Wie eine katarische Hilfsorganisation den Islam in Europa fördert

Unter dem Deckmantel einer Hilfsorganisation fördert das Emirat Katar gezielt den Islam in Europa. Das ist die Erkenntnis von französischen Journalisten, die geleakte Daten auswerteten und zwei Jahre dazu recherchierten. Eine Rezension von Michael Müller
Der deutsche Imam Benjamin Idriz in dem Arte-Dokumentarfilm „Katar: Millionen für Europas Islam“

Foto: Flach Films

Der deutsche Imam Benjamin Idriz in dem Arte-Dokumentarfilm „Katar: Millionen für Europas Islam“

Über einen USB-Stick haben französische Journalisten Daten und Dokumente erhalten, die Aktivitäten des Golfstaates Katar in Europa offenlegen sollen. Demnach nutzt das Land die Hilfsorganisation „Qatar Charity“, um Millionensummen strategisch auf dem Kontinent in Moscheen sowie Vereine zu investieren und den Einfluss des Islam zu vergrößern. Die dazugehörige Dokumentation heißt „Katar: Millionen Für Europas Islam“ und läuft am Dienstag um 20.15 Uhr auf Arte.

„Qatar Charity“ ist das größte Hilfswerk des Emirats. Es ist in 70 Ländern der Welt aktiv. In Deutschland fördert Qatar Charity beispielsweise zehn unterschiedliche Projekte. Die vertraulichen Dokumente vom ominösen USB-Stick zeichnen nun ein Bild, das die Organisation ideologisch in die Nähe der radikalen Muslimbrüder rückt. Katar streitet im Film jede Verbindung zwischen der Regierung des Golfstaates und der Hilfsorganisation ab. Aber das recherchierte Ziel von „Qatar Charity“ ist laut den Journalisten wichtigster Motor zur Verbreitung der islamischen Kultur im Westen.

Beispiel Mühlhausen

Ein präsentiertes Beispiel ist das islamische An-Nour-Zentrum in der elsässischen Stadt Mühlhausen, das sich noch im Bau befindet. Ein interviewter Mitarbeiter des französischen Nachrichtendienstes, der anonym bleiben will, behauptet, dass die Hälfte der 28 Millionen Baukosten ursprünglich von „Qatar Charity“ stammten und von den Muslimbrüdern finanziert würden.

Über zwei Jahre sammelten die Journalisten zu ihren geheimen Daten zusätzlich Stimmen. Im Film kommen der ehemalige Sprecher der Muslimbruderschaft, Kamal Helbawy, ein Aussteiger der Muslimbruderschaft in Lyon sowie der Leiter des NRW-Verfassungsschutzes, Burkhard Freier, zu Wort. Letzterer berichtet von einer Zunahme der Aktivitäten der Muslimbruderschaft in Deutschland und erzählt, dass diese dort einen islamistischen Staat auf der Grundlage der Scharia errichten wolle.

Münchner Forum für Islam im Fokus

Auch ein Thema ist das Münchner Forum für Islam, das ein Gebäude in der Münchner Innenstadt besitzt. Der Imam Benjamin Idriz träumt von einer großen Moschee, streitet aber bei seiner Gemeinde und dem Bauprojekt jeglichen Einfluss der Muslimbruderschaft ab. Dokumente der Journalisten deuten beim geplanten Bau auf eine Unterstützung durch „Qatar Charity“ hin, was Idriz auch nicht leugnet. Aber die fünf Millionen Euro, die für die Finanzierung des Neubaus im Raum standen, sind wegen der veränderten Weltlage – die Blockade Katars durch die anderen Golfstaaten – nie geflossen.

Die Dokumentation „Katar: Millionen Für Europas Islam“, die viel mit düsterer Spannungsmusik in ihren Szenen arbeitet, behauptet, einen großen Coup aufgedeckt zu haben. Demnach versucht Katar mit dem Moscheebau und der Unterstützung von Glaubenszentren in verschiedenen europäischen Ländern, den islamischen Feldzug mit anderen Mitteln voranzutreiben. Den Geldfluss aus dem Golfstaat nach Europa verheimlichen die muslimischen Gesprächspartner nicht mal, wenn sie darauf angesprochen werden. Sie verheddern sich eher bei den Summen und der Häufigkeit der Zahlungen, weil sie es runterspielen wollen. Wertvoll ist auf jeden Fall das Erklärstück im Film mit zahlreichem Archivbildmaterial, wer überhaupt die Muslimbrüder sind, was sie wollen und wer dort heute die radikale ideologische Richtung vorgibt.

„Katar: Millionen Für Europas Islam“, Regie: Jérôme Sesquin, 90 Minuten, Dienstag, 24.09.2019, um 20.15 Uhr auf Arte

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