Kirche mit gut erhaltenem Mosaikfußboden entdeckt

Nahe der ägyptischen Grenze entdecken Archäologen Überreste einer byzantinischen Kirche. Ihr Baujahr lässt sich exakt feststellen.
Von Israelnetz

NIZANA (inn) – Israelische Forscher haben in der Wüste Negev eine 1.400 Jahre alte Kirche freigelegt. Das teilte die Archäologische Fakultät der Ben-Gurion-Universität in Be’er Scheva am Montag mit. Die Ausgrabungsstätte befindet sich im Nizana-Nationalpark unweit der ägyptischen Grenze. Der Ort ist auch unter dem Namen Nessana bekannt.

Die dortige antike Siedlung lag auf dem Hauptweg zum Katharinenkloster und zum Berg Sinai für Pilger, die vom Norden kamen. Es handelt sich bereits um die sechste Kirche, die auf dem Gelände entdeckt wurde. Doch nur das jetzt gefundene Gotteshaus hatte einen farbigen Mosaikfußboden; dieser sei außergewöhnlich gut erhalten, heißt es in der Mitteilung.

Der Boden war mit geometrischen und floralen Elementen gestaltet. „Das Ausmaß der Bautätigkeit und der Reichtum der Verzierungen deuten auf ein aktives und wohlhabendes religiöses Zentrum hin“, erklärte die Archäologin Jana Tschechanovitz. „Jede Ausgrabungssaison enthüllt mehr von dem versteckten Wohlstand unter den Ruinen von Nessana.“

Foto: Assaf Peretz
Nur die jetzt entdeckte Kirche hatte einen Mosaikboden

Die jetzigen Funde machten die Wissenschaftler im Februar. Mittels einer griechischen Inschrift können sie den Bau der Kirche ins Jahr 601 datieren. „Die Inschrift nannte einen gewissen Sergius, der Geld ins Gebäude investierte, sowie seine Schwester und seinen Neffen“, sagte Tschechanovitz der Nachrichtenseite „Times of Israel“. „Sie kamen von Emesa nach Nizana, also von einer Stadt in Syrien, die heute als Homs bekannt ist.“ In der Archäologie komme eine genaue Datierung sehr selten vor.

Keine heilige Stätte am Ort

Nizana hatte demnach in byzantinischer Zeit bis zu 2.000 Einwohner. Das könne einen Bedarf an so vielen Kirchen nicht erklären. Die Hauptkirche ist vermutlich 100 Jahre älter als die nun entdeckte. Aber alle sechs waren gleichzeitig aktiv.

Nach Kenntnis der Forscher befanden sich am Ort selbst keine heiligen Stätten oder wichtigen Reliquien. Aber es sei der letzte Halt vor der Wüstenstraße gewesen, weshalb sich viele Reisende länger dort aufgehalten hätten. Alte Graffiti dokumentieren, dass Pilger bis von Georgien und Armenien her nach Nessana kamen.

Von der Existenz der Kirche mit Mosaikboden wussten die Archäologen laut Tschechanovitz indes schon vor der Entdeckung: „Zwei britische Forscher, Lawrence von Arabien und Leonard Woolley, hatten die Kirche bereits vor 100 Jahren gesehen. Sie sahen, wie die osmanischen Behörden an diesem verlassenen Ort ein militärisches Zentrum bauten, und dabei eine alte Kirche freilegten und zerstörten.“ Sie hätten einen Plan der antiken Stätte hinterlassen; mit dessen Hilfe und mittels Technologie wurden die Forscher fündig.

Frühere Ausgrabungen

Ausgrabungen gab es in Nizana bereits in den 1930er und 1980er Jahren. Bei der ersten wurden zwei Kirchen und die Überreste eines römischen Forts freigelegt. Auch zwei Archive mit Papyri zum Leben in der Ansiedlung entdeckten die damaligen Forscher. Zu den jüngsten Funden gehören ein Pilgerhospiz und ein Badehauskomplex.

Nach der islamischen Eroberung im Jahr 638 zog Nizana zunächst weiter christliche Pilger an. Doch etwa 150 Jahre später war das Heilige Land vom Rest der christlichen Welt abgeschnitten, und die Zahl nahm stetig ab. Die Siedlung wurde kleiner und vermutlich Anfang des 9. Jahrhunderts aufgegeben. (eh)

Bitte beachten Sie unsere Kommentar-Richtlinien

Schreiben Sie einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Israelnetz-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen