JERUSALEM / TEHERAN (inn) – Israel hat seine Luftschläge gegen Ziele des Regimes im Iran über Nacht und am Mittwoch fortgesetzt. Unter anderem seien Kommandozentren der paramilitärischen „Basidsch“-Truppe, Stätten der logistischen Abteilung der Armee und Luftverteidigungssysteme getroffen worden.
Seit Beginn der Offensive flog die Luftwaffe demnach etwa 300 erfolgreiche Angriffe gegen Raketenabschussrampen. Zudem habe sie Verstecke von ballistischen Raketen im Visier. Erstmals wurden auch militärische Stätten in Isfahan und Schiras beschossen, sagte Armeesprecher Effie Defrin. Mehr als 20 Ziele seien getroffen worden. Nach seiner Aussage hat die Armee ferner „das geheime Nuklearhauptquartier Min Sadai angegriffen und zerstört“. Dieses habe sich unterhalb der Hauptstadt Teheran befunden.
Zum ersten Mal in der Geschichte schoss ein F-35-Kampfjet in der Luft ein Kampfflugzeug ab, wie die Armee am Mittwoch mitteilte. Ein F-35-Jet vom israelischen Typ „Adir“ habe über Teheran einen bemannten Kampfjet heruntergeholt. Zuletzt hatte die israelische Luftwaffe am 24. November 1985 mit einem F-15-Kampfjet zwei syrische MiG-23 über dem Libanon abgeschossen.
Aus den US-Streitkräften hieß es, seit Beginn der Offensive am Samstag seien fast 2.000 Ziele getroffen und 17 iranische Schiffe zerstört worden, darunter ein U-Boot. Im Arabischen Golf, der Straße von Hormus und dem Golf von Oman sei kein iranisches Schiff mehr unterwegs, sagte der Kommandant des für Nahost zuständigen Zentralkommandos (CENTCOM), Brad Cooper.
Angriffe auf Israel und die Türkei
Umgekehrt dauern die Angriffe auf Israel an. Das Militär hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 100 iranische Drohnen abgeschossen. Insgesamt ist von über 500 ballistischen Raketen und 2.000 Drohnen gegen amerikanische Ziele, Israel und verbündete Staaten die Rede. Am Sonntag wurden bei einem Angriff sechs US-Soldaten in Kuwait getötet.
Eine ballistische Rakete sei überdies gegen die Türkei gerichtet worden, erklärten türkische Behörden am Mittwoch. Sie sei von Abwehrsystemen der NATO im östlichen Mittelmeer abgefangen worden.
Katar nimmt „Spione der Revolutionsgarde“ fest
Auch Katar befindet sich mittlerweile im Visier des iranischen Regimes. Die Angriffe gelten laut Iran US-Einrichtungen. Der katarischen Nachrichtenagentur QNA zufolge wurde aber auch zivile Infrastruktur getroffen, wie Flughäfen und Hotels.
Unterdessen meldete die QNA am Dienstag die Festnahme zweier Zellen, die für die Iranische Revolutionsgarde tätig gewesen seien. Sieben Verdächtige hätten „lebenswichtige und militärische Einrichtungen“ in Katar ausspioniert. Drei weitere seien für Sabotageakte zuständig gewesen. Die zehn Verdächtigen hätten dies im Verhör gestanden.
In ihrem Besitz seien Ortsangaben und Koordinaten zu sensiblen Anlagen und Installationen gefunden worden, hieß es weiter. Ferner seien die Ermittler auf Kommunikationsgeräte und technologische Ausrüstung gestoßen.
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Unklar ist derweil die Nachfolge des getöteten Obersten Führers, Ali Chamenei. Dessen Sohn Modschtaba Chamenei habe den Luftschlag vom Samstag überlebt und solle nächster Ajatollah werden, erfuhr die Nachrichtenagentur „Reuters“ aus zwei iranischen Quellen. Er gilt als eine der einflussreichsten Gestalten in der geistlichen Führung im Iran und als Hardliner. Die Personalie ist noch nicht offiziell bestätigt.
