Die Makkabiade ist das drittgrößte Sportereignis weltweit. In der ersten Julihälfte wurde sie zum 22. Mal ausgetragen. Wolf Klatt, Delegationsarzt der Sportler von Makkabi Deutschland, erklärt im Gespräch mit Israelnetz die Hintergründe der besonderen Sportveranstaltung: „Die Makkabiade, auch Makkabia genannt, ist eine Art jüdische Olympiade.“
In den europäischen Turnvereinen des 19. Jahrhundert waren jüdische Sportler zahlreich vertreten. „Doch weil sie später aus den Vereinen ausgeschlossen wurden und der Antisemitismus immer stärker wurde, gründeten sie die Makkabia. Juden wollten etwas dagegen setzen und zeigen: Wir sind nicht nur im Geist stark, sondern auch körperlich.“
In einer großen Sporthalle in der zentralisraelischen Stadt Ra’anana werden in der ersten Juliwoche neben den Judo-Wettkämpfen der Makkabiade auch die nationalen Meisterschaften ausgetragen. Immer sieben Kämpfe finden parallel statt, zahlreiche Fans bejubeln die Sportler auf den Rängen. Klatt fasst zusammen: „Wir sind lebendig. Und wir können uns verteidigen. Judo ist ein gutes Beispiel dafür. Es ist eine wunderbare Sportart. Sie ist intensiv, man kann gegeneinander kämpfen, aber nie auf eine unfaire Art und Weise. Als Arzt kann ich sagen: Judo ist eine wunderbare Sportart, um seinen Körper und Seele fit zu halten.“
Begeistert schwärmt der Arzt auch von den Senioren: „Wir sehen hier, dass Judoka auch mit 65 Jahren noch auf die Matte gehen und Spaß am Judo haben. Nach dem Wettkampf umarmt man sich und genießt die Zeit gemeinsam.“
Zwei Wettkämpfe für bessere Stimmung
Dass die nationalen Meisterschaften mit den Makkabi-Wettkämpfen zusammenfallen, ist Premiere. Jona Melnik ist ein Urgestein im Judo-Sport. Fast kein israelischer Judosportler, der den Endsiebziger nicht kennt: als Pionier-Athleten, jahrzehntelangen Nationaltrainer, Trainer-Berater und Olympiateilnehmer. Bei den Makkabiaden 1969 und 1973 gewann er jeweils die Goldmedaille. 2024 erlangte er als erster Israeli den 9. Dan und damit den roten Gürtel, die höchste mögliche Auszeichnung überhaupt.
Vergnügt schaut sich Melnik das Treiben in der Halle an: „Die israelischen Schieds- und Wertungsgerichte sind sehr effektiv. Ich denke, sie sind weltweit am besten.“ Darüber, ob die Zusammenlegung der beiden Wettkämpfe gelungen ist, ist er sich nicht sicher. „Die Idee dahinter ist gut. Denn immerhin ist dadurch der sportlich-festliche Charakter garantiert. Doch andererseits ist es schon ein sehr langer Tag.“ Acht Stunden Wettkämpfe am Stück plus die obligatorische Siegerehrung – das scheint dann doch selbst hartgesottenen Judofreunden etwas zu viel des Guten.
