Das Österreichische Pilger-Hospiz in Jerusalem ist das älteste christliche Gästehaus in der Heiligen Stadt. Es schafft Arbeitsplätze, kümmert sich um soziale Anliegen und legt ein besonderes Augenmerk auf den interkulturellen und interreligiösen Dialog. Jungen österreichischen Männern bietet es die Möglichkeit, ihren Zivildienst im Haus zu absolvieren.
Das Hospiz wurde 1854 als kirchliche Stiftung durch den damaligen Erzbischof von Wien und Franz Joseph gegründet. 1869 besuchte der österreichische Kaiser während einer Reise in das Heilige Land das Hospiz. Aktuell ist der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn dafür verantwortlich, Georg Habsburg-Lothringen ist der Vorsitzende des Freundeskreises, der Österreichischen Gesellschaft vom Heiligen Land. Man pflegt Traditionen, auch im 21. Jahrhundert. Die Geschichte des Österreichischen Hospizes spiegelt die bewegte Geschichte der Region und auch die Konflikte des Nahen Ostens wider.
In Österreich gilt die allgemeine Wehrpflicht für männliche Staatsbürger ab dem vollendeten 17. Lebensjahr. Österreichische Staatsbürgerinnen können freiwillig Dienst als Soldatinnen leisten. Jeder wehrdienstpflichtige österreichische Staatsbürger hat das Recht, Zivildienst als Ersatz zum Wehrdienst zu leisten.
Im Österreichischen Pilger-Hospiz besteht die Möglichkeit, der Wehrpflicht als Freiwilligendienst nachzukommen. Der zustände Trägerverein ist die Caritas Vorarlberg. Kandidaten werden im Vorfeld zu Auswahlgesprächen während eines Österreich-Aufenthaltes des Rektors eingeladen. Vor Dienstantritt in Jerusalem ist ein Vorbereitungsseminar in Österreich obligatorisch, während der Dienstzeit vor Ort sind pädagogische Begleitmaßnahmen vorgesehen. Nach der Rückkehr der Zivildienstleistenden nach Österreich müssen die jungen Männer ein Nachbereitungsseminar absolvieren.
Das Österreichische Hopiz ist bekannt und beliebt für eine Vielzahl von Aktivitäten und Veranstaltungen, die im Rahmen der „Akademie Österreichisches Hospiz Jerusalem“ durchgeführt werden; diese sind stets gut besucht. Einen besonderen Schwerpunkt setzt die Akademie auf Musikpädagogik. In Kooperation mit lokalen Musikschulen und einer Wiener Künstleragentur lädt das Hospiz renommierte Musiker und Musikerinnen zum Unterrichten ein. Talentierte Schüler und Schülerinnen aus prekären Verhältnissen werden durch die Akademie gefördert.
Zur wissenschaftlichen Arbeit des Hauses gehört die Aufarbeitung und Publikation der eigenen Geschichte. Symposien mit internationalen und österreichischen Experten widmen sich darüber hinaus dem Nahostkonflikt, seiner Entstehung und möglichen Lösungen. In besonderer Verantwortung sieht sich die österreichische Institution als kirchliche Einrichtung den Themen Holocaust und Antisemitismus verpflichtet. Sie führt seit 1856 ein Gästehaus, um einen christlichen Auftrag zu erfüllen: Pilger geistlich zu begleiten, das Land wissenschaftlich zu erkunden, für die Menschen des Landes da zu sein.
Der Sozialfonds Österreichisches Hospiz wird zum Teil aus den Gästehauseinnahmen und durch den Cafeteria-Betrieb gespeist. Dem Haus liegt die Unterstützung der katholischen Pfarre in Gaza besonders am Herzen. Vize-Rektor Georg Gatt, er stammte aus Südtirol, hat diese Gemeinde 1879 ins Leben gerufen. Ob im Dienst an der Rezeption, im Gästehaus, in der Cafeteria mit Wiener Kaffeehaus-Charme oder während der vielfältigen Aktivitäten und Veranstaltungen: Das Österreichische Hospiz bietet Zivildienstleistenden während ihres einjährigen Aufenthaltes im Haus Gelegenheiten, Kontakte zu Einheimischen zu knüpfen, viel über Land und Leute aus erster Hand zu erfahren sowie Menschen und Pilgern aus aller Welt zu begegnen.
