Wegen Katzav: Knesset-Abgeordnete boykottieren Rabin-Gedenkfeier

JERUSALEM (inn) – Nur vier Knesset-Mitglieder haben am Mittwoch eine Gedenkveranstaltung anlässlich der Ermordung des früheren israelischen Premierministers Jitzhak Rabin besucht. Die meisten Abgeordneten boykottierten die Zeremonie wegen der Teilnahme von Israels Präsident Mosche Katzav, gegen den wegen Vergewaltigung und Betrugs ermittelt wird.

Die Gedenkveranstaltung wurde am “Haus des Präsidenten” in Jerusalem abgehalten. Rabin war vor elf Jahren, am 4. November 1995, in Tel Aviv von einem rechtsextremen Juden erschossen worden.

Wie die Tageszeitung “Jediot Aharonot” berichtet, erwarteten die Berater Katzavs, dass zahlreiche Abgeordnete und Minister der Feier beiwohnen würden. Doch nahmen nur ein Minister ohne Geschäftsbereich, Ja´akov Edery, und die vier Knesset-Abgeordneten Ephraim Sneh (Avoda), Raleb Majadele (Avoda), Danny Jatom (Avoda) und Juval Steinitz (Likud) an der Gedenkveranstaltung teil. Auch Israels Premierminister Ehud Olmert hatte angekündigt, nicht zu kommen.

“Rabins Image verkörperte die Verwirklichung des Traumes der jüdischen Bevölkerung durch alle Generationen. Das jüdische Volk, das verfolgt war, träumte von Jitzhak Rabin als einem Symbol für die Realisierung Israels”, sagte Katzav in einer Rede. “Jitzak Rabins Ermordung ist ein schwieriges Kapitel in der Geschichte eines Volkes, das Tausende von Jahren gereift ist. Die Ermordung ist ein Krisenpunkt im Leben der Bevölkerung Israels und des Staates Israel.”

Während der Zeremonie versuchte Katzav den Skandal zu übergehen, in den er verwickelt ist und eine Stimmung zu vermitteln, dass “alles wie gewohnt” sei, so “Jediot Aharonot”. Doch sei eine Atmosphäre der Verlegenheit zu spüren gewesen.

Dennoch sei die Würde der Veranstaltung nicht verletzt worden, sagte Edery. Ähnlich äußerte sich auch die Tochter des ermordeten ehemaligen Premiers, Dalia Rabin-Pelossof. Sie sagte, die Veranstaltung sei in einer ehrenhaften Art und Weise abgehalten worden. Der Gedächtnisfeier für ihren Vater sei nicht geschadet worden.

Katzav wird der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung beschuldigt. Zwei ehemalige Angestellte hatten dem Präsidenten sexuelle Belästigung vorgeworfen. Daraufhin meldeten sich weitere Frauen, die Katzav ebenfalls beschuldigten. Er soll zudem auch Dutzende Geschenke im Wert von mehreren Hundert Schekeln aus der Staatskasse bezahlt haben. Das Staatsoberhaupt sieht sich jedoch als Verleumdungsopfer und beteuert seine Unschuld.

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