Was im Irankrieg für Israel und die USA auf dem Spiel steht

Das Verhältnis zwischen Israel und den USA ist derzeit militärisch so eng wie nie zuvor. Zugleich ist es in der öffentlichen Meinung so distanziert wie selten zuvor.
Von Israelnetz

Verläuft der Irankrieg erfolgreich, kann Jerusalem seine Rolle als verlässlicher Verbündeter Washingtons unter Beweis stellen. Scheitert er jedoch, droht Israel in den USA zum Sündenbock zu werden. Das sagte der profilierte israelische Analyst Micah Goodman in einem Podcast. Zugleich würde der Ausgang des Konflikts die globale Machtbalance beeinflussen – insbesondere im Hinblick auf China und die Frage, wie stabil die internationale Ordnung künftig bleibt.

Im englischsprachigen Podcast Call Me Back (Folge „Why We Fight“) erläutert Philosoph und Bestseller-Autor Goodman aus seiner Sicht die möglichen geopolitischen Konsequenzen des Konflikts. Die Sympathie für die israelische Seite im Nahostkonflikt in den USA ist derzeit so gering wie selten zuvor, verweist er auf eine Gallup-Umfrage vom Februar. Gleichzeitig agieren beide Länder im Mittleren Osten militärisch so eng abgestimmt wie noch nie zuvor, ähnliche Konstellationen mit den USA gab es selten.

Andererseits: In den USA ist die Lesart verbreitet, Israel habe die Vereinigten Staaten in einen Krieg um fremde Interessen hineingezogen. Diese Sicht ist, laut Goodman, in beiden politischen Lagern einflussreich – getragen unter anderem von Medien wie der New York Times sowie von konservativen Stimmen wie Tucker Carlson. Manche Beobachter fürchten ein Szenario, das an langwierige und zermürbende Einsätze wie in Afghanistan oder im Irak erinnert – mit hohem Aufwand und sehr begrenzten Ergebnissen.

Heikle Lage für Israel

Goodman: Für Israel ergibt sich daraus eine heikle Lage. Endet der Krieg nicht mit einem klaren, durchschlagenden Erfolg, würde sich die Kritik aus den USA weiter verschärfen, Israel würde zum Sündenbock erklärt. So groß wie die Risiken seien die Chancen: Mit einem eindeutigen Sieg könne sich Jerusalem als besonders verlässlicher Partner der USA im Nahen Osten bewähren – als Akteur, mit dem militärische Ziele vergleichsweise schnell erreicht werden können, anders als im zwanzigjährigen Afghanistan-Einsatz unter Beteiligung von NATO-Partnern.

Global betrachtet richtet sich der Blick zudem auf China. Die Führung in Peking bereitet sich darauf vor, bis 2027 militärisch in der Lage zu sein, Taiwan einzunehmen, sagt Goodman, das China als abtrünnige Provinz betrachtet. Die Insel ist ein weltweit führender Standort der Halbleiterproduktion – ein entscheidender Faktor im Wettbewerb um technologische und ökonomische Vorherrschaft. Ein Angriff auf Taiwan könnte eine internationale Eskalation bis hin zu einem potenziellen Dritten Weltkrieg auslösen.

In diesem Zusammenhang wäre ein militärisch starker Iran als Verbündeter Chinas eine zusätzliche enorme Bedrohung. Fiele der Iran hingegen als regionale Macht weitgehend aus, könnte dies das Risiko einer internationalen Eskalation bedeutend verringern. Zugleich hätten die USA mit einem erfolgreichen Iran-Feldzug wieder mehr Glaubwürdigkeit als globale Ordnungsmacht mit entsprechend erhöhter Abschreckungswirkung gegenüber autoritären Staaten. Auch dies würde die Gefahr eines Weltkriegs signifikant mindern, folgert der Analyst.

Von: Philipp Wiens

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9 Kommentare

    1. @ Ute Engels

      Blut, Schmerz, Tränen, Trauer, Wut, Schmutz und Ohnmacht sind der Schatten,
      WO ist das Licht?

      Es ist eine rhetorische Frage.

      One

      0
      1. @ Martin
        Ja Martin, Sie wissen, dass eine „biblische“ Sichtweise hier schwer zu artikulieren ist.

        Liebe Grüße in diesen besonderen Tagen, im Gedenken an das ewige Opfer 🌷🪻One

        1
        1. @one, das ist aber ein ganz schönes Drama! Wir lauschen dem Philosoph und Bestseller-Autor Goodman, und die biblische Wahrheit wird hier zensiert.
          Nachdenkliche Grüße Martin

          0
    1. Eine klare und präzise Einschätzung einer komplizierten Lage. In österliche Freudenstimmung verfällt man damit nicht.

      0
  1. Die Analyse von Herrn Goodman erscheint mir plausibel.
    Frage mich in welcher Form Europa sich darauf „vorbereiten“ wird?

    0

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