Vertreter der Stadtverwaltung erfahren Jerusalem im Rollstuhl

JERUSALEM (inn) - Eine ungewohnte Perspektive haben 20 Mitarbeiter der Jerusalemer Stadtverwaltung am Donnerstag erlebt: Sie bewegten sich mit Rollstühlen durch die Stadt und erfuhren, mit welchen Hindernissen die behinderten Verkehrsteilnehmer zurechtkommen müssen.

Die Vereinigung “Bema´aglei Zedek” (Kreise der Gerechtigkeit) hat ähnliche Touren schon für Studenten oder Soldaten organisiert. “Aber es ist das erste Mal, dass wir eine Rundfahrt für Menschen anbieten, die etwas Großes und Systematisches tun können”, sagte die Vorsitzende Dyonna Ginsburg der “Jerusalem Post”. “Sie befassen sich Tag für Tag mit diesen Angelegenheiten, aber wir wollen den Menschen eine emotionale Erfahrung verschaffen.” 90 Prozent des öffentlichen Raumes in Jerusalem seien für Behinderte nicht zugänglich.

An der “Invaliditätstour” nahmen ranghohe Mitglieder der Ausschüsse für Entwicklung und Planung teil. Durch Rollstühle, Krücken, Kopfhörer mit Geräuschreduzierung und Schlafbrillen konnten sie verschiedene Behinderungen nachempfinden. Aufgrund der Einschränkungen benötigten sie für die 500 Meter lange Strecke mehr als anderthalb Stunden. Dabei wurden sie mit unebenen Bürgersteigen, fehlenden Rampen und einem Mangel an akustischen Signalen an Fußgängerüberwegen konfrontiert. Zudem blockierten Autos Wege, die eigentlich für Invaliden benutzbar sein sollten.

Der Stadtrat arbeitet derzeit ein Gesetz aus, nach dem bis 2018 alle städtischen Gebäude erreichbar sein müssten. Seit September müssen alle neuen Gebäude, auch Wohnhäuser mit sechs oder mehr Wohnungen, für Behinderte zugänglich sein. Sonst erteilen die Jerusalemer Behörden keine Baugenehmigung. Bis 2014 will die Stadtverwaltung den öffentlichen Verkehr barrierefrei machen.

Durch Konstruktionen, die Behinderten die Teilnahme am Verkehr erleichterten, würden die Straßen auch sicherer, sagte Diana Kogan, Leiterin der Abteilung für Verkehrssicherheit. “Denn ein Aspekt davon ist, die Straßen benutzbarer zu machen.” Als sie an der Tour teilnahm, hätten enge Fußwege sie gezwungen, mit ihrem Rollstuhl auf die Straße auszuweichen. Fahrzeuge hätten hinter ihr anhalten müssen. Dadurch seien “unsichere Bedingungen” entstanden.

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