Golda Meir wird ein Ausspruch zugeschrieben, der als geflügeltes Wort in die Geschichte des Nahen Ostens einging: Wenn die Feinde Israels ihre Waffen niederlegten, gäbe es Frieden; wenn Israel seine Waffen niederlegte, gäbe es kein Israel mehr, meinte die frühere Premierministerin. In einer feindlichen Umgebung muss sich der jüdische Staat zudem darum bemühen, mit Erfindungsreichtum und Schneid stärker zu sein und zu bleiben als seine Feinde.
Am 28. Dezember hat Israel das jüngste Kapitel dieser Geschichte aufgeschlagen: Der Rüstungskonzern Rafael übergab der Armee offiziell das Lasersystem „Starkes Licht“. Diese Waffe bringt eine neue Qualität in die Abwehr von Geschossen wie Drohnen oder Raketen – zu einem Bruchteil der bislang dafür notwendigen Kosten.
Im Kampf erprobt
Seine „Feuertaufe“ hat das System bereits hinter sich. Wie Ende Mai 2025 bekannt wurde, kam es im Oktober 2024 an der Nordgrenze gegen die Terrormiliz Hisbollah zum Einsatz. Die Armee wehrte damit knapp 40 Geschosse ab. Sie sprach von „besonders hohen Abfangerfolgen“.
An diesem Pioniereinsatz waren Reservisten beteiligt, die bereits Erfahrung mit der Eisenkuppel oder anderen Abwehrsystemen hatten. Einer von ihnen erklärte gegenüber der Zeitung „Jerusalem Post“, dass sie bei dem Einsatz in Echtzeit dazulernen mussten – niemand hatte das System zuvor im Kampf erprobt. Gemeinsam mit Experten von Rafael nahmen sie dabei fortlaufend Anpassungen vor, um die Effizienz zu erhöhen.
Name im Gedenken an einen Gefallenen
Das Lasersystem heißt im Hebräischen „Or Etan“ (Starkes Licht). Der Name trifft zwar die Charakteristik des Systems, die eigentliche Bedeutung lautet jedoch „Licht von Etan“: Es ist benannt nach dem im Oktober 2024 gefallenen Soldaten Etan Oster. Der Hauptmann war Sohn des an der Entwicklung maßgeblich beteiligten Ingenieurs Dov Oster. Im Englischen heißt das System offiziell Laserdome, gängig ist aber die frühere offizielle Bezeichnung Iron Beam (Eisenstrahl) in Anlehnung an das Abwehrsystem Iron Dome (Eisenkuppel).
Der Geschäftsführer von Rafael, Joav Turgeman, lobte in der Folge die Errungenschaft. Es handele sich um eine „operative und technologische Meisterleistung von globaler Bedeutung“. Rafael sei führend bei der „Revolution der Energiewaffen“, die der Kreativität der Wissenschaftler und den enormen Investitionen in die Forschung zu verdanken sei.
Der Vorsitzende von Rafael, Juval Steiniz, zeigte ebenfalls seinen Stolz: „Menschen in aller Welt schauen mit Bewunderung auf den Laser-Durchbruch bei Rafael“, sagte der frühere Energieminister im September. „Obwohl der Laser vor 70 Jahren erfunden wurde, ist jedes Land daran gescheitert, ihn als Waffe zu nutzen.“
Internationaler Forschungseifer
So ganz stimmt diese Behauptung nicht. Andere Länder forschen ebenfalls an der Technologie und führten bereits erfolgreiche Abschusstests durch. Im Ukrainekrieg kamen Laser auf beiden Seiten zum Einsatz. China, Deutschland, Großbritannien, Japan, Indien, die Türkei und die USA experimentieren ebenfalls mit Laserwaffen. Großbritannien will sein System 2027 zum Einsatz bringen, die Bundeswehr 2029.
Allerdings erlangen diese Systeme bislang nur geringe Reichweiten. Der von Steiniz angesprochene Durchbruch bezieht sich auf die Herausforderung, den Laserstrahl auch über längere Distanz intensiv zu halten. Im Jahr 2020 gelang dies drei Physikern von Rafael. Wenn andere Länder die Reichweite überhaupt angeben, ist meist von 1, selten von 5 Kilometern zu hören. Das israelische System schafft 10 Kilometer.
