Von Freunden im Supermarkt – In Israel leben, nicht nur als Tourist

Als wir nach Israel umzogen, kannte ich von der modernen hebräischen Sprache nicht viel mehr als das Wort „Schalom“. Deshalb war es nicht einfach für mich, einkaufen zu gehen. „Was verbirgt sich wohl in dieser Packung, die mit hebräischen Buchstaben beschriftet ist?“, fragte ich mich immer wieder.

Auch wenn hier an allen Schulen Englisch unterrichtet wird, trifft man viele Menschen, die nur hebräisch sprechen. Oft sind das Leute, mit denen man sich verständigen muß, wenn man hier lebt: Verkäuferinnen, Busfahrer, Handwerker.

Vor etwa hundert Jahren hat Eliezer ben Jehuda unter viel Widerstand angefangen, die hebräische Sprache wieder zu beleben. Nicht nur europäische Akademiker erklärten ihn für verrückt. Orthodoxe Juden bezichtigten ihn der Gotteslästerung, weil er die heilige Sprache der Bibel für den Gebrauch im Alltag nutzbar machen wollte.

An Eliezer ben Jehuda muß ich denken, wenn ich heute einen Israeli treffe, der hebräisch redet, als hätte es nie eine andere Sprache gegeben, so ganz selbstverständlich und ohne irgendeine andere Sprache zu beherrschen.

Aber zurück zum Einkaufen. Da ist es mir dann passiert, daß ich Schnitzel – natürlich Putenschnitzel, keine Schweineschnitzel! – paniert habe und beim Essen haben wir festgestellt, daß das vermeintliche Weckmehl eigentlich Gries war. Da hier vieles (zumindest etwas) anders ist, haben wir uns die ungewöhnlichen Schnitzel schmecken lassen.

Man kann Lebensmittel im Supermarkt einkaufen, wie in Europa oder Amerika, aber auch in dem kleinen Laden an der Ecke, wo jeder jeden kennt und Mosche, der Verkäufer, bei der Arbeit singt. Natürlich kann man auch auf dem Markt, im „Schuk“, einkaufen.

Für unseren Geschmack ist es dort zwar etwas schmutzig und nicht gerade wohlriechend, aber der „Schuk“ quillt über von frischem Obst und Gemüse, Fischen und billigem Spielzeug „Made in China“. Die Verkäufer schreien ihre Preise in die Menge, wie einst die Verkäufer des Prager Abendblatts. (Aber bevor ich Heimweh nach Prag bekomme, reden wir lieber weiter von Jerusalem.)

Weil ich von Deutschland aus nach Israel gekommen bin, habe ich auch den Aldi kennengelernt. Hier in Israel hat mich überrascht, mit welcher Ruhe die Frauen an der Kasse sitzen. Beim Aldi wurde mir immer schon der Kassenzettel hingehalten, als ich noch damit beschäftigt war, meine Sachen aus dem Einkaufswagen zu holen.

In Israel meint die Verkäuferin Zeit zu haben, sich mit einer Kollegin oder Freundin zu unterhalten. Gemächlich steht sie auf, um umständlich das Papierband zu wechseln oder Kleingeld zu holen – daß vor der Kasse eine lange Menschenschlange wartet, scheint sie überhaupt nicht zu bekümmern.

„Was für ein süßes Baby! Darf ich sie mal auf den Arm nehmen?“ fragte mich so einmal eine Verkäuferin im überfüllten Supermarkt mit strahlendem Gesicht, stand von ihrer Kasse auf und streckte mir die Hände entgegen.

Eine andere Verkäuferin ging von Kasse zu Kasse, um alle ihre Kolleginnen darauf aufmerksam machen, wie begeistert sie davon war, daß eines meiner Kinder aus vollem Halse „Eliyahu HaNavi“ sang – ein Lied, das orthodoxe Juden am Schabbatausgang über den „Propheten Elia“ singen, der schnell kommen und den Messias mitbringen soll.

Natürlich findet man im Supermarkt auch Freunde. So sprach mich einmal eine Schweizer Jüdin an und überzeugte mich, daß ich unbedingt eine christliche Familie aus der Schweiz kennenlernen müsse. Daraus entwickelte sich dann wirklich eine gute Freundschaft.

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