Traditionsreiches Turnier
Die Makkabiade wurde zum ersten Mal 1932 in Tel Aviv veranstaltet, seit 1953 findet sie alle vier Jahre statt. Turnusmäßig war sie bereits für 2025 angesetzt. „Doch aufgrund der Sicherheitslage wurde sie auf dieses Jahr verschoben“, erklärt Klatt. Jetzt sei es besonders wichtig gewesen, nach Israel zu kommen. „Es ist wichtig, dass wir hier sind, um ein Zeichen zu setzen. Als wir in der El-Al-Maschine saßen, war es wie ein Heimkommen.“
Natürlich habe es auch in diesem Jahr Sicherheitsbedenken gegeben. „Doch wir wären nicht gekommen, wenn wir uns nicht sicher wären, dass im Staat Israel die Sicherheit seiner Bewohner und Besucher oberste Priorität hat. Wir sind hier sicher.“
Die Erfahrungen während des zweiwöchentlichen Besuches gehen weit über den Sport heraus, sagt Klatt. „Einen großen Teil macht das Kulturprogramm aus. Von traurigen Programmpunkten wie einem Besuch bei Yad Vashem bis dazu, dass wir beim letzten Mal sogar Raften auf dem Jordan waren.“ Rafting ist eine Bezeichnung für Wildwasserbootfahren. Und dann zeigt sich der nüchterne Mann bewegt: „Die Makkabiade schafft ganz besondere Momente, die über alles Weltliche hinaus gehen. Spätestens wenn ich als Jude an die Klagemauer gehe, bekomme ich Gänsehaut.“ Er fügt an: „Als Arzt habe ich den ganzen Tag mit Wissenschaften und klarem Denken zu tun, aber das sind hier Momente, die weit darüber hinausgehen.“
Bei den Spielen traten insgesamt rund 5.000 jüdische Sportler aus 70 Ländern in 24 Sportarten an. In diesem Jahr hat Deutschland mit 173 Teilnehmern die größte Delegation Europas geschickt. Alon Meyer, Präsident von Makkabi Deutschland, zückt sein Smartphone und zeigt begeistert ein Selfie, auf dem das gefüllte Flugzeug von innen zu sehen ist. Auf den blauen El-Al-Sitzen sind die Sportler in ihren knalligen Farben platziert: gelbe Shirts und rote Jacken.
Foto: Israelnetz/mh„Wir haben eine ganze Maschine gechartert. Die Stimmung war super und ist es bis jetzt.“ Stolz erzählt Meyer von den Erfolgen der Sportler, besonders im Tischtennis: Da haben die Deutschen 14 Goldmedaillen geholt. Die deutschen Judoka waren nicht ganz so erfolgreich, doch die nächste Makkabiade kommt bestimmt.
„Fangen Sie an, sich für lebendige Juden zu interessieren!”
An Christen appelliert er: „Fangen Sie an, sich für lebendige Juden zu interessieren, nicht nur für die toten. Schulbücher haben ihre Berechtigung, aber das hier“, er macht eine ausladende Handbewegung in die Halle, „das hier ist lebendig“. Um mit Juden in Kontakt zu kommen, sei der Sport eine gute Möglichkeit: „In Deutschland gibt es sehr viele Makkabi-Vereine.” Der größte sei in Frankfurt beheimatet, er habe mehrere Tausend Mitglieder.“ Stolz fügt Klatt hinzu: „.Wir haben mehr nicht-jüdische als jüdische Sportler, das spricht sicher für uns.“
Die Makkabiade sei eine gute Gelegenheit, die Verbindung zu Israel zu stärken, sagt Klatt. Als Sportler können nur Juden teilnehmen, doch ein Besuch sei auch für Nicht-Juden möglich.
An Israel gefalle ihm unter anderem, dass die Menschen „unheimlich fröhlich und emotional“ sind. Als Deutscher werde er bei Besuchen immer wieder daran erinnert, etwas lockerer zu werden. Die Lebenseinstellung der Menschen sei ein Vorbild: „Einerseits lehnen sie sich zurück, andererseits nehmen sie Dinge sehr ernst. Sie nehmen am Leben teil.“ Dann geht Klatt und macht ein Foto mit Melnik. (mh)
» Maccabiah nach zwei Wochen beendet
» Sportwettkämpfe im Schatten des wachsenden Antisemitismus
» Internationales jüdisches Sporterlebnis mit besonderem Flair
3 Kommentare
Die Deutschen stellen bei der zweiwöchigen Sportveranstaltung die größte europäische Delegation, die Toskaner hoffentlich die zweitgrößte.
Es freut mich, dass Sportsfreunde aus aller Welt nach Israel
kommen.
„Um mit Juden in Kontakt zu kommen, sei der Sport eine gute Möglichkeit.“🤗
Das stimmt, aber auch beim Spazierengehen. Vor 10 Jahren bei einem Spaziergang abends mit Israelis am Strand von Tel Aviv ins Gespräch gekommen. Mein Mann, der eigentlich schon früher zurück ins Hotel wollte und dann doch mit mir ging, hätte in dem Fall wahrscheinlich eine Vermisstenmeldung gemacht. Die Unterhaltung ging bis Mitternacht. 😂
Aber alles gut und sehr bereichernd. 🇮🇱💙