Der Vorfall ereignete sich 2009 im Westjordanland, nahe des Checkpoints Givat Se‘ev. Die Grenzpolizisten Assaf Kone, Mevorach Benjamin, Busiar Farhan und Dor Jakobi fragten den Palästinenser nach seiner Ausweisnummer. Er habe an der Straße nahe seines Hauses gewartet, als „plötzlich ein Jeep von nirgendwoher kam, und zwei oder drei Männer stiegen aus. Einer von ihnen steckte mich in das Fahrzeug. Drinnen war ein Wolfshund“, erzählte das Opfer in seiner Zeugenaussage laut der Zeitung „Yediot Aharonot“.
Ein Video, dass die Angeklagten während der Taten erstellt hatten, war in die Hände der polizeilichen Ermittlungseinheit gelangt. Durch die Aufnahme konnte die Organisation „B‘Tselem“ den Palästinenser ausfindig machen. Er war zu jenem Zeitpunkt inhaftiert, weil er illegal in Israel gearbeitet hatte. Anwälte, die zu „B‘Tselem“ gehören, sagten aus, die geistige Behinderung des Mannes sei leicht erkennbar.
Der Palästinenser hatte nach eigenen Angaben die Offiziere darüber informiert, dass er nur auf Angehörige warte. Sie hätten ihm mitgeteilt, er sei nicht befugt, sich an jenem Ort aufzuhalten. Daraufhin hätten sie ihn mit Knüppeln und Schlagringen geschlagen. Dann sei der Hund ins Spiel gekommen: „Der Hund kletterte auf mich und legte seinen Kopf auf meine Brust. Ich hatte des Gefühl, er könne mich beißen. Ich war sehr verängstigt; es war ein sehr großer und Angst einflößender Wolfshund. Ich zitterte.“
Das Opfer hatte nach eigener Darstellung mehr Angst vor dem Hund als vor den Offizieren. „Ich habe die ganze Zeit geweint. Ich erzählte ihnen, dass ich nichts mit irgendwas zu tun habe und dass ich nichts getan habe. Ich sagte, ‚seien Sie gnädig, ich habe nichts getan‘, aber sie hörten mir nicht zu.“ Stattdessen hätten sie ihn angewiesen, „m<tab>ich zu setzen und den Mund zu halten“. Ein Grenzpolizist habe Wasser aus seiner Feldflasche über ihm ausgeschüttet. „Sie haben mich gefilmt, ausgelacht und verspottet. Sie verfluchten mich und meine Eltern, auf Arabisch und Hebräisch.“
„Nur eine Ausrede, um mich zu beleidigen“
Schließlich hätten sie ihre ursprüngliche Forderung nach dem Ausweis wiederholt. „Ich interessierte sie nicht; es war nur eine Ausrede, um mich zu beleidigen und zu verfluchen. Sie sahen, dass ich schwach war, also taten sie es“, lautete die Einschätzung des Opfers. Die Polizisten hätten ihn laufen lassen, ihm aber mit Schüssen gedroht, falls er unterwegs stehen bleibe. „Der Jeep verfolgte mich, und ich rannte vor ihm her. Ich hatte Angst, dass sie wirklich auf mich schießen würden, wenn ich anhalte.“
Alle vier Angeklagten wurden am Donnerstag wegen Misshandlung verurteilt. Bei Jakobi stellte das Gericht zudem eine schwere Körperverletzung fest, den anderen drei Grenzpolizisten warf es Einschüchterung vor. Nach Auffassung des Vorsitzenden Richters sei der Vorfall zwar kurz und die Aggression gering gewesen. Doch in der Summe der Vergehen laufe es auf eine Verurteilung wegen Misshandlung hinaus. Die Taten bezeichnete das Gericht als „grausam“ und „unmenschlich“. Die Verurteilten hätten nicht auf das Wohlbefinden des Palästinensers geachtet. Den Hund hätten sie nur losgelassen, um ihm Angst einzujagen. Das Strafmaß steht noch nicht fest.