BEIRUT / TEHERAN / BE’ER SCHEVA (inn) – Bei einer Explosion durch ein Geschoss im Südlibanon ist am Sonntag ein Soldat der UNIFIL getötet worden. Nach Angaben der UN-Friedenstruppe ist der Ursprung des Geschosses unbekannt, der Vorfall werde untersucht. Er habe sich nahe der Ortschaft Adschit al-Qusajr unweit der israelischen Grenze ereignet. Ein weiterer Soldat sei sehr schwer verwundet worden.
Indonesien teilte mit, dass der Getötete indonesischer Staatsbürger gewesen sei. Drei weitere Soldaten seien durch indirektes Artilleriefeuer verletzt worden. Das Außenministerium verurteilte den Vorfall – und „israelische Angriffe im Südlibanon“. Die UNIFIL rief derweil alle Seiten zur Zurückhaltung auf.
Weiterer Soldat gefallen
In der Nacht zu Montag fiel ein israelischer Soldat im Südlibanon. Der 19-jährige Liran Ben-Zion aus Holon gehörte einer Panzereinheit an. Ein Offizier wurde außerdem verwundet. Durch Angriffe der Hisbollah und bei einem Unfall erlitten sechs weitere Soldaten Verletzungen, wie die Zeitung „Yediot Aharonot“ berichtet.
Unterdessen rückten israelische Truppen bis zum Fluss Litani vor. Gemäß der Resolution 1701 vom Sommer 2006 soll die UNIFIL sicherstellen, dass die Hisbollah südlich des Flusses keine Waffen einsetzen kann.
Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu (Likud) kündigte an, Israel werde die Sicherheitszone ausweiten. Aus dem Militär hieß es, die Einsätze seien nicht dazu gedacht, eine geographisch festgelegte Pufferzone einzurichten. Ziel sei es vielmehr allgemein, eine Sicherheitszone schaffen, die tiefer in libanesisches Gebiet reicht, um Angriffe auf Nordisrael zu vermindern.
Nach Angaben von Außenminister Gideon Sa’ar (Neue Hoffnung) hat die Hisbollah seit der Wiederaufnahme ihres Beschusses am 2. März etwa 5.000 Geschosse von libanesischem Gebiet aus auf Israel abgefeuert. Viele Angriffe seien südlich des Litani verübt worden. Das widerspreche der Aussage der libanesischen Armee, das Gebiet befinde sich unter ihrer Kontrolle. „Der Libanon wird seine Unabhängigkeit nicht zurückerlangen, solange er sich nicht der iranischen Besatzung und dem Stellvertreter, der Hisbollah, entgegenstellt“, erklärte Sa’ar.
Armee: „Terroristen als Sanitäter verkleidet“
Am Montag teilte die Armee mit, sie habe am Samstag eine „Hisbollah-Terrorzelle, als Sanitäter verkleidet“, getroffen. „Die Terroristen, auf die gezielt wurde, hatten systematisch Waffen mit Hilfe von Krankenwagen vom Nord- in den Südlibanon gebracht.“
Aus dem libanesischen Gesundheitsministerium hieß es am Samstag, neun Sanitäter seien von Israel getötet worden: vier vom Islamischen Gesundheitskomitee der Hisbollah und fünf von den „Risala-Pfadfindern“, die zur mit der Terrormiliz verbandelten Amal-Bewegung gehörten.
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden seit dem Beginn des Krieges mehr als 1.200 Menschen im Libanon getötet. Unter ihnen seien Kinder, Frauen und medizinisches Personal. Die Behörde unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und Bewaffneten. Die Zahlen lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Ölraffinerie und Chemiefabrik getroffen
Bei einem Angriff auf Nordisrael wurde in Haifa eine Ölraffinerie von Trümmern einer abgefangenen Rakete getroffen. Sie war bereits am 19. März beschädigt worden. Ob das Geschoss vom Iran oder aus dem Libanon kam, war zunächst unklar.
Laut Feuer- und Rettungsdienst wurden ein Industriegebäude und ein Öltank getroffen. Dieser habe Benzol enthalten, das nicht gefährlich sei. Energieminister Eli Cohen (Likud) teilte mit, dass kein Schaden an den Produktionsanlagen entstanden sei. Die Treibstoffvorräte seien nicht in Mitleidenschaft gezogen. Nach Angaben des Umweltministeriums traten auch keine schädlichen Stoffe aus.
In Südisrael verursachte eine iranische Rakete am Sonntag Schäden an einer Fabrik im Industriegebiet Neot Hovav. Dort befinden sich viele Chemiewerke. Ein Feuer brach aus, schwarzer Rauch erfüllte die Luft. Ein Mensch wurde leicht verletzt. Schadstoffexperten reparierten beschädigte Tanks und beendeten so das Austreten von Gefahrenstoffen. Die Arbeiter in der Umgebung wurden vorsorglich evakuiert, bis die Lage unter Kontrolle war.