Stephan und Elija gehören zu den Glücklichen, beide haben das anspruchsvolle Auswahlverfahren bestanden und leisten ihren Zivildienst im Österreichischen Hospiz. Ein Gespräch über ihre Motivation sich für Israel zu entscheiden, Eindrücke und Erfahrungen.
Für unser Gespräch setzen wir uns an einen Tisch, geschmückt mit armenischen Fliesen, im Garten des Hospizes, eine wohltuende Oase in der geschäftigen Jerusalemer Altstadt unweit vom Damaskustor und in Nachbarschaft der 4. Station an der Via Dolorosa. Der Eingang zu einem kleinen Oratorium erinnert an den Ort, an dem Maria ihrem Sohn Jesus begegnete und ihren Kummer in heftigen Schmerzensausbrüchen zum Ausdruck brachte.
Elija, 20 Jahre alt, stammt aus Vorarlberg, einem Bundesland im Westen der Republik Österreich, auch Ländle genannt. Seit dem 4. August 2025 leistet er seinen Zivildienst im Österreichischen Hospiz: „Wer Vorarlberg kennt, weiß, dass es ein sehr abgelegener Ort ist. Ich wollte einfach mal raus in die Welt. Was mich nach Jerusalem geführt hat, hat viele Gründe. Zum einen wollte ich vor zwei Jahren mit meiner Familie Urlaub in Israel machen, das hat leider nicht geklappt, denn zwei Wochen vor geplantem Antritt unserer Reise verübte die Hamas am 7. Oktober 2023 ihren brutalen Terroranschlag.
Kurze Zeit später bin ich auf einer Messe mit Informationen für Schulen und Zivildienstleistende einer Beraterin der Caritas begegnet, sie hat mich darauf hingewiesen, dass ich meinen Zivildienst hier, in Jerusalem im Österreichischen Hospiz, leisten könnte. Dieses Gespräch ist mir die nächsten zwei Jahre nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Und da ich ja in die Welt hinausgegen wollte, habe ich mir gedacht: was gibt es einen besseren Ort dafür, als Jerusalem, mit Zuwanderern aus aller Welt und vielen Religionen, und all dies auf kleinen Raum?“
Welche zwischenmenschlichen Erfahrungen hast du in den letzten Monaten gemacht?
„Hier im Österreichischen Hospiz mache ich so viele Beobachtungen und habe spannende Begegnungen mit Pilgern und Touristen sowie Prominenten – unter ihnen Ski-Weltmeister, Politiker, Diplomaten, auch der Bürgermeister von Singapur war kürzlich bei uns im Haus –, dass ich begonnen habe, Tagebuch zu schreiben. Keine zwei Leute haben hier dieselben Ansichten über Politik und Religion, was es sehr spannend macht.
Wir arbeiten im Hospiz in der Cafeteria, die Menschen kommen somit zu uns, wir müssen nicht auf sie zugehen. Ich nutze jede Chance, um mit Menschen und unseren Gästen ins Gespräch zu kommen. An der Klagemauer bin ich kürzlich mit einem freikirchlichen US-amerikanischen Prediger in ein langes Gespräch gekommen. Es war spannend, seine Ansichten zu hören, auch wenn ich als Katholik meine Vorbehalte habe, Österreich ist nicht evangelisch, das freikirchliche Umfeld sehr neu für mich. Ich versuche, solche Begegnungen zu nutzen, um meinen Horizont zu erweitern.“
„Strahlkraft auf monotheistische Religionen“
Mit uns am Tisch sitzt Stephan. Der 22-jährige stammt aus dem oberösterreichischen Steyr, er fügt an:
„Dieses Hospiz zeichnet sich dadurch aus, dass Menschen aus aller Welt zu uns kommen, auch erfolgreiche Unternehmer, die alles verkauft haben und nun auf der Sinnsuche sind. Im starken Kontrast dazu stehen Menschen, die teilweise ihr ganzes Leben darauf sparen müssen, nach Jerusalem kommen zu können, sich teilweise sogar verschulden, dass sie eine Pilgerreise hierher machen können, auch Menschen aus dem globalen Süden. Hier spürt man, welche enorme Strahlkraft Jerusalem auf die drei monotheistischen Weltreligionen hat, und dies auch innerhalb der christlichen Konfessionen.
