Weihnachtsbotschaft des lateinischen Patriarchen Michel Sabbah

JERUSALEM (inn) – An alle Menschen guten Willens, an die internationale Gemeinschaft und an alle Kirchen der Welt appelliert der lateinische Patriarch Michel Sabbah in seiner Weihnachtsbotschaft. Aufwachen und beiden Völkern des Heiligen Landes zu Hilfe eilen, sollen die Angeredeten, um einen Frieden auf der Basis von Gerechtigkeit, Gleichheit und Würde zu erreichen.

Ein Leben im Frieden sei nach wie vor möglich, meint der ranghöchste Vertreter des Christentums in Israel und der Palästinensischen Autonomie, verschließt dabei aber die Augen nicht vor der Realität: „Unser Land ist voller Haß und Blutvergießen!“ Und: „Seit Generationen erleben wir eine blutige Auseinandersetzung.“

Deshalb prangert der arabische Kirchenfürst auch die Unmöglichkeit an, „daß eine Seite Sicherheit fordert, während die andere unterdrückt wird; daß ein Volk Besatzer ist, während das andere unter Besatzung leidet.“ Emphatisch unterstreicht der sonst eher eintönig wirkende katholische Geistliche vor Journalisten: „Das ist wirklich unmöglich!“

Ein „Ende des Blutvergießens auf beiden Seiten, in den palästinensischen Städten und Dörfern und in den israelischen Städten und Straßen“ ist die Vision des höchsten Vertreters des Papstes in Jerusalem. Grund für die Misere ist nach Ansicht Sabbahs aber einzig und allein die israelische Okkupation. „Die Israelis müssen sich selbst fragen, warum sich die Palästinenser so verhalten“, antwortet er auf die Frage einer amerikanischen Journalistin, warum er lediglich Gewalt von einer Seite verurteile.

Für Aufruhr sorgt ein Satz in der monoton verlesenen Weihnachtsbotschaft: „Wenn es den gegenwärtigen Führungspersönlichkeiten nicht gelingt, Frieden zu schließen, dann gibt es nur eine Lösung: Öffnet den Weg für andere Führer. Vielleicht werden sie Erfolg haben, wo die jetzigen Politiker versagt haben.“

Ob er damit den Rücktritt Arafats gefordert habe, wollen seine Zuhörer wissen und wittern schon die Schlagzeile: „Sabbah fordert Arafats Rücktritt!“ Der als Arafat-loyal geltende Kirchenmann schmunzelt: „Zuerst einmal meine ich die israelische Führung. Alles liegt in ihrer Hand“, läßt sich dann aber doch zu der Aussage hinreißen: „Wenn Arafat wirklich nicht in der Lage sein sollte, Frieden zu machen, dann sollte auch er zurücktreten.“

Schreiben Sie einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Bitte beachten Sie unsere Kommentar-Richtlinien

Offline, Inhalt evtl. nicht aktuell

Israelnetz-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen