Der akademische Austausch mit Israel schafft Begegnung

Deutsche und israelische Forscher veranstalten in Berlin eine Tagung zum Wissenstransfer zwischen den Ländern. Der akademische Austausch birgt Chancen für Begegnungen – und steht derzeit vor Herausforderungen.
Von Marina Wall
Studenten auf dem Campus in Beer Sheva

BERLIN (inn) – Der deutsch-israelische Austausch und die Weitergabe von Fachwissen ist nach dem 7. Oktober 2023 nicht zum Erliegen gekommen, das ist die gute Nachricht. Doch es ist schwieriger geworden, wie schon gleich zu Beginn der Tagung anklingt.

Vom 17. bis 19. Juni luden das „Selma Stern Zentrum für Jüdische Studien“ (ZJS) und die Ben-Gurion-Universität im Negev nach Berlin. Anlass war die Veröffentlichung des Sammelbandes „Deutsch-Israelischer Wissenstransfer und Begegnungsgeschichte. Die deutschsprachige Sommeruniversität Beer Sheva im Fokus“. Organisiert wurde die Veranstaltung von dem amerikanisch-israelischen Literaturwissenschaftler Mark Gelber, dem Gründer der Sommeruniversität, die zuletzt 2019 stattfand.

Der Sammelband ist im Herbst 2025 erschienen. Er enthält sowohl wissenschaftliche Fachtexte als auch Erfahrungsberichte von Personen, die am Austausch in Be’er Scheva beteiligt waren – als Teilnehmer, Organisatoren oder Mitarbeiter.

Fokus: Akademischer Austausch

Die Tagung solle ein „weiteres Fenster der Begegnung“ öffnen und an das Buch anknüpfen, sagte Mitherausgeberin Judith Müller zur Begrüßung. Damit setzte sie auch zugleich den Ton für die kommenden Tage: Neben zwei Fachvorträgen waren es vor allem die Diskussionsrunden, die die Veranstaltung prägten und die Teilnehmer ins Gespräch miteinander brachten.

Dabei lag der Fokus auf dem akademischen Austausch und seinen Chancen. Sebastian Venske etwa verbrachte 2014/15 ein akademisches Jahr an der Hebräischen Universität Jerusalem. Heute bringt er jungen Erwachsenen das Judentum und die deutsche NS-Vergangenheit näher, indem er Seminare im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes veranstaltet.

Nach dem 7. Oktober 2023 sei das Interesse an seinen Themen gestiegen, sagte der promovierte Judaist. Es sei auch schon vorgekommen, dass in seinem Kurs Angehörige beider Konfliktparteien saßen: Einer mit Familie im Gazastreifen und einer, der Verwandte am 7. Oktober verloren habe. Es sei insgesamt eine positive Erfahrung gewesen, fuhr Venske fort.

Patrick Koch, Professor für Judaistik an der Universität Hamburg, stimmte zu. Auch er habe es bei seinen Vorlesungen mit einem vielfältigen Publikum zu tun und mache gute Erfahrungen. Denn: „Wenn man Räume schafft, werden sie auch angenommen“.

Strukturen aufrechterhalten

Zur Sprache kamen aber auch gegenwärtige Herausforderungen. So ist nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 und infolge der darauffolgenden Kriege der akademische Austausch mit israelischen Universitäten ins Stocken geraten. Dienstreisen würden kaum noch bewilligt und Studierende nicht mehr nach Israel geschickt.

In der aktuellen Situation sei es deshalb wichtig, bestehende Strukturen aufrecht zu erhalten, sagte etwa Koch. Um das zu tun, unternahm die Hamburger Judaistik konkrete Schritte: Seit diesem Jahr bietet sie drei Vollstipendien für einen Studienaufenthalt an der Hebräischen Universität Jerusalem an. Finanziert werden sie vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD).

Wie sich die Situation in Israel weiter entwickelt, kann keiner sagen. Doch die Teilnehmer auf der Tagung sind sich darin einig, dass es auch in Zukunft Möglichkeiten und offene Räume für Begegnung braucht.

Boykott-Aufrufe marginalisieren kritische israelische Stimmen

Laut Judith Müller wird der Wert solcher Begegnungen jedoch zunehmend in Frage gestellt. Gegenüber Israelnetz erklärte die Literaturwissenschaftlerin, dass ihr vor allem die Proteste gegen akademische Kooperationen mit israelischen Universitäten Sorgen bereiten.

Durch Boykotte würden ausgerechnet linke israelische Stimmen zunehmend isoliert. „Gerade an den Universitäten gibt es viele kritischen Stimmen gegenüber dem Staat“, fuhr Müller fort. Der Gedanke an sie habe sie sehr motiviert, das Buchprojekt zum deutsch-israelischen Wissenstransfer voranzutreiben.

Ohnehin sei mehr Differenzierung angezeigt, findet sie. „Der Israeli existiert nicht, es gibt viele Millionen Israelis.“ Ein Bewusstsein dafür vermisse sie oft bei den gegen Israel gerichteten Protestaktionen.

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2 Kommentare

  1. Akademischer Austausch. Wer profitiert davon? Deutschland.
    Linke israelische Stimmen und Israel-Boykottaufrufe: eine komische Mischung.

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  2. Es ist schön, dass deutsche und israelische Forscher in Berlin eine Tagung zum Wissenstranfer veranstalten. Hoffentlich verläuft die Veranstaltung reibungslos. Leider gibt es heute an Universitäten und Fachhochschulen viele problematische Studenten und Studentinnen.

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