Unruhen weiten sich auf Jaffa aus

TEL AVIV-JAFFA (inn) – Die Unruhen um den Tempelberg haben am Dienstagabend den Tel Aviver Ortsteil Jaffa erreicht. In Jerusalem und im Westjordanland kam es zu weiteren Angriffen auf Juden.
In Jaffa setzten Araber Autos in Brand (Symbolbild)
In Jaffa setzten Araber Autos in Brand (Symbolbild)
Die Straßen von Jerusalem sollten so ruhig sein wie die Straßen Tel Avivs, hatte Bildungsminister Naftali Bennett noch am Dienstag gefordert. Am Abend haben sich die Unruhen dann aber zumindest nach Jaffa, dem arabisch geprägten Vorort Tel Avivs, ausgeweitet. Araber demonstrierten gegen Israels Vorgehen am Tempelberg. Sie blockierten Straßen, zündeten Autos an und verletzten sechs Polizisten. Ein Bus und ein Auto wurden mit Steinen beworfen. Sechs Araber wurden verhaftet. Unterdessen gehen die Angriffe auf Juden in Jerusalem weiter. Am Löwentor in der Jerusalemer Altstadt griff eine 18-jährige Palästinenserin einen 35-jährigen Israeli mit einem Messer an. Dieser erlitt leichte Verletzungen, er verteidigte sich mit seiner Waffe und verletzte die Angreiferin schwer. Ärzte brachten beide Verletzte in das Hadassah-Krankenhaus in Ein Kerem. Der Vorfall ereignete sich nur 150 Meter von dem Ort entfernt, wo ein Palästinenser am Samstag zwei Juden erstach und daraufhin erschossen wurde.

Eltern fordern Schutz für ihre Kinder

Behörden schlossen nach dem neuerlichen Angriff das Damaskustor für Besucher. Die seit Sonntag geltende zweitägige Zugangssperre für männliche Palästinenser aus den besetzten Gebieten zur Altstadt war seit Dienstagabend aufgehoben. Ebenso waren die Checkpoints an den Stadttoren zur Überprüfung der Ausweise bereits wieder abgebaut. Die Stadt Jerusalem fordert von der Regierung stärkeren Schutz, insbesondere für Schulkinder. Man habe zu lange auf eine Erhöhung des Sicherheitsbudgets gewartet, klagte Bürgermeister Nir Barkat. „Gegenwärtig bedeutet jede Verzögerung, unsere Kinder im Stich zu lassen.“ Er drohte im Verbund mit den Eltern für Donnerstag einen Schulstreik an, falls es zu keinem stärkeren Schutz wie Wachposten an Schulen kommt.

Mob geht auf Autos los

Auch im Westjordanland setzen sich die Unruhen fort. Nahe der Siedlung Tekoa südlich von Bethlehem griff ein Mob von 50 Palästinensern Autos mit Steinen an. Eine 38-jährige Israelin wurde dabei verletzt. „Ich wagte es nicht, auf das Gaspedal zu drücken und geradeaus weiterzufahren, als ich vor mir einen Palästinenser mit einem sehr großen Stein sah.“ Sie hatte die Palästinenser angefleht, sie nicht zu töten. Es gelang ihr, zu wenden und mit ihrem Fahrzeug mit zertrümmerten Fensterscheiben zu fliehen. Von dem Vorfall waren sieben weitere Autos betroffen. Obwohl sich alles nur 50 Meter von einem militärischen Checkpoint abspielte, sei ihr keiner der Soldaten zur Hilfe gekommen. Nach einem Augenzeugenbericht hatten die Soldaten die Anweisung, ihren Posten nicht zu verlassen. Aufgrund der anhaltenden Unruhen wurden die für diese Woche geplanten deutsch-israelischen Regierungskonsultationen auf unbestimmte Zeit verlegt. Israels Premier Benjamin Netanjahu hatte sich im Kontext der Konsultationen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel treffen wollen. (df/uws)

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