Rabbinatsgericht für liberale Gemeinden in Deutschland gegründet

Die liberale Strömung des Judentums in Deutschland bekommt eine eigene Gerichtsbarkeit. Dies wirkt sich auch auf die Einwanderung nach Israel aus.
Von epd

BERLIN (epd) – Die Jüdische Gemeinde zu Berlin und die Union progressiver Juden in Deutschland haben ein gemeinsames Rabbinatsgericht (Bet Din) gegründet. An das „Zentrale Liberale Bet Din Deutschland“ könne sich künftig jede jüdische Gemeinde wenden, teilten die Berliner Gemeinde und die Union progressiver Juden am Montag gemeinsam mit.

Das einzige religiöse Gericht für das liberale Judentum in Deutschland soll sich demnach mit Übertritten zum Judentum, religiösen Scheidungen und Personenstandsfeststellungen beschäftigen. Aufgrund seiner Akzeptanz aus Israel verhelfe es auch zur sogenannten Alija, also zur Einwanderung nach Israel, heißt es in der Pressemitteilung.

Nach dem Rückkehrgesetz hat jeder Jude das Recht, in den jüdischen Staat zu immigrieren. Auch Menschen, die zum Judentum übergetreten sind, zählen zu dieser Gruppe. Doch das israelische Oberrabbinat erkennt nicht jede liberale Konversion an.

Sitz in Berlin und Bielefeld

Über ein Rabbinatsgericht verfügen in Deutschland unter anderem auch die Allgemeine Rabbinerkonferenz und die Orthodoxe Rabbinerkonferenz. Die Gründung eines Bet Din hatte den Angaben zufolge die Jahresversammlung der Union am Sonntag in Prag beschlossen. Es soll künftig seinen Sitz in Berlin und Bielefeld haben.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, erklärte, die Stadt sei seit jeher das Zentrum eines pluralistischen Judentums und die Geburtsstätte des liberalen Judentums. Er freue sich, das liberale Judentum gemeinsam mit der Union „durch ein eigenes Bet Din weiter zu stärken“.

Die Vorsitzende der Union progressiver Juden in Deutschland, Irith Michelsohn, betonte, in den vergangenen 29 Jahren seit Gründung der Union „mussten wir feststellen, dass auf die Bedürfnisse der liberalen Juden nicht immer genug Rücksicht genommen wurde“. Michelsohn dankte der Berliner Gemeinde für ihre Unterstützung.

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2 Kommentare

  1. Super👍, die Gründung stärkt die religiöse Vielfalt und den jüdischen Pluralismus in Deutschland abseits der orthodoxen Strukturen.

    Und Liberale Gemeinden müssen nicht mehr auf orthodoxe Gerichtsstrukturen zurückgreifen, bei denen liberale Bedürfnisse oder Gleichstellungsfragen (wie die Gleichberechtigung der Geschlechter) oft unberücksichtigt blieben.

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