Auch wenn es als solche gekennzeichnet ist, von einer „Dokumentation“ kann man nicht im eigentlichen Sinne sprechen. Denn dieser Film erklärt nichts oder ordnet auch nur ansatzweise irgendetwas für den Zuschauer ein. Die 106 Minuten dauernden wackeligen Aufnahmen zeigen den Alltag im Gazastreifen aus dem Jahr 2001. Zu diesem Alltag gehört auch der Hass auf die Israelis und ein wenig Beschießen von israelischen Grenzposten, wie eben „jede Nacht“.
Verantwortlich für den Film „Mit Hasan in Gaza“ ist Kamal Aljafari, der 1972 in Ramla, zwischen Tel Aviv und Jerusalem gelegen, in eine arabische Familie geboren wurde. Im Alter von 17 Jahren verbüßte er während der „Ersten Intifada“ eine Haftstrafe. Dies wird auch im Film angesprochen, wird erwähnt, doch der Grund für die Haft bleibt unerklärt – so als sei dies irrelevant.
Später studierte Aljafari an einer Universität in Jerusalem, bevor er im Alter von 26 Jahren nach Deutschland ging. Er schloss sein Studium an der Kunsthochschule für Medien Köln ab, lebte in New York und Berlin, bevor er nach Paris zog.
Im November 2001, mitten in der „Zweiten Intifada“, begab sich Kamal Aljafari im Gazastreifen auf die Suche nach einem Mann namens Abderrahim Schamiyeh, mit dem er 1989 im israelischen Gefängnis in Aschkelon inhaftiert war. Aljafari ließ sich durch den Gazastreifen führen und nahm dabei Videos auf. Begleitet wird er von einem Mann namens Hasan Elboubou, der ebenfalls nicht weiter vorgestellt wird, jedoch Namensgeber des Films ist.
Nach eigener Aussage entdeckte Aljafari später das Filmmaterial wieder, das auf drei MiniDV-Kassetten gespeichert war. Daraus ist der Film „Mit Hasan in Gaza“ gemacht. Der 54-jährige Aljafari bezeichnet den Film als „eine Hommage an Gaza und seine Bevölkerung“. Und als „Poesie des Widerstands.“
Kein Wort von Terror-Tunneln
Spätestens seit dem Gazakrieg nach dem 7. Oktober 2023 weiß die ganze Welt um die Tunnel, die palästinensische Terroristen über Jahrzehnte hinweg unter dem Gazastreifen gegraben haben. Bis zu 720 Kilometer lang sollen die aufwendig konstruierten Tunnel insgesamt sein, rund 5.700 separate Schächte soll es gegeben haben. Ihr einziger Zweck: Terroranschläge gegen die israelischen Nachbarn.
Dabei hat der Gazastreifen selbst eigentlich nur eine Länge von rund 45 Kilometern und eine Breite von etwa 6 bis 14 Kilometern. Damit ist er kaum größer als München. Zum Vergleich: Das U-Bahn-Netz der bayerischen Landeshauptstadt umfasst eine Strecke von 95 Kilometern.
Von diesen Tunneln, die, wie man heute weiß, auch größtenteils zum alltäglichen Leben der normalen Einwohner Gazas gehörten und im Volksmund auch die „Gaza-Metro“ genannt wurden, ist im Film freilich nicht die Rede. In ihnen wurden enorme Mengen an Waffen und Sprengstoff gelagert.
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Der Tunnelbau habe auch zur Kultur der Hamas gehört und sei geradezu identitätsbildend im Gazastreifen gewesen, sagen Experten. Dutzende Kinder wurden für ihren Bau eingesetzt und kamen dabei zu Tode. Hochzeitspaare ließen sich in einem Tunnel fotografieren. Sommerlager wurden in den Tunneln abgehalten. 2007, nachdem Israel den Gazastreifen geräumt hatte, waren mindestens 15.000 Leute im Tunnelbau beschäftigt, sagt Joel Roskin, Professor an der israelischen Bar-Ilan-Universität. Die Armee wusste bereits seit den 1980er Jahren von den Tunneln. Kurz: Es ist unwahrscheinlich, dass die Tunnel des Gazastreifens nicht in einem großen Maße bekannt waren.