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Eine weitere Rakete mit Streumunition verursachte im Negev mehrere Einschläge in Be’er Scheva. 13 Menschen wurden ins Soroka-Krankenhaus gebracht; fünf waren leicht verwundet, acht erlitten Angstzustände.
Ein Trümmerteil schlug nahe des Fußballstadions der Stadt ein, das nach dem früheren Bürgermeister Ja’akov Turner benannt ist. Es traf einen Komplex, wo wenige Stunden zuvor die Erstligamannschaft von Hapoel Be’er Scheva trainiert hatte. An mehreren Wohnhäusern entstanden Schäden.
Stromausfall nach Angriffen in Teheran
In der iranischen Hauptstadt Teheran indes sowie in der benachbarten Provinz Albors fiel nach Angaben des Energieministeriums teilweise der Strom aus. Die israelische Armee erklärte, bei einer neuen Welle von Luftangriffen gegen das Regime seien Teile des Stromnetzes von Trümmern getroffen worden. Staatliche Medien im Iran berichteten, am späten Sonntagabend sei das Problem behoben worden.
Eine Angriffswelle mit mehr als 120 Bomben am Sonntagmorgen habe unter anderem Stätten zur Waffenproduktion gegolten, gab das israelische Militär bekannt. Auch Orte für die Lagerung und den Abschuss von ballistischen Raketen seien anvisiert worden.
Die Internationale Atomenergiebehörde äußerte sich zu einer Produktionsanlage für Schwerwasser in Khondab bei Arak. Diese sei aufgrund schwerer Schäden nicht mehr funktionsfähig. Gemäß iranischen Angaben war sie am Freitag angegriffen worden.
Pakistan will Gastgeber für Verhandlungen sein
Pakistan wiederum bot sich am Sonntag als Gastgeber für Gespräche über ein Ende des Konfliktes an. Es habe bereits ein Treffen mit den Außenministern Ägyptens, Saudi-Arabiens und der Türkei moderiert, teilte das Außenministerium mit. Dabei sei es um den Versuch gegangen, die USA und den Iran an den Verhandlungstisch zu bringen.
„Pakistan ist sehr glücklich, dass sowohl der Iran als auch die USA ihr Vertrauen gebenüber Pakistan bekundet haben, was die Ermöglichung der Gespräche angeht“, sagte Außenminister Ishaq Dar. „Pakistan wird sich geehrt fühlen, in den kommenden Tagen Gastgeber für solche bedeutsamen Gespräche zu sein.“ Eine offizielle Reaktion der USA oder des Iran gab es nicht. Auch ist unklar, ob es um direkte oder indirekte Verhandlungen geht.
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Ein Berater des emiratischen Präsidenten, Anwar Gargasch, forderte unterdessen, eine Einigung müsse „klare Garantien“ enthalten, dass sich iranische Angriffe auf die Nachbarn nicht wiederholten. Das Regime sei zur größten Bedrohung für Sicherheit am Persischen Golf geworden. Für Angriffe auf zivile Infrastruktur müsse es eine Entschädigung geben.
Trump: Deal könnte bald kommen
Auch US-Präsident Donald Trump (Republikaner) äußerte sich zum aktuellen Stand: Die Gespräche liefen gut, die Iraner hätten den meisten amerikanischen Forderungen zugestimmt, sagte er in der Präsidentenmaschine Air Force One vor Journalisten. „Ich denke, wir werden einen Deal mit ihnen machen, aber möglicherweise tun wir es nicht. Ich sehe einen Deal im Iran. Es könnte bald geschehen.“ Als Geste des guten Willens habe der Iran die Passage für 20 Tankschiffe durch die Straße von Hormus bewilligt.
Aus seiner Sicht bedeuteten die erfolgten Angriffe auf die iranische Führung schon einen Regimewechsel. „Das eine Regime wurde dezimiert, zerstört, sie sind alle tot. Das nächste Regime ist größtenteils tot.“ Das dritte Regime erweise sich als ziemlich vernünftig. Der Zustand des neuen Obersten Führers Motschtaba Chamenei sei ihm nicht bekannt, ergänzte Trump. „Möglicherweise ist er am Leben.“ Aber offenbar sei er sehr schwer verwundet.
Der iranische Militärsprecher Ebrahim Solfaghari erklärte am Sonntag, die privaten Residenzen offizieller Vertreter der USA und Israels im Nahen Osten seien nun legitime Ziele. Er begründete dies mit Angriffen auf Wohnhäuser im Iran. (eh)
Ein Kommentar
Pakistan als Friedensvermittler, da kann ja nichts mehr schiefgehen 😉 Und Trump wieder einmal ganz klar : „Ich denke, wir werden einen Deal mit ihnen machen, aber möglicherweise tun wir es nicht“. Äh, ja, alles klar. Kein Dramaturg, Filmemacher hätte einen solchen Präsidenten erfinden können. Es tut mir unendlich leid um den indonesischen UNIFIL Soldaten und um den 19 jährigen israelischen Soldaten. Bei den Hisbollah-Terroristen iat mein Mitleid überschaubar.