Wiederherstellung des Status quo auf dem Tempelberg

In Jerusalem räumen israelische Polizisten eine Moschee. Diese haben Muslime im Goldenen Tor gegen die Vereinbarung zum Status quo eingerichtet. Widerstand bleibt zunächst aus.
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Das Goldene Tor rechts in der Altstadtmauer spielt in Endzeitprophetien eine wichtige Rolle

Foto: Israelnetz/Elisabeth Hausen

Das Goldene Tor rechts in der Altstadtmauer spielt in Endzeitprophetien eine wichtige Rolle

JERUSALEM (inn) – Ausgestattet mit einem Beschluss der israelischen Regierung sind am Donnerstag israelische Polizisten in das „Goldene Tor“ in Jerusalem eingedrungen. Auf Arabisch heißt es auch Gnadentor, Bab el-Rahma. Sie hätten Gebetsteppiche, Schränke mit frommen Büchern und eine hölzerne Gebetsnische beschlagnahmt und entfernt. Das Tor ist ein Gebäude mit einer Halle und Innenhöfen. Die Muslime auf dem Tempelberg haben dort vor Wochen eine Moschee eingerichtet.

Das Goldene Tor befindet sich an der östlichen Umfassungsmauer des Tempelberges, wo heute der Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee stehen. Vor 2.000 Jahren stand auf dem Tempelberg der von König Herodes ausgebaute „Salomonische Tempel“, der 1.000 Jahre zuvor über dem „Gründungsfelsen“ errichtet worden war.

Die jordanische islamische Behörde Waqf verwaltet de facto das ganze Gelände, wo die Juden ihr wichtigstes Heiligtum verorten. Muslime bezeichnen den gesamten Bezirk als „Haram a-Scherif“ (erhabenes Heiligtum). Sie betrachten das Areal als die drittheiligste Stätte des Islam nach Mekka und Medina, weil der Prophet Muhammad von dort auf dem Pferd Burak eine Nachtreise in den Himmel gestartet haben soll.

Bauliche Veränderungen nur einvernehmlich

Seit 1967 halten die Israelis den Tempelberg unter ihrer Souveränität und bestehen auf einem „Status quo“. Bauliche und andere Veränderungen dürfen nur einvernehmlich vorgenommen werden, wegen der Heiligkeit des Ortes für Judentum und Islam.

Heute gilt zum Beispiel, dass Juden und andere „Ungläubige“ den Bezirk nur in organisierten Gruppen und mit Polizeibegleitung zu festgelegten Zeiten besuchen dürfen. So ist der Berg während der muslimischen Gebetszeiten geschlossen. Ebenso ist es den nichtmuslimischen Besuchern seit einigen Jahren verboten, das Innere der beiden großen Moscheen zu betreten. Polizisten und Waqf-Wächter achten darauf, dass jüdische oder christliche Besucher ihre Lippen nicht bewegen, denn ihnen ist das Gebet an der heiligen Stätte streng verboten.

Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Zusammenstößen auf dem Berg, wobei die Araber den Juden pauschal vorwerfen, die Moscheen zerstören zu wollen, um ihren zerstörten Tempel an deren Stelle wieder zu errichten. Doch die Israelis können ihre Forderung nach einem Erhalt des heute bestehenden Status quo nicht immer durchsetzen, wenn sie nicht wieder einen umfassenden Aufstand der Palästinenser oder einen Krieg arabischer Staaten gegen Israel auslösen wollen.

Goldenes Tor bedeutsam in Endzeitprophetien

Das Goldene Tor ist Juden, Christen und Muslimen heilig. Am Ende der Tage wird sich das Tor wundersam öffnen, wenn der Messias auf einem Esel reitend und in Begleitung des Propheten Elia den Tempelberg betreten wird. So lautet die Glaubenstradition.

Das Tor ist nun schon längere Zeit abgesperrt und Muslime haben darin eine Moschee eingerichtet. Israel sieht das als Verstoß gegen die Regeln. Am Samstag überwand ein israelischer Polizist das verschlossene Gitter und fotografierte den Bezirk. Wie der israelische Rundfunk meldete, habe die Polizei nun am Donnerstag die provisorische Moschee geräumt. Bis Donnerstagmittag wurde nichts bekannt über Widerstand gegen die Räumaktion der Polizei.

Von: Ulrich W. Sahm

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