| Rafael hat drei Versionen des Lasersystems entwickelt. Sie waren bereits bei der Pariser Luft- und Raumfahrtmesse im Juni 2025 zu sehen. Die Versionen unterscheiden sich nach Stärke und Einsatzszenarien. | ||
| Version | Leistung (Kilowatt) | Einsatzfeld |
| Standard | 100 | Für Geschosse aller Art. Stationäre Aufstellung in Grenznähe, in der Nähe von Bevölkerungszentren oder kritischer Infrastruktur. |
| M | 50 | Die mobile Version: Auf Armeelastern anbringbar und damit schnell verlegefähig. |
| Lite | 10 | Kleinere Version von M für Ziele in geringer Höhe oder am Boden. An Geländewagen und Transportern anbringbar. |
| Das System erkennt feindliche Geschosse durch ein Sensorsystem mit Radar, elektro-optischen Sensoren und Kameras. Bei einer Ortung gibt das System zunächst 100 bis 200 Teilstrahlen ab. Wenn es bei einem Strahl einen Treffer erkennt (etwa durch Reflexion), stellt es die anderen Strahlen auf dessen Ziel und Frequenz ein. Die extreme Hitze macht das Geschoss flugunfähig oder bringt dessen Sprengsatz zur Explosion. | ||
Von der Fiktion zur Realität
Der Traum von einer Laserwaffe ist Jahrzehnte alt. Nach dem Bau des ersten funktionstüchtigen Lasers im Jahr 1960 griffen Autoren von Zukunftsfantasien das Konzept auf, etwa 1965 in der Pilotfolge der ersten „Star Trek“-Serie. Ikonisch ist das „Laserschwert“ aus „Star Wars“, das im ersten Film der Reihe im Jahr 1977 die Massen faszinierte.
Die Politik bemühte sich indes um Anwendung in der Realität. US-Präsident Ronald Reagan rief 1983 eine „Strategische Verteidigungsinitiative“ ins Leben, die auch eine Laserwaffe zur Abwehr sowjetischer Geschosse vorsah. Die Initiative entpuppte sich zwar als zu ambitioniert, doch sie gab der Materialforschung Auftrieb.
An der Idee einer Laserwaffe hielten die USA fest. Im Jahr 1996 unterzeichneten sie mit Israel eine Absichtserklärung für die Entwicklung und Herstellung. Trotz erfolgreicher Tests stellten die USA das Projekt 2004 ein. Als Begründung gab die Regierung an, das System sei zum Transport zu sperrig, und ein stationäres System genüge nicht den modernen Kampfanforderungen.
Inzwischen scheint ein Lasersystem aber unverzichtbar zu sein. Denn in Kämpfen kommt es immer öfter zum Masseneinsatz von Drohnen, den klassische Abwehrsysteme aufgrund der schieren Menge nicht mehr bewältigen können.
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Viele Vorteile
Die Vorteile eines Lasers sind immens. Da ist zunächst der Kostenfaktor: Das seit 2011 in Israel eingesetzte Raketenabwehrsystem Eisenkuppel hat zahlreiche Leben gerettet. Doch eine einzige Abwehrrakete kostet rund 30.000 US-Dollar. Die von Terrorgruppen wie der Hamas eingesetzten Angriffsraketen kosten hingegen nur 600 Dollar, und können gerade deshalb massenweise zum Einsatz kommen.
Genau dieser Einsatz von Quantität, also Massen- oder Dauerbeschuss, war es bislang, durch den die Feinde Israels dem qualitativen Vorsprung der israelischen Armee etwas entgegensetzen konnten. Durch den Laser wendet sich das Blatt: Ein Schuss benötigt lediglich Strom im Wert von 5 bis 10 US-Dollar. Rafael-Geschäftsführer Turgeman bringt es auf den Punkt: „Dies ist das erste Mal, dass der ökonomische Vorteil bei einer Kampagne beim Verteidiger liegt und nicht beim Angreifer.“
Vorteilhaft ist auch die verwendete „Munition“: Elektrizität kann schnell und einfach zur Verfügung stehen. Im Gegensatz dazu ist bei der Produktion klassischer Abwehrraketen eine komplexe Logistik und internationale Abstimmung erforderlich. Bei einem Waffenembargo stockt der Nachschub, und das Sicherheitsrisiko für den jüdischen Staat wächst.
Damit passt das neue Lasersystem auch zu der jüngst ausgerufenen Doktrin, im Rüstungsbereich unabhängiger zu werden: Am 24. Dezember kündigte Regierungschef Benjamin Netanjahu (Likud) an, in den kommenden zehn Jahren umgerechnet rund 95 Milliarden Euro für den Ausbau der Waffenherstellung in Israel zu investieren.
Israelnetz Magazin
Ein weiterer Vorteil betrifft die Lebenswelt der Israelis: Die Laserwaffe kann feindliche Geschosse kurz nach dem Start zerstören. Von Fall zu Fall wird also gar kein Raketenalarm mehr ausgelöst; Israelis müssen bei einem Angriff nicht mehr so oft in Bunkern Schutz suchen. Damit bleibt ihnen Stress erspart, zudem kommt es bei der Flucht in die Bunker regelmäßig zu Verletzungen.
Auf der anderen Seite hat das System seine Schwächen: Es ist nicht allseitig und nach Belieben einsetzbar. Da ist zunächst die Reichweite von 10 Kilometern, die Eisenkuppel schafft um die 70. Außerdem verliert das System in Wolken, Nebel oder Dunst erheblich an Effizienz. Es wird daher nur im Verbund mit klassischen Abwehrsystemen zum Einsatz kommen.
Sehnsucht nach Ruhe
Nichtsdestotrotz hat sich Israel mit der Laserwaffe vorerst einen Vorsprung gesichert, der in der aktuellen Bedrohungslage unermesslich ist. Der Rüstungskonzern Elbit tüftelt bereits an einem System, das auch an Drohnen, Hubschraubern und Kampfflugzeugen anbringbar ist. Die Entwicklung soll aber noch drei bis fünf Jahre in Anspruch nehmen.
Die Versprechen sind indes grandios: In fünf bis zehn Jahren werde „nichts Feindliches mehr in der Luft fliegen – keine Flugzeuge, keine Drohnen, keine Marschflugkörper, keine Mörser, keine Bomben“, meint der Rafael-Vorsitzende Steiniz: „Denn der Laser wird die Luft vollständig von allem reinigen, was er sieht und erkennt.“ Selbst wenn sich diese Vision nur halb erfüllt – das Lasersystem kann Israel mehr Ruhe in einer feindlichen Umgebung verschaffen.
8 Antworten
Golda Meir: Wenn die Feinde Israels ihre Waffen niederlegten, gäbe es Frieden. Werden die Feinde Israels je ihre Waffen niederlegen? Ja, wenn man sie besiegt oder wenn sie (Hamas-Terroristen) nicht mehr leben:
Mors tua vita mea, sagt unser Bischof, bester Militärbischof von allen.
Ja Israel ist sehr innovativ und kreativ! Golda Meir hat nur bedingt recht! Der einzig wirklich sichere Schutz für Israel ist sein Fels, der allgewaltige Gott. Diese Wahrheit wird Jahwe durch sein Gericht und die folgende Gnade, übernatürlich sichtbar, für alle Nationen unvorstellbar-demonstrieren. So dass alle Nationen erkennen, wer der Herr ist.
Jesus ist Sieger
Lieber Gruß Martin
Golda Meir hat nur bedingt recht. Ja, Untertan, das stimmt. Dafür hat meine Ehefrau immer Recht.
Wenn Israel so intensiv weiter forscht wird es nicht allzu lange dauern bis zur Entwicklung von einsatzfähigen Partikelwaffen,(der Vorstufe zum STAR TREK Phaser),oder dem ersten Energieschild zum Abfangen von Materiewaffen und Energiewaffen, klingt euphorisch und vielleicht etwas zu weit vorgegriffen, aber der Weg, den Israel geht, führt in genau diese Richtung. Ich hoffe, das noch mitzuerleben.
Wichtig ist nur, daß sie bei ihren Leisten bleiben ohne den damit verbundenen Größenwahn in Form von Eroberungskriegen.
Der Schutz unseres kleinen Fleckens,unserer Heimat und seiner Bewohner sollte oberste Priorität haben.
SHALOM
Möge „Or Etan“ seinem Namen „Starkes Licht“ alle Ehre machen und dem israelischen Volk gegen Angriffe und Bedrohungen seiner Feinde helfen. Gott behütet sein Volk wie seinen Augapfel, denn wer Israel angreift, greift Gott an. Er wird seinem Volk zu neuer Strahlkraft verhelfen.
Sorry Ella, hier muss ich Ihnen wiedersprechen. „Or Etan – die eigentliche Bedeutung lautet jedoch „Licht von Etan“. Vergessen wir nicht, wer das Licht geschaffen hat – Jahwe! In Ps. 104,2 „Licht ist dein Kleid, das du anhast.“ Jesus sagt: Ich bin das Licht der Welt.
„Gott behütet sein Volk wie seinen Augapfel, denn wer Israel angreift, greift Gott an.“ – Wenn es in den göttlichen Ordnungen lebt – sagen die Propheten. Aktuell trifft diese Aussage nun wirklich nicht zu!
Nach der Jakobstrübsal – wird Jahwe seinem Volk zu neuer Strahlkraft verhelfen – dann für immer.
Lieber Gruß Martin
Sehr interssanter Bericht, auch für einen militärischen Laien wie mich. Diese information lässt den kürzlichen Besuch des Inspekteurs des Heeres (Bundeswehr) , Generaleutnant Christian Freuding, in Israel in neuem Licht erscheinen. Er hatte erklärt, die seit vielen Jahren gut funktionierende Zusammenarbeit mit der israelischen Armee ausbauen zu wollen. Gut so.
Antonia, es scheint, daß der Generalinspekteur sehr genau erkennt, wo die wirklich guten Sachen zu finden sind.
Mal sehen, was er daraus macht.
SHALOM