinzu: „Es liegt in der Verantwortung von uns Künstlern aller Medien, Chaos aufzugreifen und in einen menschlichen Ausdruck zu verwandeln.“ Die Käufer seiner Bilder-Serie rund um die US-Wahlen 2016 waren überwiegend junge Amerikaner.

Ausstellungen in Amerika

In den USA präsentierte Moshe Shamah einige seiner Arbeiten im Rahmen einer einmonatigen Reihe von Ausstellungen und Workshops in Tenafly, New Brunswick, Manhattan und Brooklyn. Er nahm auch an der von Rabbinerin Esther Reed organisierten Ausstellung „Jüdische Vergangenheit/Jüdische Zukunft“ teil. Diese triff Plakate und Illustrationen der frühen zionistischen Bewegung auf und interpretierte sie neu, um sie für die heutige Zeit relevant zu machen.

Seine Ausstellung mit dem Titel „Aus der Dunkelheit – die Glut der Hoffnung“ in der Waltuch-Galerie des „Kaplen JCC on the Palisades“ in Tenafly (New Jersey) war eine Mixed-Media-Sammlung. Sie setzte sich mit Resilienz, Identität und jüdischer Hoffnung nach den Anschlägen vom 7. Oktober 2023 auseinander.

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Sein Kunst-Studium schloss Shamah 2018 mit einem Bachelor in Kunstgeschichte und Jüdischen Studien ab, noch im selben Jahr machte er Alija. „In Israel hatte ich im Vergleich zu vielen anderen Olim chadaschim einen leichten Start gehabt, denn ich habe bereits fließend Hebräisch gesprochen und musste somit nicht mit der sprachlichen Hürde kämpfen.“ Er erinnert sich an den Tag seiner Einwanderung: „Ich stieg am Ben-Gurion-Flughafen aus dem Flugzeug und war sofort startklar.“  

Zunächst arbeitete er im „Siebprogramm“ des Tempelberges mit. Seinen Artikel „Inspiration in Ashes and Fragments“ veröffentlichte er auf seiner Website. Dieses Projekt war eine Initiative, die den Bodenaushub vom Jerusalemer Tempelberg auf darin enthaltene Kleinfunde untersuchte. Es ist von signifikanter Bedeutung, da archäologische Forschung auf dem Tempelberg nicht möglich ist.

Im Jahr 2019 dann der Wendepunkt. „Es war ein großartiges Projekt, doch während ich dort saß und siebte, fragte ich mich plötzlich: Was zur Hölle mache ich eigentlich hier? Ich spürte diesen starken inneren Drang und machte mir klar, dass ich ein Gewerbe anmelden sollte, um mich konsequent der Kunst zu widmen, denn das ist es, wofür ich brenne.“

Kurz darauf eröffnete er sein großes Studio vor den Toren Jerusalems. „Dann kam die Corona-Pandemie und wir leben hier von Krieg zu Krieg, wirtschaftlich schwierige Zeiten für uns freie Künstler.“ Das Studio musste er aufgeben. „Um mir genügend finanziellen Freiraum für meine Leidenschaft, die Kunst, schaffen zu können, arbeite ich zusätzlich als Dozent und Pädagoge.“

Spenden für ukrainische Flüchtlinge

2022 startete Moshe Shamah die „Slava Ukraini Charity Series“, die Spenden für ukrainische Flüchtlinge und Soldaten sammelt. Diese Mixed-Media- und Gemäldeserie ist ein fortlaufendes Projekt; 50 bis 85 Prozent der Einnahmen gehen direkt an Hilfsorganisationen. um sicherzustellen, dass die Spenden unmittelbar Bedürftigen zugutekommen. Im Juni 2025 wurden seine Arbeiten in Belgrad unter dem Titel „Orte, die nicht sind‘ ausgestellt. In dieser Serie thematisiert Shamah die Rolle von Utopien in der menschlichen Kultur.

Wir wenden uns einer weiteren Collage zu: „Diese Arbeit habe ich anlässlich von Jom HaSikaron, dem israelischen Gedenktag für die Gefallenen aller israelischen Kriege und Opfern von Terror, geschaffen. Bei dieser Flagge handelt es sich um eine Flagge aus der Zeit vor der Staatsgründung, einen der Entwürfe der frühen zionistischen Bewegung. Ich wollte eine historische Brücke herstellen, es ist mein erstes Werk, das sich direkt mit dem aktuellen Krieg auseinandersetzt. Ab einem gewissen Punkt muss man diese Traurigkeit, diese Trauer zum Ausdruck bringen.“

Moshe Shamah legt eine nachdenkliche Pause ein. „Ich wollte ein Werk schaffen, das nicht nur zur Debatte über den künftigen Weg unserer Nation anregt, sondern bei dem nicht Kritik, sondern Empathie im Vordergrund steht.“

Auf diesem Werk sehen wir einen Jungen, der eine Flagge trägt. „Der Junge in meiner Collage steht stellvertretend für jeden, der um jemanden trauert, der sein Leben für den Staat Israel geopfert hat – und er steht für die Notwendigkeit, diesem Krieg ein Ende zu setzen.“

Moshe Shamah deutet auf eine weitere Collage und erzählt: „Sie wurde letztes Jahr im Rahmen einer Ausstellung in New York City gezeigt. Ich nenne es Laughter Enkindles“, deutsch: „Das Lachen entfacht“. Er erklärt seine Inspirationsquelle: „Die Grundlage dieser ‚Collage bildet das berühmte Gemälde ‚Die Saporoger Kosaken‘ von Ilja Repin“.

Foto: Copyright Moshe Shamah
Die Collage ist von einem Maler aus der heutigen Ukraine inspiriert

Der Maler Repin (1844–1930) wurde in Tschuhujiw in der Region Charkiw in der heutigen Ukraine geboren. Er entstammte einer Familie von Militärsiedlern und Handwerkern kosakischer Abstammung. Sein berühmtestes Werk – „Die Antwort der Saporoger Kosaken“ – ist eng mit der ukrainischen Geschichte und der Frage nach kultureller Identität verknüpft.

Das Gemälde illustriert eine Szene aus dem Jahr 1676, der zufolge ukrainische Kosaken einen beleidigenden und trotzigen Brief an Sultan Mehmed IV., Herrscher des Osmanischen Reiches, verfassten, nachdem dieser ihre Unterwerfung unter seine Herrschaft gefordert hatte. Es ist eine Hommage an die freiheitsliebenden Kosaken der Ukraine. Repins Gemälde gilt weithin als eine herausragende visuelle Metapher für die historische Weigerung der Ukraine, sich fremden Imperien zu unterwerfen.

Symbol des „Bösen Blicks“ aufgenommen

Moshe Shamah erläutert seine Adaption: „Ich habe das Symbol des ‚Bösen Blicks‘, das im Nahen Osten bei Juden und Arabern gleichermaßen verbreitet ist, über die Gesichter platziert. Zudem habe ich das Licht der Menora im Hintergrund eingefügt, um jene historischen Parallelen zu beleuchten, die einst als Bedrohung für das jüdische Volk hätten wahrgenommen werden können – ein Volk, das sich damals in einer Art ‚Geula‘ (Erlösung, Rettung) befand. Nun steht genau diese Nation an vorderster Front bei der Verteidigung der Demokratie; jene Nation, die vor 150 Jahren für die dort lebenden Juden vielleicht noch Angst und Schrecken bedeutete, wird heute von einem Juden geführt.“

Der jüdisch-ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wurde nicht persönlich mit dem Magnitsky-Preis ausgezeichnet, aber seine Regierung sowie verschiedene ukrainische Organisationen. Der Sergei Magnitsky Human Rights Award ehrt Personen, die sich für Rechtsstaatlichkeit einsetzen. Die Auszeichnung ist nach dem russischen Anwalt Sergei Magnitsky benannt, der in russischer Polizeigewahrsam ermordet wurde, nachdem er ein massives staatliches Korruptionssystem aufgedeckt hatte. Sein Name ist seither untrennbar mit dem „Magnitsky Act“ verbunden – einem Gesetz, das dazu dient, Vermögenswerte von Menschenrechtsverletzern weltweit einzufrieren und Einreiseverbote gegen diese zu verhängen. Die Magnitsky Awards wurden 2015 ins Leben gerufen, um mutige Journalisten, Politiker und Aktivisten im Bereich der Menschenrechte zu würdigen.

All diese wollte ich in dieser Collage ausdrücken“, erläutert Moshe Shamah seine Intention und ergänzt: „Diese Bildmontage habe ich speziell für ein jüdisches Publikum geschaffen, deren Wurzeln in der ehemaligen Sowjetunion liegen. Es ist eine Einladung, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen, dass die überlieferten Erzählungen nicht zwangsläufig mit den Erzählungen der Gegenwart übereinstimmen.“

Aktuell arbeitet Moshe Shamah an einer Collage der Zehn Worte, auch: Zehn Gebote.

„Die Nachricht über das gestohlene Schiff mit russischem Weizen, das in Haifa anlegen sollte, hat mich zutiefst empört. Ich dachte, wenn irgendeine Nation dazu aufrufen sollte, sich nicht daran zu beteiligen, dann unsere, insbesondere weil die Russische Föderation erst vor wenigen Wochen die Koordinaten all unserer Energieanlagen in Israel an das iranische Regime weitergegeben hat. Es handelt sich also um einen direkten Konflikt mit ihnen. Daher habe ich dieses Werk der Zehn Gebote geschaffen, mit dem Jerusalemer Klagestein im Hintergrund, dem Weizen, eine der sieben Arten des Landes Israel und somit ein wichtiges Symbol unseres jüdischen Volkes, dazu ‚Du sollst nicht stehlen‘ auf Hebräisch.“

Foto: Copyright Moshe Shamah
Der hebräische Schriftzug „Du sollst nicht töten“ ist in das Kunstwerk integriert

Ein unter russischer Flagge fahrender Massengutfrachter, die ABINSK, löste im April 2026 eine schwere diplomatische Krise zwischen der Ukraine und Israel aus, da es mutmaßlich etwa 43.700 Tonnen Weizen aus der von Russland besetzten Krim und ostukrainischen Gebieten in den Hafen von Haifa transportierte. Die Ukraine wirft Russland vor, Getreide systematisch von der Ukraine zu stehlen, dieses als russisches Getreide zu deklarieren und zu verkaufen.

„Ich lasse mich von sehr unterschiedlichen Quellen inspirieren, so auch aus der Musik. Manchmal zerlege ich jedes einzelne Wort eines Queen-Songs, ich bin gewissermaßen ein ‚Morphist‘. Momentan spiele ich ein Videospiel namens ‚Clair Obscur‘, es wurde von einem indisch-französischen Team entwickelt. Die Geschichte, die künstlerische Gestaltung und auch der Soundtrack sind schlichtweg atemberaubend. Ich hätte nicht erwartet, dass ich daraus eine derart tiefgreifende Inspiration ziehen würde“, attestiert der Künstler Moshe Shamah.

Clair Obscur spielt in einer zerrütteten, melancholischen Welt, in der die „Malerin“ (The Paintress) jedes Jahr erwacht, um eine Zahl auf einen riesigen Monolithen zu malen. Jeder, der genau dieses Alter erreicht, verwandelt sich in Rauch und löst sich für immer in Nichts auf. Im Laufe der Jahre wird die Zahl immer kleiner und fordert stetig mehr Menschenleben. Der Spieler führt die „Expedition 33“ an – die jüngste in einer Reihe mutiger Überlebender, die sich auf eine todesmutige Mission begeben, um die Malerin zu vernichten, damit sie nie wieder den „Tod malen“ kann.

Clair Obscur, französisch für „Hell-Dunkel“, ist eine künstlerische Technik, die sich durch starke, dramatische Kontraste zwischen Licht und Schatten auszeichnet. Es ist der französische Begriff für den berühmten italienischen Stil, der als Chiaroscuro bekannt ist. Über die bildende Kunst hinaus wird der Begriff häufig metaphorisch verwendet, um Situationen, Erzählungen oder Charaktere zu beschreiben, die Gegensätze miteinander verschmelzen lassen – wie etwa tiefgreifende Kontraste zwischen Leben und Tod oder Gut und Böse. Indem Künstler und Künstlerinnen helle Beleuchtung direkt neben tiefe, dichte Schatten setzen, erzeugen sie auf einer flachen Leinwand eine dreidimensionale, realistische Körperlichkeit. Diese Technik ist vor allem in der Kunst der Renaissance und des Barocks berühmt und wurde von Meistern wie Caravaggio, Leonardo da Vinci und Rembrandt meisterhaft eingesetzt, um starke Emotionen hervorzurufen. Man darf auf Shamahs Collagen, die aus Clair Obscur resultieren werden. gespannt sein.

„Ein weiterer Ansatz meiner künstlerischen Arbeit ist die Synchronizität, ich glaube fest an Synchronizität“, gibt der junge Künstler unumwunden zu.

Unter Synchronizität versteht man das zeitgleiche Auftreten von zwei oder mehr Ereignissen, die nicht kausal somit nicht über Ursache und Wirkung miteinander verknüpft sind, aber für die betroffene Person einen tiefen, gemeinsamen Sinn ergeben, als inhaltlich oder emotional tief verbunden wahrgenommen werden. Umgangssprachlich wird dies oft als „bedeutungsvoller Zufall“ bezeichnet. Das Konzept wurde in den 1920er-Jahren vom Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung geprägt.

Einwander zum Schabbat einladen

Wir kehren in den Wohnraum zurück, wo Chanah auf uns wartet. Beide erzählen, dass sie regelmäßig jüdische olim chadashim zu sich zum Kabbalat Schabbat einladen, um den Neueinwanderern ein Netzwerk in der neuen Heimat Israel zu bieten und einen Raum der Begegnung und des Austauschs zu schaffen. Kabbalat Schabbat bedeutet der „Empfang des Schabbat“ am Freitagabend. Als Zeichen ihrer Gastfreundschaft laden Moshe und Chanah auch mich ein.

Zum Abschied wird es nochmal ernst, unser Gespräch kreist um den 7. Oktober 2023 als schmerzhafte Zäsur in vielerlei Hinsicht. Moshe Shamah konstatiert: „Wir sind Juden und Jüdinnen des 8. Oktober und brauchen eine zeitgenössische jüdische Kultur, die sich auf unsere jüdische Vergangenheit beruft und sich in der Gegenwart und Zukunft ausdrückt.“

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