Vor 800 Jahren gestorben: der jüdische Denker Maimonides

Er gilt als der bedeutendste jüdische Gelehrte des Mittelalters: Moses Maimonides, eigentlich (Rabbi) Mosche Ben Maimon, abgekürzt RaMBaM. Seine Schriften haben die jüdische Geistesgeschichte mehrere Jahrhunderte beeinflusst. Am 13. Dezember jährte sich sein Todestag zum 800. Mal.

Mosche Ben Maimon wurde am 30. März 1135 in der spanischen Stadt Córdoba geboren. Sein arabischer Name lautete Abu Imran Mussa Ibn Maimun Ubn Ubad Allah. Die Familie war angesehen. Sein Vater, ein Rabbiner, unterwies ihn in der jüdischen Lehre. Unterricht in griechisch-arabischer Philosophie erhält er von arabischen Lehrern. Im Jahr 1148 besetzt die islamische Gruppierung der Almohaden die Gegend. Sie ist intolerant gegenüber Andersgläubigen. Die Familie verlässt Córdoba, lebt im nordafrikanischen Fes, in Jerusalem und Alexandria. Schließlich siedelt sie sich in Fustat bei Kairo an.

Weil sein Bruder David einen florierenden Juwelenhandel betreibt, kann sich Maimonides während der ersten Jahre in Ägypten seinen Studien widmen. Doch dann kommt der Bruder bei einem Schiffsunglück ums Leben, dabei geht auch das Vermögen der Familie geht verloren. Maimonides macht eine medizinische Ausbildung und bringt es später bis zum Leibarzt von Sultan Saladin. Zudem ist er Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Fustat.

In dieser Zeit entstehen seine wichtigsten Werke. In “Sanhedrin Mischna” kommentiert er die Mischna – diese Sammlung religionsgesetzlicher Überlieferung bildet die Grundlage des Talmud. In der Einleitung formuliert er 13 Glaubenssätze, die sich bis heute im jüdischen Gebetbuch (Siddur) finden. Ein weiteres Werk ist die “Mischne Torah” (“Wiederholung der Torah”), die 1180 erscheint. Darin kategorisiert er Torah und Mischna streng systematisch und aus seiner Sicht endgültig. Dieses Buch stößt teilweise auf heftige Kritik – es kommt zum “Maimonides-Streit” zwischen Gegnern und Anhängern des Rationalismus.

Das Hauptwerk, “More Nevuchim” (“Führer der Unschlüssigen”), wird 1190 abgeschlossen. In arabischer Sprache verfasst, erscheint es bald in hebräischer und lateinischer Übersetzung. Maimonides versucht hier, die Bibel mit der aristotelisch-neuplatonischen Philosophie zu verbinden. Er sieht eine Unvereinbarkeit des Glaubens mit seiner offenbarten Wahrheit einerseits und des rationalen Denkens von Aristoteles andererseits. Sein Vorschlag: Der einfache Gläubige soll die Inhalte der Schrift als unmittelbare Wahrheit annehmen, der Philosoph und Wissenschaftler kann sie allegorisch deuten.

Im 13. Jahrhundert wurde der “Führer der Unschlüssigen” in Europa verbreitet. Thomas von Aquin und der Philosoph Spinoza setzten sich damit auseinander. Auch Moses Mendelssohn bediente sich im 18. Jahrhundert der Gedanken des Maimonides, als er die jüdische Aufklärung (Haskala) begründete.

Maimonides schreibt zudem medizinische Abhandlungen. Am 13. Dezember 1204 stirbt er in Fustat und wird nach jüdischer Überlieferung in der galiläischen Stadt Tiberias am See Genezareth bestattet – sein Grab ist bis heute erhalten.

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