„Zehn Probleme, die Europa mit Israel hat“

BERLIN (inn) – Der Direktor des "Amerikanisch Jüdischen Komitees", David Harris, hat in der Tageszeitung "Der Tagesspiegel" zehn Gründe aufgelistet, warum "Israel den Europäern auf die Nerven geht". So nennt er neben Postnationalismus und Antiamerikanismus auch die Medien, Säkularismus und den Holocaust als Ursachen für die ablehnende Haltung.

„Das problematische Image Israels unter Europäern zu bekämpfen“, sei eine Herausforderung, schreibt David Harris im „Tagesspiegel“. „Europa ist entscheidend für Israels Zukunft, und ich möchte gerne glauben, dass Israel genauso wichtig für Europa ist.“

Der Direktor des „Amerikanisch Jüdischen Komitees“, das sich für den Schutz des Judentums und gegen Antisemitismus einsetzt, nennt als einen der möglichen Gründe der negativen Einstellung gegenüber Israel den „Antiamerikanismus“. „In der öffentlichen Meinung lautet die gängige Logik: Wir mögen Amerika (oder George Bush) nicht. Amerika unterstützt Israel. Daher mögen wir Israel nicht.“

Auch Unterschiede in der Beziehung zwischen Staat und Religion belasteten das Bild Israels. Europa befinde sich in einer postreligiösen Ära, in der Religion nicht mehr die öffentliche Sphäre beherrsche. „Mit seinem Selbstbild als jüdischer Staat wird Israel als veraltet angesehen“, beschreibt Harris die Situation.

Die ablehnende Haltung gegenüber dem israelischen Staat begründeten viele Europäer mit Ereignissen der Vergangenheit. Um der „unerträglichen Last“ zu entkommen, ordneten einige Europäer Israel Attribute des „Dritten Reiches“ zu. „Ganz gleich, wie absurd der Gedanke scheint. So wird argumentiert, dass Juden in Machtpositionen „nicht besser“ seien als Nazis und ihnen daher moralische Forderungen gegenüber Europa nicht unbegrenzt zustünden“, so Harris.

„Israel ist nicht Skandinavien“

Zudem kritisierten viele Europäer auch Israels Verhalten gegenüber den Menschenrechten. Israel hat das seit 1945 bestehende Völkerrecht bisher noch nicht anerkannt, schreibt der Direktor des Komitees. „Leichter gesagt als getan im Nahen Osten, wo Israels Überleben in der Schwebe ist und es keine einfache Bekämpfung eines Feindes gibt, der sich hinter Zivilisten versteckt und Selbstmordattentate nutzt.“

Die Europäer stellten zudem oft die Anwendung der „Hard Power“ in Frage. Aufgrund der „kriegerischen Geschichte“ habe Europa seit dem Jahr 1945 den Dialog zur Lösung von Konflikten („Soft Power“) bevorzugt. „Das Problem ist, dass Israel nicht zwischen Schweden und Finnland, sondern zwischen Syrien und dem hamasdominierten Gazastreifen liegt“, sagte Harris.

Auch die Medien seien an der ablehnenden Haltung gegenüber Israel nicht ganz unschuldig. „Man muss nicht paranoid sein, um die fehlende Objektivität in der Berichterstattung zu arabisch-israelischen Themen zu erkennen.“ Harris verweist auf die „unwahren Beschuldigungen über israelisches Verhalten im angeblichen Massaker von Dschenin“, die durch die Medien „verbreitet wurden“.

Das „Amerikanisch Jüdische Komitee“ wurde im Jahr 1906 von einer kleinen Gruppe amerikanischer Juden gegründet. Bis heute bemüht es sich, pluralistische und demokratische Gesellschaften zu fördern, in denen Minderheiten nicht benachteiligt werden. Dabei berücksichtigen sie fünf Punkte: Sie wollen das „jüdische Leben“ stärken, den Pluralismus und demokratische Werte fördern, den Antisemitismus bekämpfen, sowie Israels Bestreben nach Frieden unterstützen und sich für die ökonomische Unabhängigkeit einsetzen.

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