UNIFIL besorgt über höhere Hisbollah-Präsenz

BEIRUT (inn) – Die Hisbollah-Miliz gewinnt offenbar wieder mehr Raum im Südlibanon. Ein Teil der libanesischen Soldaten wurde aus der Region abgezogen. In den vergangenen Monaten gab es vermehrt Zusammenstöße mit der internationalen Friedenstruppe UNIFIL.
Schwierige Mission: Die UNIFIL-Soldaten haben zunehmend Probleme mit der Hisbollah-Miliz im Südlibanon.

Nach Einschätzung der UNIFIL sind noch etwa 3.000 Soldaten der libanesischen Streitkräfte im Süden des Landes stationiert. Die UN-Resolution 1701 ruft die Armee auf, das Gebiet an der Südgrenze zu kontrollieren. „Die libanesische Armee ist gerade jetzt überhaupt nicht in der Nähe davon“, zitiert die libanesische Zeitung „Daily Star“ einen UN-Offizier. „Tatsächlich ist sie weiter davon entfernt als vorher.“ Dem Bericht zufolge wurden Soldaten abgezogen, weil sich die Sicherheitslage in Tripoli, Sidon und im Norden verschlimmert habe.
Die Folge dieser Entwicklung: Nur etwa 10 Prozent der Patrouillen durch die UNIFIL finden gemeinsam mit libanesischen Truppen statt. Die Zeitung illustriert die Lage durch mehrere Beispiele von Zusammenstößen aus den vergangenen Monaten. So sei am 9. Februar eine motorisierte Patrouille belgischer Friedenstruppen einer Fährte gefolgt. Die Soldaten wollten den Grenzzaun nahe der Ortschaft Mais al-Dschabal inspizieren. Dabei kam ihnen ein Zivilfahrzeug mit fünf Insassen entgegen, von denen einer eine Militäruniform trug.
Die Belgier hielten das Auto an. Als einer der Soldaten ein Bild machen wollte, sprangen vier der Insassen aus dem Wagen. Sie nahmen die Kamera und die Autoschlüssel an sich. Daraufhin spannten die Belgier ihre Gewehre. Ein Libanese steckte seine Hand in die Jacke, als wollte er nach einer Pistole greifen. Ein weiterer Mann schritt ein und sagte, sie wollten keine Probleme bereiten. Die Libanesen stiegen ein und fuhren los. Wenig später kehrten sie um und warfen im Vorbeifahren die Schlüssel aus dem Fenster, behielten aber die Kamera.

UN-Beobachtungsposten ist nun „Privatgrundstück“

Am 25. März verweigerten zwei Männer mit Walkie-Talkies einer italienischen Patrouille den Zugang zu einer Stelle, von der aus man das Wadi Maschawisch im Blick hat. Ein dritter Libanese beobachtete das Tal mit einem Fernrohr. Vorher hatten die Italiener dort einen Beobachterposten gehabt. Sie riefen libanesische Truppen zur Hilfe. Diese teilten nach einem Gespräch mit den beiden mit, es handele sich um Privatbesitz. Die UNIFIL habe keine Berechtigung, die Gegend zu betreten. Die Italiener entschieden sich für den Rückzug, um „die Situation zu entschärfen“, schreibt der „Daily Star“.
Ein weiterer Vorfall ereignete sich am 19. April: Ein UN-Fahrzeug hatte am Rande eines Dorfes eine Panne. Es wurde durch vier Männer mit großen Steinen und Glasflaschen beworfen und beschädigt.
Die UNIFIL vermutet nach Angaben der libanesischen Zeitung, dass die Hisbollah ihre Muskeln vor Ort spielen lassen möchte. Denn der Libanon erlebe eine Zeit der erhöhten regionalen Unsicherheit und aggressiver Haltungen durch Israel.

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