Abschied vom israelischen Musiker Matti Caspi

Mit 76 Jahren stirbt der israelische Musiker Matti Caspi. Staatspräsident Herzog würdigt seine „Melodien, die wundervolle Texte geschmückt haben“.
Von Israelnetz

KFAR SABA (inn) – Unter großer Anteilnahme ist am Montag im zentralisraelischen Kfar Saba der israelische Musiker Matti Caspi beigesetzt worden. Er war in der Nacht zu Sonntag mit 76 Jahren einem Krebsleiden erlegen.

Zur Beerdigung kamen neben Familienangehörigen viele Künstler, wie die Zeitung „Yediot Aharonot“ berichtet. Caspi produzierte in seiner langen Karriere etwa 1.000 Lieder. Zu ihnen gehören „Brit Olam“ (Ewiger Bund) und „Schir HaJona“ (Lied der Taube). Er trat unter anderen mit dem kanadischen Sänger Leonard Cohen auf.

Geboren wurde Matti Caspi 1949 im Kibbuz Hanita in Westgaliläa. Als Kind lernte er Blockflöte. Zum Klavierspiel kam er durch den polnisch-israelischen Akkordeonspieler Schmuel Gogol. Der Auschwitz-Überlebende hatte ein Instrument vom polnischen Arzt Janusz Korczak übernommen, der ein Waisenhaus betrieb und die Kinder ins Vernichtungslager begleitete. Gogol versprach Caspi das Akkordeon, wenn er Klavierspielen lerne.

Den Unterricht erhielt er in der nordisraelischen Küstenstadt Naharia bei Raphael Dragan, der aus Rumänien stammte. Der Vater übersetzte für seinen Sohn vom Rumänischen ins Hebräische. Matti Caspi spielte auch Akkordeon und Gitarre. Bereits als Teenager nahm er an einem Kompositionswettbewerb teil.

Erste Band beim Militärdienst

Seine erste Band gründete Caspi im Wehrdienst; diesen absolvierte er als Sänger, Komponist und Musikproduzent beim Südkommando. Die Band war ein Trio mit seinen Freunden Gadi Oron und Ja’akov Noy, sie nannte sich „Die drei fetten Männer“. Der erste große Hit hieß „Ani Met“ (Ich sterbe). Die professionelle Karriere begann kurz nach der Entlassung aus der Armee durch einen Anruf von Arik Einstein, dem Pionier der israelischen Rockmusik.

Während des Jom-Kippur-Krieges im Oktober 1973 trat Leonard Cohen vor Truppen auf der Sinaihalbinsel auf. Caspi begleitete ihn auf der Gitarre. Am selben Tag halfen die beiden, verwundete Soldaten zu evakuieren, für die sie zuvor musiziert hatten. Im Sommer 2014 gab Caspi während der Militäroperation „Starker Fels“ Konzerte in Kibbuzim nahe der Grenze zum Gazastreifen.

Im Dezember 2023 nahm er mit dem Musiker Schalom Hanoch ein Album auf, das sie Guy Illus widmeten. Der Israeli war in der Geiselhaft im Gazastreifen getötet worden. Im vergangenen Oktober übergab die Hamas seine sterblichen Überreste an Israel.

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Dreimal war Matti Caspi verheiratet. Seine erste Ehe schloss er nach dem Wehrdienst mit Galia Superstein, sie hielt weniger als ein Jahr. 1972 lernte er die Schauspielerin Doreen Lubetzky und heiratete sie. Das Paar bekam zwei Kinder, Brit und Bar.

Nach der Trennung traf er 1990 die Mexikanerin Raquel Wenger. Sie wanderten nach Kanada aus und heirateten 1994 in Kalifornien. Den beiden wurden zwei Töchter geboren, Suyan und Sean. 1997 kehrte Caspi mit seiner Familie nach Israel zurück. Dort wurde er 2002 wegen Bigamie verurteilt, weil die Ehe mit Lubetzky nicht ordnungsgemäß geschieden war. Er erhielt eine sechsmonatige Bewährungsstrafe.

Spendensammlung für Krebstherapie

Im Mai 2025 tat er seinen Fans in Sozialen Medien kund, dass er wegen Metastasen Auftritte absage. Er wolle sich auf seine Gesundheit konzentrieren. In einer Online-Kampagne sammelte der Musiker 1,5 Millionen Dollar für experimentelle Behandlungen, die nicht vom staatlichen Gesundheitssystem übernommen werden. Ab Juli konnte er wegen einer Lähmung der linken Hand nicht mehr Klavier oder Gitarre spielen. Dennoch erklärte er: „Ich werde auf jedem möglichen Wege kämpfen, ich werde bis zum Ende hartnäckig sein.“

Staatspräsident Jizchak Herzog würdigte den Verstorbenen als „einen der größten israelischen Komponisten unserer Generation“. Caspi hinterlasse „seine Meisterwerke, mit den Melodien, die wundervolle Texte geschmückt und ihnen ewiges Leben gegeben haben, mit den Kompositionen, die die israelische Musik über Jahrzehnte geformt haben, mit den Arrangements, in denen seine einzigartige Note so offensichtlich war“. Sein Beitrag für die israelische Musik und für die Leben der Israelis werde die kulturelle Welt über Generationen hinweg begleiten. (eh)

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