Israel reagiert auf Angriffe der Hisbollah

Die Hisbollah schaltet sich in den neuen Irankrieg ein. Israel reagiert mit Luftschlägen im Libanon.
Von Israelnetz

JERUSALEM / BEIRUT / TEHERAN (inn) – Die radikal-islamische Hisbollah hat am frühen Montagmorgen Angriffe auf die nordisraelische Küstenstadt Haifa und deren Umland verübt. Nach Aussage der Terrorgruppe handelt es sich um eine Rache für die Tötung des Obersten Führers im Iran, Ajatollah Ali Chamenei, am Samstag.

Die Raketen wurden abgefangen oder gingen auf offenem Feld nieder; es gibt keine Berichte über Verletzte oder Schäden. Zur Drohnenabwehr setzte das Militär auch das neue Lasersystem Eisenstrahl ein.

Auf den Bruch der Feuerpause vom November 2024 reagierte die israelische Luftwaffe mit Angriffen in weiten Teilen des Libanon. Auch ein Viertel der Hauptstadt Beirut, das als Hochburg der Hisbollah gilt, wurde beschossen. Armeeangaben zufolge starb der Fraktionsvorsitzende der Hisbollah im libanesischen Parlament, Mohammad Ra’ad, bei einem der Luftschläge. Auch Geheimdienstchef Hussein Makled sei bei einem Angriff ums Leben gekommen.

Armeechef Ejal Samir sagte, die Offensive könne mehrere Tage währen. Die Hisbollah zerstöre den libanesischen Staat. „Die Verantwortung für die Eskalation liegt bei ihr.“ Das Militär rief Zivilisten im Südlibanon zur Evakuierung auf, in deren Ortschaften Stützpunkte der Hisbollah vermutet werden.

Libanesischer Premier verurteilt Beschuss

Mehrere Stunden vor den Angriffen hatte Hisbollah-Führer Naim Qassem laut der Nachrichtenseite „Times of Israel“ geschworen, Israel und die USA wegen der Luftschläge im Iran anzugreifen. Damit widersprach er, anders als im Irankrieg vom Juni, der Bitte der libanesischen Regierung, außen vor zu bleiben. Qassem veröffentlichte eine „Warnung an Israel“, damit es sich „von besetztem libanesischem Gebiet zurückzieht“. Damit meint die Terrorgruppe fünf Grenzposten, die Israel „aus Sicherheitsgründen“ auch nach der Feuerpause besetzt hält.

Der libanesische Premierminister Nawaf Salam (parteilos) kritisierte den Beschuss auf X, ohne den Urheber zu benennen: „Unabhängig davon, wer dahinter steckt – das Raketenfeuer aus dem südlichen Libanon ist ein verantwortungsloser und verdächtiger Akt, der die Sicherheit des Libanon gefährdet und Israel Vorwände gibt um seine Angriffe auf ihn fortzuführen. Wir werden nicht zulassen, dass das Land in neue Abenteuer gezogen wird.“ Verantwortliche müssten mit Strafverfolgung rechnen. Bereits am Samstag hatte er kundgetan, der Libanon werde sich nicht in den Krieg hineinziehen lassen.

Tödlicher Unfall auf Weg zum Schutzraum

Derweil setzte der Iran seine Angriffe auf Israel fort. Am Sonntagabend stürzte ein 102-Jähriger auf dem Weg zum Bunker in einem Treppenhaus in Ramat Gan. Er wurde beatmet und mit schweren Kopfverletzungen ins Ichilov-Krankenhaus nach Tel Aviv gebracht, wo die Ärzte seinen Tod feststellten. Das meldet die Nachrichtenseite „Arutz Scheva“.

Das erste Todesopfer in Israel stammt indes von den Philippinen: Mary Anne de Vera hatte etwa drei Jahre lang eine betagte Frau in Tel Aviv gepflegt. Deren Haus wurde am Samstag von einer vollständigen Rakete getroffen, nicht nur von Trümmern. Es war alt und hatte keinen Schutzraum. Die 32-jährige Pflegerin starb, ihre Schutzbefohlene wurde lebend aus den Trümmern gezogen.

Netanjahu: Das Terrorregime kurz und klein schlagen

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu (Likud) wandte sich am Sonntag an sein Volk. Auf dem Dach des Armeehauptquartiers in Tel Aviv, der „Kiria“, sagte er nach einem Treffen mit Verantwortlichen der Sicherheitsbehörden: „Gestern haben wir den Tyrannen Chamenei ausgelöscht. Mit ihm haben wir Dutzende hochrangige Figuren des oppressiven Regimes getötet. Unsere Truppen greifen jetzt mit wachsender Intensität im Herzen von Teheran an. Das wird sich in den kommenden Tagen noch ausweiten.“

Foto: Israelisches Regierungsamt
Netanjahu auf dem Dach des Armeehauptquartiers

Netanjahu bekundete Anteilnahme gegenüber den Angehörigen der Todesopfer in Israel, zu denen auch neun Tote in Beit Schemesch gehören. Weiter sagte er: Die Koalition mit den USA „ermöglicht uns das, wonach ich mich seit 40 Jahren sehne: das Terrorregime kurz und klein schlagen. Dies habe ich versprochen – und dies müssen wir tun“.

