Zeitzeugen gedenken an Irrfahrt der „Exodus“

Der Umgang der Briten mit den jüdischen Flüchtlingen auf dem Schiff „Exodus“ löste vor 70 Jahren weltweit Empörung aus. Die Hafenstadt Sète hat am Wochenende an die Irrfahrt des Flüchtlingsschiffes erinnert.
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Die „Exodus“ brannte 1952 im Hafen von Haifa nach einem Unfall aus, der Schiffsrumpf wurde daraufhin versenkt

Foto: COHEN FRITZ, Wikipedia

Die „Exodus“ brannte 1952 im Hafen von Haifa nach einem Unfall aus, der Schiffsrumpf wurde daraufhin versenkt

SÈTE (inn) – Die Stadt Sète hat am Sonntag an die Irrfahrt der „Exodus“ erinnert. Vor 70 Jahren war das jüdische Flüchtlingsschiff von dem südfranzösischen Hafen in Richtung britisches Mandatsgebiet Palästina aufgebrochen.

„Wir haben festgestellt, dass die Hälfte der Menschen in Sète und der Umgebung nichts über dieses Ereignis weiß, das bedeutenden Einfluss auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts hat“, sagte der Co-Präsident des „Exodus-Komitees“, Freddy Dran, in seiner Rede bei der Zeremonie. Das Gedenken an die Geschichte der „Exodus“ soll daher auch als eine Art Bildungsprojekt für die jüngere Generation angesehen werden. Dran wies darauf hin, dass es bald keine Überlebenden dieser Schiffsfahrt mehr geben werde.

Bei der Zeremonie waren mehrere Zeitzeugen anwesend. Sie berichteten von ihrer Erinnerung. Unter ihnen war auch Jossi Bajor. Er war 15 Jahre alt, als er mit der „Exodus“ aufbrach.

Hintergrund

Die „Exodus“ verließ in der Nacht zum 11. Juli 1947 den Hafen von Sète in Richtung des damals von den Briten kontrollierten Mandatsgebietes Palästina. An Bord waren mehr als 4.500 Passagiere, überwiegend Holocaust-Überlebende. Die Briten versuchten, das Schiff zu entern. Sie stießen zunächst auf Widerstand, bis die Briten anfingen, von Schusswaffen Gebrauch zu machen. Unter Begleitung der Briten lief die „Exodus“ schließlich in Haifa ein.

Die „Exodus“ blieb in Haifa, die Passagiere kamen auf drei anderen Schiffen erst nach Frankreich und dann nach Deutschland. Dort wurden die Menschen in Lagern interniert. Es kam zu einer weltweiten Empörung über das Vorgehen der Briten. Die jüdische Einwanderung in das Mandatsgebiet ging jedoch weiter, wobei tausende Einwanderer von den Briten gefangen und in Auffanglager nach Zypern geschickt wurden. Erst nach der Gründung des Staates Israel im Mai 1948 konnten am Ende alle nach Deutschland oder Zypern verschleppten Juden nach Israel einwandern.

Die Irrfahrt der „Exodus“ inspirierte den amerikanischen Schriftsteller Leon Uris zu seinem gleichnamigen Doku-Roman. Dieser wurde 1960 von Otto Preminger verfilmt, mit Paul Newman in der Hauptrolle.

Von: dn

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