Einem Bericht der palästinensischen Nachrichtenagentur „Ma‘an“ zufolge war am Freitagabend nahe der Grenze zum Gazastreifen eine laute Explosion zu hören. Der Vorfall habe sich im ägyptischen Teil der Grenzstadt Rafah ereignet, nahe der israelischen Grenze. „Ma‘an“ habe aus einer ägyptische Militärquelle erfahren, dass eine israelische Drohne eine abschussbereite Rakete bombardiert habe. Diese sei am Donnerstag in Rafah stationiert und bei einem Überflug entdeckt worden.
Am Samstag ließ die ägyptische Gruppe „Ansar Beit al-Makdis“ verlauten, die vier Männer seien durch israelische Drohnen getötet worden. Sie seien Beduinen gewesen, die der Organisation angehört hätten. „Ansar Beit al-Makdis“ soll hinter mehreren Angriffen an der ägyptisch-israelischen Grenze stecken. Ihre Standpunkte ähneln denen des internationalen Terrornetzwerkes Al-Qaida.
Israel: weder Bestätigung noch Dementi
Das israelische Militär wollte die Darstellung der dschihadistischen Gruppe nicht kommentieren. Verteidigungsminister Mosche Ja‘alon sagte am Samstag gemäß der Tageszeitung „Yediot Aharonot“: „Der Staat Israel respektiert Ägyptens Souveränität und ist sich der verstärkten Aktivität des ägyptischen Militärs gegen den Terror auf der Sinaihalbinsel bewusst. Wir werden nicht zulassen, dass Gerüchte und Spekulationen, die sich in den vergangenen 24 Stunden entwickelt haben, dem Friedensvertrag zwischen den beiden Ländern schaden.“
„Ansar Beit al-Makdis“ beschuldigte indes das ägyptische Militär, den Angriff mit Israel abgesprochen zu haben. „Wie kann die ägyptische Armee es zionistischen unbemannten Flugzeugen erlauben, auf ägyptisches Gebiet herüberzukommen?“, zitiert „Ma‘an“ aus der Mitteilung der Gruppe. Diese drohte weitere Angriffe gegen Israel an. Die Leichname der vier Getöteten wurden vor der Beisetzung am Samstag durch mehrere Städte im Sinai gefahren. Dutzende Männer auf Lastwagen schwenkten dabei die schwarze Fahne der Dschihadisten. Damit hätten sie gegen die Armee in Ägypten protestieren wollen, sagten Augenzeugen der Nachrichtenagentur AFP.
Das ägyptische Militär dementierte derweil jegliche Zusammenarbeit mit den Israelis: „Es liegt keinerlei Wahrheit darin, dass es irgendwelche israelischen Angriffe innerhalb des ägyptischen Gebietes gegeben habe. Die Behauptung, dass es in der Sache eine ägyptisch-israelische Koordination gebe, ist völlig unbegründet“, erklärte Armeesprecher Ahmed Aly am Freitag.
Die ägyptische Zeitung „Al-Ahram“ und die staatliche Nachrichtenagentur MENA vermeldeten am Samstag, ein ägyptisches Militärflugzeug habe den Angriff verübt. Die Berichte nahmen Bezug auf anonyme Sicherheitsquellen.
Fünf Tote bei ägyptischem Angriff
Am Sonntag griff die ägyptische Armee eine Stätte in Scheich Suaid im Sinai an, die offenbar als Zufluchtsort für dschihadistische Gruppen diente. Dabei starben fünf Menschen, sieben weitere erlitten Verletzungen. Dies berichtet „Ma‘an“ unter Berufung auf Sicherheitsquellen. Zuvor hatten Bewaffnete einer namentlich nicht genannten dschihadistischen Gruppe eine Polizeistation in El-Arisch und ein Militärgelände in Scheich Suaid angegriffen. Ein Zivilist wurde verwundet.