Davidka: Not macht erfinderisch

Zwar verusachte die Davidka mehr Lärm als Schaden. Aber im israelischen Unabhängigkeitskrieg kam der Granatenwerfer erfolgreich zum Einsatz.
Von Gundula Madeleine Tegtmeyer

In der Jerusalemer Neustadt, am westlichen Ende der Rechov HaNevi‘im, der  Prophetenstraße, liegt der Davidka-Platz. Der offizielle Name lautet Kikar Cherut, Platz der Freiheit. Seit der Eröffnung der Straßenbahnlinie entlang der Jaffa-Straße gibt es auch hier eine Haltehaltestelle, Kikar Davidka.

Auf dem Platz steht das „Unabhängigkeitsdenkmal“. Ein hebräischer Schriftzug schmückt seine Wand, er lautet: Denn ich will diese Stadt beschirmen, um sie zu retten. In der Bibel geht er weiter:um meinetwillen und um meines Knechtes David willen. (2. Buch Könige, 19,34).

Der Platz ist nach der berühmtesten israelischen Waffe benannt, die Davidka, ein selbstgebauter Granatwerfer, der mehr Lärm als Schaden verursachte. Dennoch wurde er erfolgreich von den Haganah-Streitkräften in Jerusalem und andernorts während des Unabhängigkeitskrieges eingesetzt.

Die Davidka, sinngemäß: „kleiner David“ oder auch „von David gemacht“, wurde nach ihrem Erfinder David Leibowitsch benannt – wobei der Name auch metaphorisch an den biblischen Kampf zwischen David und Goliath erinnert. Das Denkmal wurde von Asher Hiram entworfen, einem ungarisch-stämmigen Architekten. Er wurde 1897 unter dem Namen Sigmund Kerekes geboren und war einer der führenden Vertreter des modernistischen Stils im Brünn der 1930er Jahre in der Tschechoslowakei.

Militärfriedhöfe geprägt

Kerekes floh nach der Kapitulation seiner Heimat gegenüber Nazi-Deutschland im März 1939 aus der Stadt und erreichte Palästina um 1942. In Israel hat er maßgeblich den Weg für das Gedenken an seine gefallenen Soldaten geebnet.

Während der biblische Hiram Teile des Ersten Tempels erbaute, prägte der ungarisch-jüdische Architekt die Militärfriedhöfe Israels maßgeblich: Er legte fest, dass die Gräber niedrig sein sollten – 30 Zentimeter –, damit die Trauernden vor den Toten auf die Knie gezwungen würden, ungeachtet von Alter oder Rang, und diktierte die Größe und Positionierung der Grabsteine.

Der Davidka wurde unter einfachsten Bedingungen und im Verborgenen produziert, um den dringenden Bedarf an Waffen für die Verteidigung aufstocken zu können. Das Geheimnis derDavidka lag in ihrer 40 Kilogramm schweren Bombe, die deutlich größer war als der Mörser, aus dem sie abgefeuert wurde.

Bei konventionellen Mörsern wird die Bombe in das Rohr eingeführt und das gesamte Projektil durchläuft dieses, um beim Abschuss eine erste Führung zu erhalten. Das Endrohr der Davidka ist hingegen der einzige Teil des Geschosses, der in das Abschussrohr passt, was die Ungenauigkeit der Waffe erklärt, da dem Geschoß während der Abschussphase die nötige Führung fehlte, um in die gewünschte Richtung aerodynamische Stabilität zu erlangen.

Kein konventioneller Mörser

Bei der Davidka handelt sich nicht um einen Zapfenmörser, denn bei diesem ist der „Lauf“ eine Führungsstange, die in die Treibladungskammer des Geschosses eingesetzt ist. Die Treibladungskammer derDavidka feuerte wie bei einem konventionellen Mörser innerhalb des Mörserrohrs (Laufs), allerdings ist dessen Kaliber des Laufs von 76,2 Millimeter deutlich kleiner als das Kaliber des Sprengkopfes der Bombe.

Es handelte sich also um einen überdimensionierten konventionellen Mörser, bei dem der Großteil der Bombe und insbesondere ihr Schwerpunkt außerhalb des Rohres lagen – eine aerodynamisch instabile Konstruktion, die nur funktionierte, weil der Druckmittelpunkt noch im Rohr lag. Der Bombenkopf bestand im Wesentlichen aus einer großen Dose, gefüllt mit Nägeln, Steinen oder anderem Material, das als Schrapnell verwendet werden konnte. Dies bedeutete, dass die Explosionswirkung der Waffe zufällig war und sie kaum als Antipersonenwaffe einzusetzen war.

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Daher taugte sie nicht für Belagerungskämpfe oder andere leichte Artilleriezwecke, erzeugte aber einen lauten Knall. Kleine Metallstücke und Rohre waren außen an das Gehäuse geschweißt, was die Genauigkeit der Waffe zusätzlich zu ihrer ohnehin nicht aerodynamischen Konstruktion verringerte. Auch trug es maßgeblich zu den schrillen Pfiffen und Kreischen bei, die sie im Flug erzeugte.

Dieser ohrenbetäubende Lärm und furchterregende Geräusche waren die effektivste Wirkung des Davidka-Mörsers, denn die Araber glaubten das Geschoss in ihrer unmittelbaren Nähe, lange bevor es mit einem lauten Knall explodierte. Das versetzte den Gegner in Angst und Schrecken und schlug ihn oftmals erfolgreich in die Flucht.

Erstmals in Jaffa eingesetzt

Seinen ersten Kampfeinsatz erlebte der Davidka am 13. März 1948 beim Angriff auf das Viertel Abu Kabir in Jaffa. Eine Geschichte kursiert bis heute: Demnach sollen die Araber – nachdem ihnen mitgeteilt worden war, dass Konstrukteure der amerikanischen Atombombe Juden seien – befürchtet haben, sie würden mit Atomwaffen angegriffen werden. Das habe bei vielen Panik auslöste, woraufhin sie ihre Häuser verließen.

Dies traf besonders bei der Befreiung von Safed zu. Einer der größten Erfolge der Davidka war die Befreiung der Zitadelle in der Stadt nördlich des Sees Genezareth, einem wichtigen strategischen Punkt, in der Nacht vom 9. auf den 10. Mai 1948. 

Der Mörser wurde im Winter 1947/48 an der ersten Landwirtschaftsschule Palästinas Mikve Israel entwickelt. Die Schule war von der „Alliance Israélite Universelle“ im Jahr 1870 gegründet worden; die Initiative kam von Charles Netter, dem Sekretär der Pariser Bewegung „Kol Israel Chaverim“ (Allianz), am Rande von Holon.

Netter vertrat die Ansicht, man müsse junge Juden und Jüdinnen in Landwirtschaft unterrichten. um ihre Situation zu verbessern. Die osmanische Hohe Pforte stellte ihm eine Fläche Land zur Verfügung. Eine Statue am Tor erinnert an das Treffen von Theodor Herzl und seiner Delegation mit dem deutschen Kaiser Wilhelm II. auf dem Gelände von Mikve Israel am 28. Oktober 1898.

Wichtiger Stützpunkt

Vom Ende der 1930er Jahre bis zum Israelischen Unabhängigkeitskrieg war Mikve Israel ein wichtiger Stützpunkt der Haganah. Das Buch des biblischen Propheten Jeremia war Inspirationsquelle zu dem hebräischen Namen Mikve Israel. Er bedeutet „Hoffnung Israels“.

Foto: Gundula M. Tegtmeyer
Eine Davidka im Museum

Insgesamt wurden in Mikve Israel sechs Davidkas hergestellt, von denen jede der drei Brigaden des Palmach (Harel, Jiftach und HaNegev) zwei zugeteilt wurden. Eine wurde von der Jiftach-Brigade in der Schlacht um Safed erfolgreich eingesetzt und steht heute auf einem Platz wenige Meter südlich des Rathauses, gegenüber der ehemaligen britischen Polizeistation. Jedes Jahr findet hier am Jom HaSikaron, dem Gedenktag für die gefallenen Soldaten und Terror-Opfer, eine Kranzniederlegung statt.

Auch im Beit-Hativat-Givati-​​Museum in Mezudat Koav kann ein Davidka-Denkmal besucht werden. Das Museum, gewidmet der Givati-Brigade, befindet sich in der Festung Joav Schenkar, hebräisch: Mezudat Joav Schenkar. Diese diente zuvor als Polizeistation der Irakischen Suidan-Miliz, an einem strategisch wichtigen Ort in der Negev-Wüste, der während des Unabhängigkeitskrieges heftig umkämpft war. Die israelischen Streitkräfte sprachen vom „Monster auf dem Hügel“.

Das Givati-Brigade-Gedenkzentrum bewahrt die Geschichte der Givati-Division der israelischen Streitkräfte von 1947 bis heute. Es wurde 1985 von Veteranen gegründet und beleuchtet die Rolle der Brigade an der Südfront im Unabhängigkeitskrieg (1948) sowie ihre gegenwärtigen Einsätze, wie etwa im Gazastreifen. Die Givati-Division war eine der ersten sechs Felddivisionen, die von den israelischen Streitkräften im Unabhängigkeitskrieg aufgestellt wurden.

Palmach-Division in Armee integriert

Das Denkmal auf dem Davidka-Platz in Jerusalem erinnert an die Teilnahme der Harel-Brigade, gegründet am 16. April 1948, an der Schlacht um Jerusalem. Diese ehemalige Division der Palmach, der Elite-Kampftruppe der Haganah, ist nach der Staatsgründung in den israelischen Streitkräften verblieben.

Mikve Israel leistete in vielen Bereichen einen wichtigen Beitrag: Landwirtschaftliche Ausbildung, Bildung, die Aufnahme neuer Einwanderer und Verteidigung. Die „Hoffnung Israels“ ist der Geburtstort der Davidka. Ohne Mikveh Israel hätten wir kein Land“, konstatierte David Ben-Gurion 1948.

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2 Kommentare

  1. Nun ja, was kann man auch schon von einer wasserköpfigen Bombe erwarten, bei der nach dem Abschuss der einzige sichere Platz hinter dem Werfer ist.
    Hauptsache, die Davidka hat eine ähnliche Panik beim Feind ausgelöst wie seinerzeit der Stuka der Nazis.
    Wenn das Ding Erfolge erzielt hat, ohne viele Leben zu kosten,so hat es seinen Zweck mit Sicherheit erfüllt.
    SHALOM

    1

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