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz (Likud) sagte infolge der Berichte, Israel werde den Nachfolger zu töten suchen: „Jeder Führer, den das iranische Terror-Regime ernennt, um den Plan zur Zerstörung Israels fortzuführen, die USA und die freie Welt und die Länder der Region zu bedrohen und das iranische Volk zu unterdrücken, wird ein klares Ziel für die Auslöschung sein. Es spielt keine Rolle, wie er heißt oder wo er sich versteckt.“
USA beraten mit Kurden
Die USA indes suchen offenbar nach weiteren Bündnispartnern in der Golfregion. In den vergangenen Tagen seien sie mit iranischen kurdischen Milizen in Kontakt getreten, sagten drei informierte Quellen gegenüber „Reuters“. Es gehe darum, ob und wie iranische Sicherheitskräfte im Westen des Landes angegriffen werden könnten.
Ansprechpartner ist eine Koalition von Gruppen, die an der iranisch-irakischen Grenze sind, und zwar in der halbautonomen Region irakisches Kurdistan. Sie hätten für einen Angriff trainiert in der Hoffnung, das iranische Militär zu schwächen, während die USA und Israel mit Bomben und Raketen auf iranische Ziele schießen. Ziel wäre es demnach, Raum für iranische Regimegegner zu schaffen, um sich nach dem Tod von Chamenei und anderen Führern gegen die Herrscher zu erheben. Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen.
Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron (Renaissance) wiederum gab am Dienstag bekannt, er habe den Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ und die Fregatte „Languedoc“ ins Mittelmeer entsandt. Der Flugzeugträger kann 40 Luftfahrzeuge und 2.000 Matrosen aufnehmen. Die Schiffe sollen Frankreichs Verbündete in der Golfregion unterstützen.
Palästinensische Terrorgruppen ohne Kontakt zur Revolutionsgarde
Eine konkrete Auswirkung der israelisch-amerikanischen Offensive bekommen palästinensische Terrorgruppen zu spüren: Der Kontakt zwischen dem Iran und einigen von ihm geförderten Organisationen sei abgebrochen, berichtete die arabische Zeitung „A-Scharq al-Awsat“ am Dienstag. Betroffen seien vor allem die Hamas und der Palästinensische Islamische Dschihad im Gazastreifen.
Ob die Kontaktpersonen von der Revolutionsgarde getötet wurden oder ihre Sicherheitsvorkehrungen erhöht haben, ist demnach unklar. Doch während des Krieges im Juni hätten sie auf verschiedenen Wegen Botschaften weitergegeben, hieß es aus palästinensischen Quellen. „Normalerweise werden Botschaften in verschlüsselter Form übermittelt, entweder elektronisch oder auf anderen Wegen. Seit dem Beginn dieses Krieges gingen keine Botschaften ein.“
Schon früher hatten palästinensische Quellen gegenüber der Zeitung geäußert, die Gruppen fürchteten „den Zusammenbruch des iranischen Regimes; der würde für die Unterstützung das Ende ohne Wiederkehr bedeuten“. (eh)
3 Kommentare
Wenn der Kontext nicht so dramatisch wäre, könnte man schmunzeln : Katar, das jahrzehntelang Terrororganisationen unterstützt hat, wird aus dem Iran bombardiert ! Da geht der A… mit Grundeis, wie man in Hessen sagt. Und Hamas und Djihad haben keine Verbindung mehr zu ihren Geld- und Befehlsgebern ! Mir kommen die Tränen 🙂
Die israelisch-amerikanische Offensive bekommen palästinensische Terrorgruppen zu spüren. Das freut uns.
Super, dass es der IDF gelungen ist, in Isfahan mehrere Qadr-Raketen sowie ihre Startplattformen zu zerstören, Isfahan die gefährlichste militärische Region. Dort werden ballistische Raketen entwickelt und gelagert. Mein Mann hat mir erklärt, dass diese eine Reichweite von fast 2000 km haben. Eine Freundin von mir hat vor 40 Jahren dort in einem Labor gearbeitet, alles unter strengster Geheimhaltung.
Die Behauptung Omans, dass man kurz vor Abschluss eines erfolgreichen Deals mit der USA stand, ist schlichtweg falsch. Gegenüber Witkoff und Kushner haben die Iraner geprahlt, wie nah sie an Atomwaffen sind.
„Der Zusammenbruch des iran. Regimes das Ende ohne Wiederkehr“, oh ja bitte.!!! 🙏🇮🇱🇮🇷
Das der Sohn von Ali Chamenei überlebt hat, ist bitter, der wird rachsüchtig das Volk noch schlimmer regieren als sein Vater.