Wohnen und wohnen lassen

RAMALLAH (inn) – Palästinenser wollen nicht, dass Juden im Westjordanland über „Airbnb“ Zimmer anbieten. Dies verfestige „israelischen Kolonialismus“. Juden sehen in den Angeboten keinen Fehler.
Billige Bleibe: Häuschen wie diese in Siedlungen sind via „Airbnb“ für etwa 60 Euro zu haben

Foto: Airbnb

Billige Bleibe: Häuschen wie diese in Siedlungen sind via „Airbnb“ für etwa 60 Euro zu haben
Sie wollen inmitten der Wüste wohnen, am Toten Meer, oder nahe biblischer Stätten: Viele Touristen finden im Westjordanland Unterkunft bei Privatleuten. Über die Internetplattform „Airbnb“ ist es problemlos möglich, eine Bleibe auszuwählen. Für Anwohner ist das ein gutes Geschäft; für Touristen ein Schnäppchen; Palästinensern ist es ein Dorn im Auge. Denn auch wer bei „Airbnb“ unter dem Begriff „Israel“ sucht, findet Angebote in israelischen Siedlungen. Vergangene Woche hat sich der Generalsekretär der „Palästinensischen Befreiungsorganisation“ (PLO) Saeb Erekat deswegen brieflich beschwert; er wandte sich dazu an Brian Chesky, den amerikanisch-jüdischen Milliardär und Mitbegründer von „Airbnb“. Erekat warf Chesky vor, „israelischen Kolonialismus in Palästina“ zu verfestigen. Der Fatah-Politiker forderte Chesky laut der Zeitung „Jerusalem Post“ auf, die Angebote im Westjordanland „sofort“ zu löschen. Die Weltgemeinschaft sehe die Siedlungen als illegal an. „Airbnb“ habe die juristische und moralische Verantwortung, für glaubhafte und legale Angebote zu sorgen.

Austausch im Vorfeld möglich

„Airbnb“ sagte gegenüber der „Jerusalem Post“, das Unternehmen beachte Gesetze und Regularien. Zudem halte es die Gäste dazu an, sich vor dem Aufenthalt mit ihren möglichen Gastgebern auszutauschen. Das Unternehmen verfolge jeden Fall von Diskriminierung, den Nutzer melden. Unterdessen werben Juden auf „Airbnb“ weiter mit den Vorzügen der Region – und mit den Preisen. Ein Häuschen am Fuße des Berges der Versuchung ist schon für 61 Euro pro Tag zu haben. Schalom Tal, der in der Siedlung Kfar Adumim zwei Zimmer anbietet, betont, er öffne jedem Tür; bei ihm hätten schon Christen, Juden und Muslime gewohnt. Die Sprecherin des Siedlungsrates Binjamin, Miri Ma’os-Ovadia, betonte, Plattformen wie „Airbnb“ sollten nicht politisch werden. „Wenn sie damit anfangen, hat das kein Ende.“ Dass „Airbnb“ unter „Israel“ auch Angebote in Siedlungen listet, hält sie für richtig. „Das ist das Land Israel. Man kann nicht den Fakt ändern, dass hier jüdische Geschichte passierte. Deswegen kommen die Leute hierher.“ (df)

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