In Medien kursieren Berichte, nach denen der frühere iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad bei einem Angriff getötet worden sei. Das ist bislang nicht offiziell bestätigt.

Iranische Angriffe auf ausländische Militärbasen

Der Iran greift weiterhin auch Ziele außerhalb Israels an. Auf Zypern wurde ein Stützpunkt der britischen Streitkräfte getroffen. Stützpunkte der Bundeswehr in Jordanien und im Irak gerieten ebenfalls unter Beschuss.

Über der US-Botschaft in Kuwait wurden versehentlich mehrere amerikanische Kampfflugzeuge abgeschossen. Das für Nahost zuständige Zentralkommando der US-Armee, CENTCOM, teilte mit, alle sechs Besatzungsmitglieder seien unversehrt. „Kuwait hat diesen Vorfall eingeräumt“, hieß es weiter. „Wir sind dankbar für die Bemühungen der kuwaitischen Verteidigungskräfte und ihre Unterstützung in der fortdauernden Operation.“

Tote infolge iranischer Angriffe gab es bislang im Irak, in Kuwait, in Syrien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Auch drei US-Soldaten wurden getötet. Meldungen über Verwundete kommen zudem aus Bahrain, Katar und Oman.

Zweifel an Darstellung zu Angriff auf Mädchenschule

Unterdessen bezweifeln die USA und Israel iranische Meldungen über den Tod von 115 Menschen bei einem Angriff auf eine Mädchenschule, von denen die meisten Kinder seien. „Im Gegensatz zum Iran werden wir nie Zivilisten angreifen“, erklärte CENTCOM. Der Schutz von Zivilisten stehe ganz oben.

Staatliche Nachrichtenagenturen im Iran wie „Tasnim“ oder FARS haben Trümmer und Rettungsteams in der Stadt Minab gezeigt. Zunächst sprachen sie von 51 Toten und 60 Verletzten, dann erhöhten sie die Zahl auffällig schnell auf 115 Tote, schreibt die israelische Zeitung „Yediot Aharonot“.

Der iranische Präsident Masud Peseschkian hat den Angriff als „barbarische Tat“ verurteilt. Außenminister Abbas Araktschi erhob den Vorwurf, die Grundschule sei „im hellen Tageslicht bombardiert worden, als sie voller Schülerinnen war“.

Der israelischen Armee ist nach eigener Aussage kein Angriff in der Gegend bekannt. Sie befürchtet, der Iran mache es wie die Hamas und übertreibe die Zahlen der Toten. Damit wolle er vermutlich Bewunderung oder wenigstens Mitleid von der internationalen Gemeinschaft gewinnen. Möglicherweise sei eine iranische Rakete
vorzeitig niedergegangen und Teheran wolle die Verantwortung auf Israel abwälzen.

Israelische Offizielle merkten an: „Selbst wenn es ein derartiges Ereignis gegeben haben sollte, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Iraner die Ausmaße der Katastrophe übertreiben und Zahlen von Toten manipulieren.“ Eine offizielle Stellungnahme von Israel gibt es bislang nicht. (eh)

Bitte beachten Sie unsere Kommentar-Richtlinien

Schreiben Sie einen Kommentar

3 Antworten

  1. Netanjahu: Das Terrorregime in Iran kurz und klein schlagen. Hisbollah in Libanon auch kurz und klein schlagen? Ja, unbedingt.

    1
  2. Israel hat ein Existenzrecht und Verteidigungsrecht. Alles alles erdenklich Gute für das Isaraelische Volk und für die IDF die das ganze Land vor den Terroristen schützt. Meinen großen Respekt und Hochachtung vor der IDF die mit aller Kraft so viel Tag und Nacht leistet um ihr Land zu schützen. Ich drücke euch die Daumen und hoffe, dass das israelische Volk endlich Ruhe und Frieden vor den Antisemitisten und Terroristen finden werde.

    0
  3. Die Mädchenschule in Minab scheint tatsächlich von einer fehlgeleiteten Rakete der iranischen Revolutionsgarden getroffen worden zu sein. Das haben die Psadaran offenbar selbst eingestanden, wie aus hiesigen Informationen zu entnehment ist. Die Opferzahl soll tatsächlich zwischen 50 oder 60 liegen. Ausgerechnet eine Mädchenschule von Pasdaran beschossen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

    0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Israelnetz-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen