Wolffsohn plädiert im „Focus“ für jordanisch-palästinensische Republik

MÜNCHEN (inn) - Jordanien sollte mit den Palästinensergebieten eine "Bundesrepublik" bilden und dadurch den Nahostkonflikt lösen. Diese Ansicht vertritt der Münchner Historiker Michael Wolffsohn in einem Beitrag im aktuellen "Focus".

"Historisch und vom Völkerbund rechtlich fixiert, war ‚Jordanien‘ seit 1920/22 ohnehin ‚Palästina’", schreibt Wolffsohn unter der Überschrift "Jordanien soll Palästina werden". "1948 wurde es ‚Transjordanien‘ einverleibt, und 1967 hat König Hussein das Westjordanland gern an Israel verloren. Noch mehr Palästinenser wollte er in seinem künstlichen Staat ohnehin nicht." Demographisch sei auch das heutige Rest-Jordanien "Palästina" – denn rund zwei Drittel der Staatsbürger seien Palästinenser, darunter auch die Königin. Durch eine Republik "wüchse also zusammen, was zusammengehört".

Der Professor für Neuere Geschichte weist darauf hin, dass die innerjordanische Opposition vor allem von mittelständischen, palästinensischen Jordaniern getragen werde. Der König allein könne das Land vor einem Bürgerkrieg zwischen retten, indem er echte Demokratie zulasse. Doch dazu gehöre auch eine palästinensische Selbstbestimmung. "Erstmals hätten dann die Palästinenser ihren Staat." Für "Jordanien-Palästina" schlägt Wolffsohn eine "Bundesrepublik" mit dem Bundesland "Westjordanien" (Westbank) und gegebenenfalls auch dem Gazastreifen vor. Das Parlament werde dann von allen Palästinensern dieser drei Bundesländer gewählt, und es bestimme wiederum die Regierung.

"Denkbar wäre auch die Erweiterung zu einem Staatenbund ‚Palästina-Jordanien-Israel‘. Die Araber Israels, bekanntlich Palästinenser, bekämen entweder das aktive und passive Wahlrecht für das israelische oder palästinensisch-jordanische Parlament", so der Historiker weiter. Die israelischen Siedler blieben Bürger der neuen Republik und würden "als Juden den staatlichen Alltag gerade so stören wie die Juden der USA, nämlich gar nicht".

Wolffsohn kommt zu dem Schluss: "Die demonstrierenden Massen Arabiens haben der Welt gezeigt: Nicht der Kampf gegen Israel ist ihr Hauptanliegen. Sie wollen leben können, wie sie wollen, und sie wollen besser leben." Er äußert die Hoffnung, dass die Araber mittlerweile erkannt haben: "Ihr besseres Leben ist nicht von Israel verhindert worden, sondern von ihren eigenen Landsleuten, von ‚ihren‘ Diktatoren."

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