Der diffuse Feind: Israelische Wachposten
Der Film „Mit Hasan in Gaza“ geht aber grundsätzlich nicht auf konkrete politische Umstände im Gazastreifen ein. Allenfalls droht in der Ferne ein diffuser Feind, der zwar nicht genannt wird, aber irgendwie mit der israelischen Armee, mit Panzern, Schützen und Grenzposten zu tun zu haben scheint. Mit wackeliger Kamera werden Vertreter dieses Feindes gefilmt; viel sieht man indes nicht.
Der Zuschauer erfährt dann eben auch nicht, dass sich der Gazastreifen zu einer Hochburg des arabisch-islamischen Fundamentalismus der Hamas entwickelte, die in Opposition zur Fatah und der Palästinensischen Autonomiebehörde agierte. Im Januar 2006 gewann die Hamas bei den Parlamentswahlen der palästinensischen Autonomiegebiete mit 76 von 132 Sitzen die absolute Mehrheit.
Die Politik der Hamas gegenüber der Zivilbevölkerung ist von Willkür und Gewalt gekennzeichnet. Die Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“ kritisiert willkürliche Verhaftungen, Folter und Erschießungen. Thematisiert wird im Film auch nicht der seit Jahrzehnten andauernde Beschuss auf Israel mit Kassam-Raketen aus dem Gazastreifen, die wiederum führten zu umfangreichen Abwehrreaktionen Israels.
Die Kampfhandlungen haben das Wirtschaftsleben in der Region weitgehend zum Stillstand gebracht. Der Gazastreifen ist von Hilfslieferungen internationaler humanitärer Organisationen, von Israel sowie vom Schmuggel abhängig. Nach Angaben des Palästinensischen Zentralamts für Statistik gehörte die Arbeitslosenquote in Gaza mit einer Gesamtquote von 46 Prozent und einer Jugendarbeitslosenquote von etwa 70 Prozent zu den höchsten der Welt, während die Bevölkerung gleichzeitig eine der höchsten Alphabetisierungsraten der Welt aufweist. Gleichzeitig wird in arabischer und muslimischer Kritik größtenteils Israel als Verursacher der Zustände im Gazastreifen verantwortlich gemacht.
Provokation jede Nacht
Ein Film über den Missbrauch medizinischer Einrichtungen für militärische Zwecke im Gazastreifen ist „Mit Hasan in Gaza“ ebenfalls nicht. Ebenso wenig über die Anschläge vom 7. Oktober 2023, bei denen die Hamas vom Gazastreifen aus Israel überfiel und etwa 1.200 Menschen tötete und 251 Geiseln nahm. Kein Wort – allein wegen der zeitlichen Einordnung der Aufnahmen – vom einseitigen Rückzug Israels aus dem Gazastreifen im Jahr 2005 nach Plänen des damaligen israelischen Premierministers Ariel Scharon, der zu keinem Ende des Terrors aus dem Küstengebiet führte.
Stattdessen begleiten wir den Filmemacher auf seiner Tour durch den verarmten Gazastreifen. Wackelige Bilder – aus dem Auto, auf dem Markt und am Strand – prägen die anderthalb Stunden. Die Geschäfte sind größtenteils geschlossen. „Die ökonomische Situation ist sehr schlecht seit der letzten Intifada“, stellt jemand fest. Terror lohnt sich offenbar aus wirtschaftlicher Sicht nicht. Die wirtschaftliche Lage führt vielmehr zu Ratlosigkeit unter den Bürgern und zu Hass auf Israel.
Kinder spielen am Strand mit einem toten Fisch. Aljafari trifft einen Mann, der nach eigener Aussage acht Jahre im Gefängnis war. Die beiden unterhalten sich eine Weile, der Ton blendet aus, der Zuschauer erfährt nichts weiter über diese Begegnung.
Die Besuchergruppe findet dann eine Siedlung, die zerstört wurde, israelische Soldaten werden angedeutet, die irgendwo in der Ferne Wache schieben. Man sieht einen Panzer. Die Filmer fragen sich, ob die Soldaten wohl auf jemanden mit einer Kamera schießen könnten. Doch anstatt sich aufgrund dieser Sorge aus dem Staub zu machen, steigen sie aus dem Auto und stellen sich vor dem israelischen Wachtposten auf. Es kommt nicht zur vielleicht erhofften Konfrontation.
Die Gruppe beschließt dann, ein zerschossenes Haus zu filmen, das nur noch einer Ruine gleicht. „Während wir versuchten, mit ihnen Frieden zu schließen“, sei das passiert, jammert eine Frau. „Was für ein Leben ist das!“ Mit „denen“ sind vermutlich die Israelis gemeint, man erfährt nichts Genaues.
Granaten auf Israel
Der „Höhepunkt“ des Films ist vielleicht der Moment, an dem Männer nachts Mörser-Granaten auf Israel abfeuern. Aljafari filmt das aus dem gegenüberliegenden Haus. Die Israelis antworten wie erwartet mit Gewehrschüssen. Eine Routine. Es wirkt wie ein kindisches Spiel – nur dass es hier um die Unversehrtheit und das Leben von Menschen geht.
Alles scheint hier eher aus Langeweile zu geschehen, als dass damit wirklich eine Wirkung erzielt werden soll, erst recht nicht zugunsten des Lebensstandards im Gazastreifen. Die Lösung für die Armut scheint nicht weniger Terror gegen Israel zu sein, sondern mehr. Wie erhofft, kommt dann ein israelischer Panzer.
„Wenn eine Kugel abgefeuert wird, filme es!“, fordert Aljafaris Begleiter den Filmemacher auf. „Wenn sie eine Rakete abfeuern, werden sie hundert Leute töten!“ Ein zerstörtes Haus haben sie ja erst kurz zuvor gezeigt, ebenso wie dessen ehemalige Bewohner, die sich über die Zerstörung ärgern. „Jede Nacht ist so“, informiert der Gastgeber den Filmemacher.
„Mit Hasan in Gaza“, Regie: Kamal Aljafari, Palästina/Deutschland/Frankreich/Katar 2025, 106 Min., FSK ab 6, arabische OmU-Fassung, seit 26. März im Kino
7 Kommentare
Mir ist es unverständlich, dass ein in Israel inhaftierter Jugendlicher „später“ in Jerusalem studieren durfte???
…Während wir versuchten, mit ihnen Frieden zu schließen“, sei das passiert, jammert eine Frau. Was ist das für ein Leben?…
Wann haben Gazaner jemals versucht, Frieden mit den Israelis zu schließen? Nicht mal die israel. Aktivisten, die Palästinenser zu israelischen Krankenhäusern fuhren, wurden beim Massaker verschont. Ja, was ist das jetzt für ein Leben, in dem man sich auf seine Terroristen Hamas verlassen hat, mit ihnen gemeinsam gemordet und Geiseln verlacht hat?
Dieser Film ist ein zufällig wiedergefundenes Material, das veröffentlicht wurde, um Israel wie immer in schlechtem Ruf erscheinen zu lassen ohne Missstände in Gaza aufdecken zu wollen.
Locarno und Montpellier scheinen für „Freiheitskämpfer in Hamasuniform“ zu sein, wenn ein Film gewinnt, ohne hinterfragt zu werden.
Irgendwie will jeder und alles, ja die ganze Welt Israel schlecht reden und den Ruf Israels schädigen, oder?
Denken Sie bitte zwei Schritte weiter und hören nicht direkt auf damit. Stellen Sie sich doch mal die Frage, warum, weshalb und wieso. Vielleicht könnte ja doch etwas dran sein, was die ganze Welt behauptet, aber ihre Hasbara versucht zu leugnen. Beschäftigen Sie sich einfach mal damit, statt alles direkt für bare Münze zu nehmen, was Ihnen von der Regierung vorgehalten wird. Wenn Sie dann immer noch der Meinung sind, die israelische Regierung macht das Richtige, dann ist es eben so. Dann lügt die ganze Welt, nur Ihre Regierung nicht.
@Blub
Sie müssten sich mal selbst reden hören,in einer stillen Stunde! Sie würden die Hände über den Kopf zusammen schlagen. Wer Schuld ist,das liegt wohl auf der Hand,oder? Ìsrael bestimmt nicht. Fragen Sie doch mal die Hamas,warum es der Bevölkerung schlecht geht?
„Mit Hasan in Gaza“, muss das sein? Nein. „Poesie des Widerstands“ gegen die Hamas? Doch nicht.
Alle Feinde Israels haben nur ein Ziel, Israel und die Juden in ein schlechtes Licht zu setzen – das wird auch in diesem Film sehr deutlich – Wahrheit Fehlanzeige.
Musste so eine langatmige Besprechung eines palästinensischen Propagandafilms sein ? Fünf Zeilen hätten genügt. Aber Blub hat sich sicher gefreut.
Man sollte sich nicht mehr aufregen über die Kulturellen, Filmindustrie. Jeder Hampelmann, der gegen Israel ein Filmchen
veröffentlicht, erhält Preise.