Unter einem Dach vereinigt Zentralrat der Juden in Deutschland (ZdJ) die 23 jüdischen Landesverbände und die in ihnen organisierten mehr als 100 jüdischen Gemeinden. Der Zentralrat vertritt als Religionsgemeinschaft deren religiöse, politische und gesellschaftliche Interessen nach außen und wirkt strukturbildend nach innen.
Für die jüdischen Gemeinden und ihre Mitglieder bietet er ein umfangreiches Angebot in den Bereichen Bildung, Religion, Kultur und Nachwuchsförderung. Außerdem pflegt der Zentralrat auf Bundes- und Länderebene intensive Kontakte in die Politik und ist Ansprechpartner in allen Fragen des jüdischen Lebens in Deutschland, ob für politische und kulturelle Einrichtungen oder für die interessierte Öffentlichkeit.
Politischer Akteur
Die Ausstellung Mit eigener Stimme in Braunschweig entstand in enger Kooperation mit dem Zentralrat der Juden und ist deutschlandweit die einzige Schau zum Thema. Sie verdeutlicht unter anderem, wie der Zentralrat als politischer Akteur in zentralen gesellschaftlichen Bereichen für die Formung und Verteidigung demokratischer Grundwerte eintrat und als Anwalt des Grundgesetzes handelte. Auch hebt sie das Wirken einzelner Präsidenten und Führungspersönlichkeiten des Zentralrats hervor.
Ein Ensemble von Themeninseln stellt das Spektrum lebendiger Kultur und gesellschaftlichen Engagements vor, das der Zentralrat unterstützt. Thematisiert werden Fragen nach jüdischer Identität und Selbstbehauptung, aber auch das Verhältnis der Juden in Deutschland zum Staat Israel.
Erinnerung an Geiseln unterstützt
Ohne Unterlass und mit großem Nachdruck setzte sich der Zentralrat in seiner Öffentlichkeitsarbeit etwa für die Erinnerung an das Schicksal der Geiseln in der Hand der Hamas-Terroristen ein. Er unterstützte die „For-Yarden“-Stiftung bei ihrer Arbeit in Deutschland und der Errichtung des „Platzes der Hamas-Geiseln“ im Herzen Berlins. „For-Yarden“ war von Angehörigen der ehemaligen Geisel Jarden Roman-Gat initiiert worden.
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Die Solidarität der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland mit Israel ist ungebrochen, wie ein Gemeindebarometer zeigt, in dem die Verbindung zum Staat Israel als ein wichtiger Faktor der eigenen Identifikation mit dem Judentum genannt wird. Dazu sagt Zentralratspräsident Josef Schuster: Wir fühlen uns als Zentralrat in unserem Weg gestärkt, uns konsequent gegen die Dämonisierung Israels auf deutschen Straßen und das zunehmend negative Israelbild in der deutschen Öffentlichkeit einzusetzen: Es hat direkte Auswirkungen auf die Mitglieder unserer Gemeinden.
Zum Jahrestag des 7. Oktober stellte der Zentralrat zudem ein Lagebild über die Auswirkungen des Kriegs in Israel auf die jüdischen Gemeinden in Deutschland auf der Bundespressekonferenz vor. Unermüdlich tritt er gegenüber der Bundesre- gierung auf und fordert eine klare Position an der Seite Israels.
Forderungen zeigen Verbindung zu Israel
Die enge Verbindung des ZdJ zum jüdischen Staat zeigt sich in seinen politischen Forderungen:
- Die Sicherheit Israels als Leitfaden deutscher Außenpolitik zu verankern, sie ist deutsche Staatsraison.
- Sich im Abstimmungsverfahren auf europäischer und internationaler Ebene zu der Sicherheit Israels zu bekennen, um Israel gegen antisemitisch motivierte Verurteilungen zu verteidigen und sich in Zusammenarbeit mit den Bündnispartnern für den jüdischen Staat einzusetzen.
- Die deutsch-israelische Partnerschaft zu stärken und den Aufbau eines deutsch-jüdischen Jugendwerks zu fördern.
- Die Förderung von Projekten in den palästinensischen Gebieten auf den Prüfstand zu stellen, das iranische Regime als Treiber des internationalen Terrors klar zu benennen, sich dafür einzusetzen, dass die Revolutionsgarden auf die Terrorliste der EU gesetzt werden und restriktive Maßnahmen gegen das Regime konsequent umzusetzen.
Forderung umgesetzt
Die Europäische Union hat Irans Revolutionsgarden mittlerweile als Terror-Organisation eingestuft. Mit dem formellen Beschluss setzen die Mitgliedstaaten eine Einigung der EU-Außenminister von Ende Januar um. Die Einigung der EU-Staaten war vor dem Hintergrund der brutalen Niederschlagung regierungskritischer Proteste der vergangenen Wochen im Iran zustande gekommen, bei denen die Pasdaran, dieRevolutionsgarden – eine Eliteeinheit der iranischen Streitkräfte – eine Schlüsselrolle spielten.
Die Pasdaran, circa 190,000.00 Mann stark und offiziell „Korps der Islamischen Revolutionsgarde“, wurden 1979 nach der islamischen Revolution zum Schutz des neuen Mullah-Regimes gegründet. Sie unterstehen direkt dem obersten religiösen Führer, dem rahbar, und agieren als Parallelarmee zur regulären Armee. Oberster Revolutionsführer war bis zu seiner Eliminierung Ali Chamenei, der oberste schiitische Geistliche wurde im Rahmen des israelisch-US-amerikanischen Präventivschlags gegen den Iran am 29. Februar getötet.
Die Pasdaran, persisch für „Wächter“, gelten als loyale Stütze des Mullah-Regimes. Sie verfügen über eigene Heer-, Marine- und Luftstreitkräfte sowie einen Geheimdienst und kontrollieren die Basidsch-Milizen, eine regimetreue, paramilitärische Freiwilligenorganisation, ebenfalls im Zuge der Islamischen Revolution 1979 gegründet. Sie fungiert als Untergruppe der Revolutionsgarden (IRGC). Die Pasdaran exportieren die islamische Revolution ins Ausland und kontrollieren weite Teile der iranischen Wirtschaft, was in vielen Fällen zu Korruption unter ranghohen Offizieren führt.
Israelische Symbole beim Musikwettbewerb
Der 7. Oktober 2023 hat die jüdische Gemeinschaft weltweit erschüttert. Die Jewrovision, der größte jüdische Gesangs- und Tanzwettbewerb in Deutschland und Europa – seit 2002 wird er jährlich vom Zentralrat der Juden in Deutschland organisiert – stand 2024 unter besonderen Vorzeichen: Die Jugendlichen setzten mit ihren Performances, Liedtexten und Videobeiträgen ein klares Zeichen der Solidarität mit Israel und gegen Antisemitismus. In die Eröffnungsperformance und in die Show wurden israelische Symbole als Zeichen der unerschütterlichen Verbundenheit mit dem jüdischen Staat integriert.
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Die „Taglit-Birthright“-Reisen nach Israel werden durch finanzielle Unterstützung des Zentralrats der Juden gefördert und in Kooperation mit der Zentralwohlfahrtsstelle (ZWST) durchgeführt. Sie ermöglichen es jungen jüdischen Erwachsenen, eine tiefere Ver bindung zu Israel aufzubauen.
Die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht beendete im Mai 1945 den Zweiten Weltkrieg in Europa. Sie erfolgte in zwei Akten: Am 7. Mai in Reims (West-Alliierte) und am 8./9. Mai in Berlin-Karlshorst (Sowjetunion), wobei die Waffen am 8. Mai 1945 um 23:01 Uhr schwiegen. Bereits zwei Monate später wurde das Zentralkomitee der befreiten Juden in der amerikanischen Zone gegründet. Es giltals eine der Keimzellen des am 19. Juli 1950 in Frankfurt am Main gegründeten Zentralrats er Juden in Deutschland.
Dem Zentralrat der Juden waren im Zeitraum von 1869 bis 1933 einige jüdische Verbände vorausgegangen:
Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund (1869–1933) war die erste überregionale Dachorganisation jüdischer Gemeinden in Preußen und im Deutschen Kaiserreich. Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (1893–1938) mit Sitz in Berlin repräsentierte die Mehrheit der assimilierten bürgerlich-liberalen Juden in Deutschland.
Nach dem Erlass der Nürnberger Rassengesetze musste sich die 1933 gegründete Reichsvertretung der Deutschen Juden ab 1935 in „Reichsvertretung der Juden in Deutschland“ umbenennen. 1938 bis 1939 wurde daraus der Reichsverband der Juden in Deutschland, vom Februar bis Juli 1939 führte diese Organisation den Namen Reichsvereinigung der Juden in Deutschland, eine NS-Organisation unter der Leitung des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA); es war eines von zwölf SS-Hauptämtern der Zeit des Nationalsozialismus. Im Juli 1939 folgte die Verstaatlichung, am 16. Juni 1943 befahl das RSHA die Auflösung aller noch existierenden Geschäftsstellen.
Erster Sitz des Zentralrats der Juden in Deutschland wurde Frankfurt am Main, ab 1951 Düsseldorf, ab 1985 Bonn. Seit dem 1. April 1999 hat der Zentralrat der Juden in Deutschland seine Hauptverwaltung in Berlin im Leo-Baeck-Haus.
Offen für alle Richtungen des Judentums
Der Zentralrat sieht sich als Vertretung aller Juden in Deutschland und ist nach seinem Selbstverständnis für alle Richtungen innerhalb des Judentums offen, wobei die Mehrheit der Mitgliedsgemeinden dem orthodoxen G‘ttesdienstritus folgt.
Die deutsche Bundesregierung trägt zur Erhaltung und Pflege des deutsch-jüdischen Kulturerbes, zum Aufbau einer jüdischen Gemeinschaft und zu den integrationspolitischen und sozialen Aufgaben des Zentralrats in Deutschland bei. Sie unterstützt den Zentralrat finanziell bei der Erfüllung seiner überregionalen Aufgaben sowie den Kosten seiner Verwaltung, die 2003 erstmals in einem Staatsvertrag ausgehandelt wurden.
Der Zentralrat der Juden in Deutschland ist Kooperationspartner der 2015 gegründeten Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS). Er gibt die Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“ heraus, sie berichtet regelmäßig auch über Israel.
Ausstellungsort ist das Städtische Museum Braunschweig, Haus am Löwenwall. Die Ausstellung läuft bis zum 20. September 2026.
3 Kommentare
Herzlichen Glückwunsch zum 75-jährigen Jubiläum der deutschen Version der AIPAC.
@Ludovico
Danke für deine Glückwünsche! Ich weiss, sie kommen dir aus tiefstem Herzen. Ja, die jüdische Bevölkerung braucht Unterstüzung, denn das jüdische Leben ist seit Jahrhunderten in Deutschland beheimatet und doch wird es immer wieder bedrohnt.
Auch dieser Kommentar ist wieder falsch von ihnen Ludovico.
Der Zentralrat ist primär die religiöse und kulturelle Spitzenorganisation der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland. Er kümmert sich um Gemeindearbeit, Bildung und Integration. AIPAC hingegen ist eine reine politische Interessengruppe, die keinen religiösen oder gemeindlichen Auftrag hat.
Der Zentralrat der Juden finanziert sich durch staatliche Mittel. AIPAC dagegen finanziert sich durch Private Spenden und Beiträge von Mitgliedern.
Kurz zusammengefasst:
Der Zentralrat ist primär eine Vertretung von Juden in Deutschland, während AIPAC eine Lobbygruppe für Israel in den USA ist.