Wie heutige Politiker damals entschieden hätten

Für den einen ist der Sechs-Tage-Krieg ein Wunder, für den anderen ein Versäumnis. In einer Umfrage teilen israelische Politiker mit, wie sie vor 50 Jahren gehandelt hätten, wenn sie Premierminister gewesen wären.
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Jair Lapid ist denjenigen dankbar, die den Sechs-Tage-Krieg geführt haben

Foto: Sapir College

Jair Lapid ist denjenigen dankbar, die den Sechs-Tage-Krieg geführt haben

JERUSALEM (inn) – Vor 50 Jahren brachte der Sechs-Tage-Krieg den Staat Israel an den Rand seiner Existenz. Mit dem Sieg über die arabischen Armeen begann die Besatzung. Israelische Politiker haben sich nun der Frage gestellt: „Was hätten Sie am siebenten Tag getan, wenn Sie im Jahr ’67 israelischer Regierungschef gewesen wären?“ Allerdings haben nicht alle eine konkrete Antwort gegeben, wie die Tageszeitung „Ma’ariv“ dokumentiert.

Jerusalemminister Se’ev Elkin (Likud) spricht von einem israelischen Interesse, eine neue Wirklichkeit zu schaffen – mit der Herrschaft über alle Gebiete in Judäa und Samaria. „Der arabischen Bevölkerung, die dort wohnt, die in jener Zeit eine jordanische Staatsbürgerschaft hat, schlage ich die Möglichkeit vor, nach Jordanien zu gehen oder stattdessen als jordanische Bürger unter unserer Herrschaft in dem Gebiet zu bleiben. Parallel würde ich die Siedlungsbewegung auf dem gesamten Gebiet von Judäa und Samaria errichten.“

Oppositionschef Jitzchak Herzog (Zionistisches Lager) würde „die Frage, die der damalige Premierminister Levi Eschkol stellte, ausweiten – er fragte wenige Tage nach dem Ende des Krieges: ‚Was machen wir mit zwei Millionen Arabern?‘“ Zudem würde der Sozialdemokrat „alle Möglichkeiten untersuchen, um klare Grenzen für den Staat Israel festzulegen“ – und dabei die Errungenschaften des Krieges ausnutzen.

Armee auf die nächste Kampfrunde vorbereiten

Der frühere Finanzminister Jair Lapid (Jesch Atid) bekundet seinen Dank an die damalige Führung. „Nach dem Sechs-Tage-Krieg stürmte die Sympathie für Israel in der Welt den Himmel. Wenn ich Premierminister wäre, hätte ich direkt nach dem Ende des Kampfes ohne Zögern angeordnet, Tatsachen im Gebiet von Ostjerusalem und seiner Umgebung zu schaffen.“ Er hätte die Armee auf die nächste Runde im Kampf vorbereitet.

Bildungsminister Naftali Bennett (HaBeit HaJehudi) hätte nach eigenen Angaben gefeiert und gehandelt, um zwei Millionen Juden herzuholen. Innenminister Arieh Deri (Schass) fragt statt einer Antwort mit Bezug auf den Krieg: „Wie würden wir ohne ihn heute den Jerusalemtag feiern?“

Kritik an der Fragestellung äußert Verteidigungsminister Avigdor Lieberman (Israel Beiteinu): „Ich kann nicht über das richten, was vor den Augen der Entscheidungsträger in jener Zeit stand. Das Wichtigste: Der große Sieg der israelischen Armee, der zur Befreiung Jerusalems und der restlichen Gebiete des Landes Israel führte.“

Die Vorsitzende der linksgerichteten Meretz-Partei, Sahava Gal-On, täte nach eigener Aussage „genau das, was die damalige israelische Regierung tat – die Bereitschaft bekunden, mich an die Linien von 1967 zurückzuziehen“. Sie ergänzt: „Aber anders als die damalige Regierung hätte ich mich nicht mit der Äußerung von Mosche Dajan zufriedengegeben: ‚wir warten auf einen Telefonanruf von den Arabern’, sondern ich hätte konkrete Schritte unternommen, um die Folgen des Krieges zu normalisieren.“

Kindheitserlebnisse aus dem Krieg

Die Parteivorsitzenden und der Minister wurden auch gefragt, was für sie der Sechs-Tage-Krieg bedeutet. Elkin ist vier Jahre danach in der Ukraine geboren. Er schreibt: „Ich bin nicht sicher, ob ich ohne den Sechs-Tage-Krieg das Vorrecht gehabt hätte, nach Israel einzuwandern und zu meinem jüdischen Erbe zurückzukehren.“

Für Oppositionsführer Herzog ist der Krieg „eine herrliche militärische Errungenschaft des jüdischen Volkes in seinem Land, die man verewigen und den Generationen beibringen muss“. Allerdings bedrohe auch eine ihrer Folgen – die Herrschaft über 2,5 Millionen Palästinenser – den moralischen Charakter Israels und seine Identität als demokratischer jüdischer Staat. Den Krieg hat er als Sechsjähriger erlebt: „Nie werde ich die beruhigenden Sendungen meines Vaters, des Generals Chaim Herzog, in jenen Tagen vergessen, die wir uns Schützengraben in unserem Garten anhörten.“

Lapid merkt an: „Ein Wunder. Der Krieg, der uns nach 2.000 Jahren an die Klagemauer zurückbrachte und unsere Fähigkeit garantierte, die Bewohner des Nordens zu verteidigen. Der Augenblick, in dem der arabischen Welt endgültig klar wurde, dass Israel eine Tatsache ist, die nie verschwinden wird. Jerusalem ist nicht nur ein Ort, sondern auch der Grund für unsere Existenz in Israel.“ Sein Vater, der Holocaustüberlebende und spätere Politiker Josef „Tommy“ Lapid, sei nicht wegen der Asrieli-Türme in Tel Aviv eingewandert, sondern wegen der Davidszitadelle in Jerusalem.

Marokkanische Nachbarn erkannten Israels Stärke

Bennett spricht von einem Ereignis von einem historischen Ausmaß, das neben dem Auszug aus Ägypten und der Eroberung Kanaans durch Josua Ben Nun stehe. „Erstmals seit 2.000 Jahren eine jüdische Herrschaft im Herzen unseres Landes.“

Deri lebte damals als kleines Kind in Marokko: „An eines erinnere ich mich besonders – an das Aufatmen angesichts des Sieges, der auf das große Zittern und die Furcht vor den Reaktionen unserer Nachbarn bei einer Niederlage, G”tt verhüte sie, folgte. Nach dem wunderbaren Sieg wussten auch sie uns zu würdigen und das Volk Israel und seinen G“tt anzuerkennen.“ Auch Lieberman lebte 1967 noch in der Diaspora. Als Kind hörte er in der Sowjetunion, wie der Radiosender „Kol Israel“ auf Russisch verkündete, „dass der Tempelberg in unseren Händen ist“. Gal-On merkt kritisch an: „Das größte Versäumnis von allen, das zum 50-jährigen Krieg der israelischen Herrschaft über die Gebiete geführt hat.“

Ausblick: Jerusalem als Hightech-Zentrum

Ferner sollten die Politiker beschreiben, wie Jerusalem ihrer Meinung nach in 50 Jahren aussehen wird. Elkin, Bennett und Lieberman sehen die Stadt unter anderem als Zentrum für Hightech und Forschung. Herzog meint, Jerusalem werde ein „Licht für die Völker“ sein, ein Wallfahrtsort für alle Religionen und Völker, von dem eine Botschaft von Frieden und Einheit ausgehe. Den Aspekt des friedlichen Miteinanders betonen auch Elkin und Lapid. Lieberman geht davon aus, dass die Stadt vereint unter israelischer Herrschaft bleiben wird.

Der ultra-orthodoxe Minister Deri zitiert den biblischen Propheten Sacharja (Sacharja 8,4–5): „So spricht der HERR Zebaoth: Es sollen hinfort wieder sitzen auf den Plätzen Jerusalems alte Männer und Frauen, jeder mit seinem Stock in der Hand vor hohem Alter, und die Plätze der Stadt sollen voll sein von Knaben und Mädchen, die dort spielen.“ Gal-On hält dem entgegen: „Nur Narren prophezeien“.

Fast einmütig: US-Botschaft nach Jerusalem verlegen

Die Politiker sollten auch angeben, ob sie eine Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem befürworten. Alle außer Gal-On fanden dazu ein klares „Ja“. Die Meretz-Vorsitzende war zögerlicher: „Ich unterstütze es, aber nicht als einseitigen und aufbegehrenden Schritt, und nicht zu dieser Zeit, sondern als Teil einer umfassenden Lösung, und im Rahmen der Anerkennung Westjerusalems als Hauptstadt Israels und Ostjerusalems als palästinensische Hauptstadt.“

Von: eh

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