Warum Kabarettist Dieter Nuhr den Leo-Baeck-Preis erhält

Dieter Nuhr setzt sich gegen Antisemitismus in der Medienlandschaft ein. Dafür verleiht ihm der Zentralrat der Juden in Deutschland den Leo-Baeck-Preis. Es ist das erste Mal, dass ein Kabarettist die Auszeichnung erhält.
Von Israelnetz

BERLIN (inn) – „Ich bin einfach kein Freund von Vergewaltigung, Folter und Leichenschänderei, das ist alles.“ Die Aussagen zum Gazastreifen von Dieter Nuhr in seiner ARD-Sendung „Nuhr im Ersten“ sind oft provokant und überspitzt, aber zeugen von einer klaren Haltung gegen Antisemitismus und Israelhass.

Für diesen Einsatz erhält er vom Zentralrat der Juden nun den Leo-Baeck-Preis, unter dessen vorherigen Preisträgern sich Größen wie Angela Merkel, der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert oder auch Hans-Joachim Watzke, dem Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund, befinden.

Zurückhaltung steht nicht auf dem Plan des 1960 geborenen Kabarettisten. Ein Vorschlag von ihm soll die Absurdität diverser linker Gruppen offenbaren: „Alle Queers for Palestine fahren einfach mal in den Gazastreifen, winken dort auf dem Marktplatz mit ihrem Regenbogenfähnchen, dann noch ein schwules Zungenküsschen und einfach mal abwarten was passiert.“ In Bezug auf die Hamas und Israel zitiert er die Sure 5,21 des Koran, in der den Israeliten das Heilige Land zugesprochen wird. „Das hätte man mal der Hamas mitteilen sollen, und den Linken, dass Judenvernichtung gar nicht halal ist.“  

Ein Feindbild der „Linken“

Mit seinen Aussagen erntet Nuhr regelmäßig Gegenwind, vor allem von Vertretern aus dem politisch linken Lager, die ihn, auch in Bezug auf den Nahostkonflikt, zum Feindbild erklärt haben. Sie werfen ihm Einseitigkeit vor und die Verwendung von rechten und anti-islamischen Klischees. Im Gegenzug erhalten sie regelmäßige Spitzen von Nuhr in seiner Sendung.

Aussagen von ihm wie „Bei der Antifa herrscht heute eine Stimmung wie bei der Waffen-SS“ sorgen sicherlich auch nicht für eine Deeskalation. Inwiefern man bei der Antifa, geschweige denn „den Linken“, mit ihren tausenden Splittergruppen von einer geschlossenen Bewegung sprechen kann, sei an dieser Stelle mal in Zweifel gezogen. Schließlich war Nuhr selbst einmal Gründungsmitglied der Partei „Bündnis 90/Die Grünen“.

Nuhr sieht sich als Stimme gegen Antisemitismus in der Kulturszene und zeigt sich enttäuscht von seinen Kollegen: „Es ist ein Trauerspiel, dass die Ablehnung des Antisemitismus heute gerade im Kulturbetrieb alles andere als selbstverständlich ist. Das macht mich fassungslos“, sagte er in einem Interview der „Jüdischen Allgemeinen“. In seiner Jugend sei es unvorstellbar gewesen, dass Antisemitismus noch einmal ein Massenphänomen würde.

Warum Dieter Nuhr?

Die Laudatio wird der deutsch-israelische Psychologe und Autor Ahmad Mansour halten. Viele Kulturschaffende würden sich beim Thema Judenhass aus Angst vor Empörung, digitalem Druck oder sozialer Ausgrenzung lieber anpassen oder schweigen, erklärt dieser gegenüber der „Jüdischen Allgemeinen“. Dieter Nuhrs Haltung und Positionierung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gegen linken und muslimischen Antisemitismus solle eigentlich selbstverständlich sein, sei es aber leider nicht.

Ähnliche Worte findet auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster:

„Dieter Nuhr setzt sich bereits seit geraumer Zeit in seinen Beiträgen mit herausragender Klarheit gegen Antisemitismus ein. Dabei nutzt er seine Rolle als Kabarettist und seine Plattform im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, um konsequent Doppelstandards in der deutschen Debatte um Israel offenzulegen. Mit seinen Beiträgen setzt er einen Kontrapunkt zu antisemitischen Narrativen in der deutschen Medienlandschaft und positioniert sich klar an der Seite jüdischen Lebens.“

Der Leo-Baeck-Preis

Seit 1957 verleiht der Zentralrat der Juden in Deutschland den Leo-Baeck-Preis. Er ehrt damit Menschen, die sich zum einen in herausragender Weise für die jüdische Gemeinschaft eingesetzt haben und denen es zum anderen gelungen ist, aus den dunklen Kapiteln deutscher Geschichte Lehren für die Zukunft zu ziehen.

Die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung bewahrt das Andenken an Rabbiner Leo Baeck. Dieser blieb während der Schoa, trotz Möglichkeit der Emigration, in Deutschland und half stattdessen vielen Juden bei der Ausreise. 1943 kamen er und seine Familie in das Konzentrationslager Theresienstadt. Er überlebte und bemühte sich in der Nachkriegszeit um Versöhnung und den Dialog zwischen Juden und Christen.

Die Preisverleihung findet am Mittwoch, dem 10. Juni. in Berlin statt. (tko)

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