Wegen Raketenbeschuss: Geburtenrückgang in Sderot

SDEROT (inn) - Die Zahl der Geburten in der Wüstenstadt Sderot ist deutlich zurückgegangen. Zudem werden weniger Kinder eingeschult. Der Grund: Wegen der palästinensischen Raketenangriffe verlassen viele Bewohner die israelische Stadt nahe des Gazastreifens oder wollen keine Kinder auf die Welt bringen.

Von Januar bis Juni 2008 wurden in Sderot 154 Babys geboren. Im ersten Halbjahr 2007 waren es noch 182. Damit verringerte sich die Geburtenzahl um 15 Prozent. Dies geht aus Statistiken der Ministerien für Gesundheit und Inneres hervor.

Laut der Tageszeitung „Ha´aretz“ war nach dem Beginn der Angriffe 2001 kein wesentlicher Rückgang zu bemerken. Diese Entwicklung setzte erst ein, als im Frühjahr 2007 der Beschuss eskalierte. Die Zahl der Kinder, die in Sderoter Schulen angemeldet werden, sinkt von Jahr zu Jahr, wie die Leiterin der Abteilung für Bildung in der Stadtverwaltung, Miriam Sasi, mitteilte.

Die andauernde Anspannung wegen der Raketenangriffe beeinflusse alle Lebensbereiche in der Stadt, sagte ein Bewohner, Danny Dahan, gegenüber der Zeitung. „Es gibt Spannung zwischen Ehepartnern, und die Kinder erfordern mehr Energie und Einsatz als früher. Also sagt man sich, jetzt ist nicht der Zeitpunkt für ein weiteres Baby. Lass uns mit dem fertig werden, was wir haben.“ Die Dahans haben vierjährige Zwillinge.

Schock nach Angriff führt zu Fehlgeburten

Etwa 1.000 Menschen aus Sderot haben sich wegen schwerer Angstzustände an Zentren zur Stressbehandlung gewandt. Darunter waren 200 Kinder. Hunderte Bewohner lassen sich zudem außerhalb der Stadt behandeln. Nach Angaben der Ärztin Adriana Katz hat es mehrere Fehlgeburten gegeben, die durch einen Schock nach einem Raketenangriff ausgelöst wurden. Um ein Kind auszutragen, benötige eine Frau Ruhe. Doch diese existiere in Sderot nicht. „Sobald eine ‚Kassam-Generation‘ entsteht, die nichts anderes kennt, kann niemand eine sehr hohe oder normale Geburtenrate erwarten.“

Seit dem 19. Juni herrscht im Gazastreifen eine Feuerpause zwischen Israel und der dort regierenden Hamas. Sie wurde seither vereinzelt von palästinensischen Terroristen gebrochen, die nicht der Hamas angehörten.

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