Da kommt man mal aus seiner katholischen Bubble raus, kommt in Berührung mit dem orthodoxen Christentum, mit dem armenischen Zugang zum Christentum, den Äthiopiern und vielen anderen. Und alle kommen hierher, trinken einen Kaffee, legen teils auch ihre Titel, die sie im Alltag oder in ihrem Amt führen, ab und somit ihren jeweiligen hohen gesellschaftlichen Status.
Sie alle kommen hier diese Stiegen herauf und kommen als Suchende, als Pilger. Wir Katholiken hatten jetzt das ‚Jahr der Hoffnung‘ (Anmerkung der Redaktion: Die Pforte wurde am 6. Januar 2026 geschlossen), und das ist das Wunderbare, man begegnet sich nicht hierarchisch, sondern als Mitmenschen. Es war deutlich weniger los als in den letzten Jahren aufgrund des Krieges; das Positive ist, der Inlandstourismus hat zugenommen, sehr viele Israelis sind aus allen Landesteilen im Rahmen von Tagesausflügen zu uns gekommen. Wir hatten wunderbare Gespräche mit unseren israelischen Gästen und neue Einblicke gewonnen.“
Schnell mit Menschen in Kontakt
Elija: „Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Wir kommen hier im Hospiz, im Gym, in den Straßen schnell mit Menschen, ob jüdische Israelis, Araber, Palästinenser, unkompliziert in Kontakt und haben auch Freundschaften geschlossen. Wir haben auch die jeweiligen Feste anderer Religionen gefeiert. Ich war zu privaten jüdischen Chanukka-Feiern und Jom Kippur eingeladen, eine tolle Erfahrung, zu erleben, wie die Juden ihre Feste begehen. Auch die arabische Sicht der Dinge bekommen wir hier sehr stark zu spüren, zwei sehr unterschiedliche Narrative. Allein über Medien ist es schwierig, sich ein Bild über ein Land zu machen. Ist man vor Ort und bekommt zusätzliche Einblicke, hilft es, sich eine differenziertere Meinung zu bilden.“
Stephan: „Wir bekommen konkrete Gesichter zu all den Geschichten. Das jüdische Leben findet in gewissen Räumen statt, so auch das arabische – beide überschneiden sich selten, seit dem 7. Oktober 2023 noch weniger. Gibt es Überschneidungen, dann überwiegend in öffentlichen Institutionen, wie etwa in Krankenhäusern. Dieser Ort, das Hospiz, ist ein Ort, an dem österreichische Kulinarik, wie etwa der Apfelstrudel, alle zusammenbringt und friedlich stundenlang zusammensitzen, wenngleich auch an getrennten Tischen, aber mitunter auch bunt zusammengewürfelt an einem Tisch. Das zu sehen, gibt auch sehr viel Hoffnung!“
Elija:„Ich freue mich auf die kommenden Monate, in denen ich noch wesentlich tiefer eintauchen kann. Was ich für mich jetzt schon mitgenommen habe, ist, dass gerade in Europa, der Welt, aus der ich komme, der Konflikt sehr in Schwarz und Weiß dargestellt wird. Als ich hier ankam und meine ersten persönlichen Erfahrungen machen durfte, habe ich sehr schnell gemerkt, dass das keinen Sinn macht. Man kann nicht dieses Land, die Menschen und die Religionen in Schwarz und Weiß, nicht in Gut und Böse, oder falsch und richtig einteilen.
Es gibt so viele verschiedene Meinungen, so viele Sichtweisen und politische Ansichten und so viele religiöse Haltungen, dass man einfach sagen muss, wir sehen diesen Konflikt viel zu einfach und zu isoliert. Wir hatten die Chance, die vom Hamas-Massaker betroffenen Kibbuzim in der Nähe zum Gazastreifen zu besuchen, und konnten mit den Menschen sprechen. Auch Gespräche mit unseren palästinensischen Mitarbeitern gab es, und so bildet man sich selbst eine sehr differenzierte Meinung über das Land und den Konflikt.“
Wirkt sich der lange Aufenthalt mit intensiven Erfahrungen und Begegnungen auf euren Glauben aus?
Elija: „Grundsätzlich: Ich bin Christ, und habe hier in Jerusalem eine sehr spannende Rolle, nämlich die Rolle, eine Minderheit zu sein. Wir sind in Israel 1,5 Prozent Christen, somit war es für mich eine völlig neue Erfahrung. Gleichzeitig hat man hier auch eine sehr interessante Rolle, weil man bei dem Konflikt Juden-Moslems außen vor ist. Wir Christen sind die vergangenen 200 Jahre sehr friedlich in diesem Land gewesen, deswegen haben wir bei den Soldaten und Soldatinnen an Checkpoints immer eine offene Tür.
In der Westbank spürt man, wie angespannt die Soldaten sind. Am Checkpoint sind es immer zwei Fragen: Woher kommst du und was ist deine Religion? Man spürt deutlich, wie ihre Anspannung abfällt, wenn ich sage, dass ich Christ bin. So gesehen hat Christsein hier persönliche Vorteile, auch wenn es für meinen persönlichen Glauben momentan doch eher schwierig ist.
Ich bin nicht in erster Linie wegen meines Glaubens hier, sondern wegen meiner Reiselust, aber mein Glaube hat eine entscheidende Rolle dafür gespielt, dass ich Israel gewählt habe. Ich hatte erwartet, dass ich hier neue Glaubenserfahrungen machen werde, dadurch dass Jerusalem für alle Religionen eine signifikante Rolle spielt. Da wir hier in der Altstadt auch die Hardliner, die Extremisten erleben, schreckt mich Religion mitunter auch ab. Ich sehe und erlebe hier, wohin es führen kann, an welche gesellschaftlichen Abgründe, was sehr bedauerlich ist.“
Sehnsucht nach Israel
Stephan: „Bei mir ist sicher auch der christliche Hintergrund, die christliche Erziehung, ein Grund, meine Sehnsucht, mal Israel und die heiligen Stätten zu sehen. Aber irgendwie hat es nie gepasst, wir waren viel in Europa auf Reisen. Ich habe in St. Gallen in der Schweiz Internationale Beziehungen studiert, es ist eine sehr behütete Stadt, ein ‚Bubble‘, denn die Probleme der Welt sind außen vor. Da ist es dann natürlich einfach, über die Probleme der Welt und den Nahost-Konflikt zu sprechen, alles sehr theoretisch. Man versucht, Konflikte in vorgegebene Frameworks reinzupressen, um sie zu erklären, und genau das war mir zu wenig.
Daraus resultierte meine Überlegung, ob ich ein Auslandssemester im Rahmen meines Studiums absolvieren sollte. Ich bin aber zu der Einsicht gelangt, dass ich dann wieder nicht rauskomme aus diesem theoretischen Denken. Da der Militärdienst noch anstand, habe ich mir gedacht: Wieso kann man nicht das eine mit dem anderen kombinieren? Dann kam innerhalb meiner Familie zur Sprache, dass meine Eltern vor einigen Jahren in Israel anlässlich einer Hochzeit von jüdischen Freunden waren.
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Bei einem Bummel durch die Jerusalemer Altstadt standen sie plötzlich vor diesen Stiegen und rätselten, was das hier ist. Sie stiegen die Treppenstufen hoch, um das Österreichische Hospiz zu erkunden. Daran haben sich meine Eltern erinnert und mich gefragt, ob ich mich nicht für den Zivildienst im Österreichischen Hospiz bewerben möchte.
Primär bin ich wegen meines universitären Hintergrundes hier, bin aber aus theologischen Beweggründen geblieben. Zum einen konnte ich nun die heiligen Stätten besuchen und den Menschen begegnen, mit unterschiedlichen Lebenswegen, aber meist mit ähnlichen Fragen, die sie beschäftigen und hierherführen. Ich sage immer: Zu uns ins Café kommen die Menschen, um sich die großen Fragen des Lebens zu stellen, und dann fahren sie eine halbe Stunde mit dem Zug von Jerusalem nach Tel Aviv, wo ‚Laissez Faire‘ gelebt wird. Und diese Kontraste im selben Land sind so faszinierend.“
Stephan, du bist seit bereits einem guten Jahr in Jerusalem, Ende Januar hast du deine Zivildienstzeit erfüllt. Wie hast du den Krieg erlebt?
Stephan: „Es war sicher ein Unwohlgefühl, wenn man zum ersten Mal in seinem Leben Sirenen wegen Luftalarm hört, wenn man weiß, das ist kein Test, sondern jetzt ist eine Rakete im Anflug. Der 12-Tage-Krieg mit Iran hat das natürlich getoppt. Abgesehen davon war ich sehr überrascht, die Jerusalemer Altstadt war immer ein Ort, an dem ich mich wohl gefühlt habe. Einige unserer Gäste haben erzählt, dass sie sich bei Nachbarn und Freunden rechtfertigen mussten, dass sie nach Israel reisen.
Wenn ich nach Österreich zurückkehre, nehme ich Folgendes mit: Wenn man den Konflikt in seiner gesamten Komplexität überhaupt verstehen kann und mitreden möchte, oder auch generell über Israel redet, sollte man hierher kommen, das Land bereisen und auf die Menschen treffen, bevor man sich am Stammtisch unterhält. Erst wenn man hier war, eröffnen sich weitere Blickwinkel. Ich werde auf jeden Fall bald wieder zurückkommen.“
Habt ihr während eures Dienstes im Café Spannungen oder Konfliktsituationen unter den Gästen erlebt?
Stephan: „Die einzigen Konflikte, die ich hier in unserem Café erlebt habe, waren, wenn die Warteschlange am Tresen zur Bestellung sehr lang war, wenn Gäste etwas länger auf den köstlichen Apfelstrudel und ihren Kaffee warten mussten, und manche versuchten sich vorzudrängeln.“
Elija lacht zustimmend und erzählt: „Es ist hier die beste Zeit meines Lebens, die menschliche und landschaftliche Vielfalt des Landes sind beeindruckend. Wir haben uns hier auch mit deutschen Volontären, zum Beispiel von Aktion Sühnezeichen, angefreundet, mit denen wir gemeinsame Ausflüge unternehmen und auch feiern gehen.“
Habt ihr – außer Jerusalem – weitere Lieblingsorte in Israel?
Stephan: Israel hat wunderschöne Nationalparks, mein Favorit ist der Arbel-Nationalpark mit dem wunderschönen Blick auf den See Genezareth, wo man denkt: Wow, wenn man dem Glauben schenken darf, was wir tun als Christen, ist dies der Ort, an dem Jesus die ersten Jünger gerufen hat. Rom wäre nicht vorstellbar, wenn nicht die ersten Berufungen hier stattgefunden hätten, von Petrus, einem einfachen Fischer.
Das gibt einem, wenn man dort oben steht, immer wieder eine Gänsehaut. Und vor allem: Der See hat sich nicht verändert, vieles wurde hier über die Zeit gebaut, zerstört und wieder aufgebaut, aber der See ist derselbe, eine Konstante. Und wenn man sieht, dass auch der Arbel-Berg damals schon existierte und auch noch in 2.000 Jahren hier sein wird, ist es mein Lieblingsort in Israel.“
Westlich des Sees Genezareth befindet sich der Arbel-Nationalpark. Die Arbelklippe bietet einen weiten Ausblick bis hin zum Karmelgebirge, dem Libanon, den Golanhöhen und dem Berg Hermon. Das Wort Arbel ist hebräischen Ursprungs und wird in seiner Bedeutung unterschiedlich interpretiert: „Gott ist mein Licht“, „Gott ist mächtig“ oder „Stärke Gottes“. Der Name könnte sich auch von „ari“, hebräisch für Löwe und „el“, hebräisch für G‘tt, ableiten. Weitere Namens-Interpretationen sind: „Kraut“ oder „aus dem Kräutergarten“. In manchen Kontexten wird Arbel auch mit der hebräischen Wurzel für „auflauern“ im Sinne von „Hinterhalt“ in Verbindung gebracht.
Im Jahr 161 vor der Zeitrechnung fand in Arbela eine Schlacht zwischen den Anhängern der Makkabäer und dem Seleukiden-General Bacchides statt, der seine Gegner besiegte und tötete (1. Makkabäer 9,2). Josephus berichtet in seinen Antiquitates Judaicae, dass der griechische Feldherr viele Menschen gefangen nahm, die in den Höhlen von Arbela Zuflucht gesucht hatten.
Gemäß der christlichen Tradition ist die Arbelklippe der Ort, an dem Christus den Missionsauftrag gab, in die ganze Welt zu gehen und das Evangelium zu verkünden. Viele Theologen glauben, dass dies der authentische Ort ist, da die Klippe die höchste Erhebung der Gegend ist und einen Blick auf den See Genezareth und weit darüber hinaus bietet.
In den Ruinen des antiken Arbel entdeckten Archäologen die Überreste einer Synagoge aus dem 4. Jahrhundert nach der Zeitrechnung, die im 8. Jahrhundert zerstört wurde. Die Synagoge wurde aus großen Kalksteinquadern errichtet, wodurch sie sich von den in der Umgebung üblicherweise verwendeten Basaltfelsen zum Bau von Häusern abhebt.
