Vorwurf “Kriegsverbrechen”: israelischer Minister verschiebt Ägypten-Reise

JERUSALEM (inn) – Israels Infrastrukturminister Benjamin Ben-Elieser hat einen geplanten Besuch in Ägypten abgesagt. Der Anlass sind Medienberichte, laut denen im Sechs-Tage-Krieg unter seinem Kommando 250 ägyptische Kriegsgefangene hingerichtet worden seien – der israelische Politiker weist diese Vorwürfe zurück.

Ben-Elieser sollte sich am Donnerstag mit dem ägyptischen Geheimdienstchef Omar Suleiman treffen. Am Montag bestätigte ein Berater die Absage.

Während des Krieges von 1967 befehligte Ben-Elieser die Kommandoeinheit “Schaked” (Mandel). Nun zeigte der Sender “Kanal 1” in der vergangenen Woche die Dokumentation “Ruach Schaked” (Der Geist von Schaked) vom israelischen Journalisten Ron Edelist. Daraus ersehen manche Medien, die Einheit habe unmittelbar nach Einstellung der Kampfhandlungen im Sinai 250 Ägypter exekutiert, anstatt sie in Gefangenenlager zu bringen. Dies stieß in Ägypten auf Empörung.

Edelist: “Material verfälscht dargestellt”

Edelist sagte hingegen, ägyptische “Hardliner” hätten das Material seines Filmes verfälscht dargestellt, um Israels Frieden mit Ägypten zu gefährden. Die Getöteten seien keine Ägypter gewesen, sondern palästinensische Fedajin (“Freiheitskämpfer”). Diese seien in der Schlacht gefallen und nicht hingerichtet worden. “Die Ägypter sprechen von einem Mord an 250 ihrer Soldaten”, so der Journalist gegenüber dem israelischen Armeesender. “Das war kein Mord, es geschah im Laufe des Kampfes.” Das Schaked-Kommando habe gegen eine palästinensische Abteilung gekämpft, mit der sie bereits vor dem Krieg aneinandergeraten war.

“Während dieser Schlacht, so kann man sagen, gab es einen übermäßigen Gebrauch von Gewalt”, fügte Edelist hinzu. “Aber es geschah alles im Kontext des Krieges. Keine Gefangenen, keine Kriegsgefangenenlager, keine Leute, die ihre Hände erheben.”

Ben-Eliesers Sprecher Ronen Mosche sagte am Montag, die Anschuldigungen seien nicht wahr. Dennoch habe der Minister seine Reise in das arabische Land verschoben. “Angesichts der Atmosphäre, die für einen Besuch nicht passend ist, haben die beiden Seiten beschlossen, den Besuch auf einen anderen Termin in der nahen Zukunft zu verlegen.”

Am Sonntag hatte das ägyptische Außenministerium von Israels Botschafter Schalom Cohen eine Erklärung für die Dokumentation gefordert. Wie die Tageszeitung “Ha´aretz” berichtet, verlangten zwei Abgeordnete seinen Rücktritt. Sie beschimpften ihn als “Hund” und “Abtrünnigen”. Ägypten bat den eigenen Botschafter in Tel Aviv, eine Aufzeichnung des Films zu besorgen.

Ägyptischer Politiker fordert Kriegszustand

Der unabhängige Abgeordnete von der Sinaihalbinsel, Salaam al-Ruqi´i, sagte in einer Parlamentssitzung: “Dies kann nur durch eine Kriegserklärung entschärft werden. Wir finden immer noch Massengräber von ägyptischen Soldaten. Vor zwei Monaten haben wir die Überreste unbewaffneter ägyptischer Soldaten und Zivilisten vom Sinai freigelegt.”

Bereits früher waren Berichte über Hinrichtungen im Sinai veröffentlicht worden. 1995 teilte ein israelischer Offizier im Ruhestand in einem Zeitungsinterview mit, während des Sinaifeldzuges von 1956 seien 49 ägyptische Kriegsgefangene getötet worden. Eine israelische Untersuchung führte zu der Schlussfolgerung, dies sei auf beiden Seiten geschehen. Ungefähr zur selben Zeit sagte der israelische Historiker Arieh Jitzhaki, 300 ägyptische Gefangene seien 1967 getötet worden. Israel entgegnete, es habe bei beiden Kriegsteilnehmern Gräueltaten gegeben.

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