Verwirrung um getöteten Hamas-Sprecher

GAZA (inn) – Der Tod eines ehemaligen Hamas-Sprechers im Gazastreifen wirft Fragen auf. Eine palästinensische Zeitung schreibt von einer Hinrichtung wegen Spionage für Ägypten. Zunächst hieß es, der Palästinenser sei durch einen israelischen Luftangriff getötet worden.
Deutet der Tod von Aiman Taha auf einen Machtkampf innerhalb der Hamas hin?

Aiman Taha war von 2007 bis 2009 Sprecher der Hamas. Später koordinierte er zwischen der Führung der radikal-islamischen Gruppe im Gazastreifen und im Ausland. Zudem diente er der Hamas als Kurier. Im Jahr 2009 wurde er laut der Nachrichtenagentur Reuters von ägyptischem Sicherheitspersonal festgenommen, nachdem er versucht hatte, 11 Millionen Dollar über den Grenzübergang Rafah in den Küstenstreifen zu schmuggeln. Zudem vertrat er die Hamas in Delegationen in Kairo, etwa bei den Verhandlungen um die Freilassung des entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit.
Von 2003 bis 2006 war Taha in Israel inhaftiert. Im Februar dieses Jahres wurde er im Gazastreifen festgenommen und blieb in einem Gefängnis der Hamas, bis er vor Kurzem starb. Am Montag wurde seine zerstümmelte Leiche unter Trümmern im umkämpften Viertel Sadschaija von Gaza-Stadt entdeckt. Erst am Donnerstag gab die Hamas die Nachricht von seinem Tod zur Veröffentlichung frei.
Zunächst war von einem israelischen Luftangriff die Rede, schreibt die Onlinezeitung „Times of Israel“. Doch dann berichtete die palästinensische Tageszeitung „Al-Quds“, Taha sei durch ein Hamas-Exekutionskommando hingerichtet worden. Ihm sei mehrere Male in Kopf und Brust geschossen worden, weil er angeblich in Kontakt mit Geheimdiensten in arabischen Ländern blieb, vor allem in Ägypten. Die Leiche sei ins Schifa-Krankenhaus in Gaza gebracht worden.
Nach seiner Festnahme hatte die Hamas Taha wegen des Verdachtes auf Korruption verhört, meldeten arabische Medien. Ihm sei vorgeworfen worden, Villen in Gaza mit veruntreutem Geld gekauft zu haben. Die Hamas sprach lediglich von „finanziellen Angelegenheiten“ und bezeichnete die Inhaftierung als interne Angelegenheit. Ein Zusammenhang mit Sicherheitsthemen, die „Feinde“ beträfen, bestehe nicht.
Der ehemalige Sprecher galt seit drei Wochen als vermisst. Sein Vater war der Hamas-Mitbegründer Mohammed Taha. Die Organisation hat die Hinrichtung weder bestätigt noch dementiert. Die Tageszeitung „Die Welt“ folgert: „Innerhalb der Hamas galt Taha als Verbindungsmann zum ägyptischen Geheimdienst. Seine Hinrichtung wegen Spionage könnte auch das Ergebnis interner Machtkämpfe in der islamistischen Organisation gewesen sein.“

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