Elija stimmt Stephan zu:„Der See Genezareth ist auch einer meiner Lieblingsorte. Aber das Coole an diesem Land ist ja, man fährt eine halbe Stunde und ist dann in einer völlig anderen Landschaft, und wenn man eine Stunde fährt, ist man in Masada und der Ort flasht einen jedes Mal wieder aufs Neue.“
Die Felsenfestung Masada am Toten Meer ist eines der gigantischen Bauwerke von Herodes dem Großen und sollte dem bei den Juden unbeliebten König als Zufluchtsort vor seinen jüdischen Feinden dienen. Das Ende Masadas als Festung zeichnet sich durch ein tragisches Ereignis aus: Im Jahr 66 nach der Zeitrechnung – der jüdische Aufstand gegen die Römer war voll entbrannt – übernahmen und verschanzten sich jüdische Rebellen unter der Führung von Eleasar Ben Jair in der Festung.
Sechs Jahre harrten sie aus, doch das römische Heer gab keine Ruhe. Im Jahr 72, zwei Jahre nach dem Fall Jerusalems, ließ der römische Statthalter Flavius die Zehnte Legion gegen die jüdischen Rebellen aufmarschieren. Nach einer achtmonatigen Belagerungszeit, in der die Römer einen 4,5 Kilometer langen Außenwall mit acht Militärlagern und eine Rampe von Landesseite errichtet hatten, waren die Voraussetzungen für eine Eroberung geschaffen.
In dieser ausweglosen Lage, am ersten Tag von Pessach, beschlossen die jüdischen Widerständler den kollektiven Freitod, um nicht in die Hände des Feindes zu fallen. Alles wurde verbrannt, bis auf die Lebensmittel, denn dies sollte der Nachwelt dokumentieren, dass sie nicht verhungert waren. Laut Überlieferung des jüdischen Geschichtsschreibers Josephus Flavius überlebten zwei Frauen und fünf Kinde. Sie sollen sich in einer unterirdischen Wasserleitung versteckt haben.
Stephan: „Ich fühle mich so wohl hier in diesem Land, ich habe in Israel ein zweites Zuhause gefunden. Wir sind Zivildienstleistende aus unterschiedlichen Regionen Österreichs, die sich alle untereinander vorher nicht kannten und hier in der Jerusalemer Altstadt ins kalte Wasser geworfen werden. Das schweißt ungemein zusammen. Wir werden mit diesem Haus, dem Österreichischen Hospiz und auch untereinander hoffentlich lebenslang verbunden bleiben. Dafür bin ich sehr dankbar. Mein persönlicher Appell an alle: Überlegt nicht zu sehr, kommt einfach her!“
Besucher und Pilger strömen an diesem Vormittag in das Österreichische Hospiz und wollen sich bei Kaffee und Apfelstrudel stärken. Der arabische Kollege bittet um Unterstützung, um dem Ansturm im Café meistern zu können. Elija und Stephan haben Land und Leute gepackt. Elija verabschiedet sich mit den Worten: „Man ist hier nie wirklich fertig“.
Sie werden wiederkommen.
2 Antworten
Stephan: Israel hat wunderschöne Nationalparks. Ernesto, unser Gärtner, will unbedingt hin.
Stephan und Elija haben sich goldrichtig entschieden mit dem Zivildienst im Österreichischen Hospiz. Die Erfahrungen, Begegnungen und Aktivitäten werden sie ein Leben lang begleiten. Die Möglichkeit Zivildienst zu leisten und gleichzeitig aus erster Hand Land und Leute kennenzulernen ist phantastisch.
Ich habe dort ein vorzügliches Wiener Schnitzel gegessen und mich auch mit damaligen Mitarbeitern unterhalten. Ein lauschiges grünes Fleckchen mitten in Jerusalem, eine Oase, man kann dort auch prima übernachten. Aber Vorsicht, der Mudschahedin unweit entfernt, ist zu jeder Zeit parat, die Ohren zu beschallen.
Und weil es stimmt, dass man durch die Medien nicht richtig informiert wird, bin ich froh Kontakte zu haben, zu Menschen, die dort leben: Johannes Gerloff, Jürgen Schmid, Doron Schneider, Arye Sharuz Shalicar und persönliche Freunde.
See Genezareth und Massada erwecken Sehnsucht!