UN-Chef Guterres: „Wunsch, Staat Israel zu zerstören, ist inakzeptabel“

Israels Premier Netanjahu hat bei einem Treffen mit dem UN-Generalsekretär Guterres dem Iran vorgeworfen, eine neue Front gegen sein Land zu eröffnen. Der Vertreter der Vereinten Nationen sprach sich dafür aus, dass ein Leben in Israel in Sicherheit und Frieden möglich sein muss.
Guterres und Netanjahu sprachen am Montag in Jerusalem vor der Presse

Foto: GPO

Guterres und Netanjahu sprachen am Montag in Jerusalem vor der Presse

JERUSALEM (inn) – Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Antonio Guterres, ist derzeit zu seinem ersten offiziellen Besuch seit seinem Amtsantritt in Israel und dem Nahen Osten unterwegs. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat bei einem Treffen mit Guterres in Jerusalem dem Iran vorgeworfen, er wolle von Syrien und dem Libanon aus eine neue Front gegen Israel eröffnen.

Die Islamische Republik baue in Nachbarländern, die Israel feindlich gestimmt sind, Werke für präzisionsgesteuerte Raketen. „Das ist etwas, das Israel nicht akzeptieren kann. Das ist etwas, das die UN nicht akzeptieren sollten“, erklärte Netanjahu laut der Onlinezeitung „Times of Israel“ am Montag. Der Premier warf den UN vor, nicht gegen Waffenlieferungen an die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah vorzugehen.

Traum vom „Heiligen Land in Frieden“

Die UN seien zudem Israel gegenüber voreingenommen. Die Organisation habe eine „Obsession“ mit seinem Land, äußerte sich der Premierminister. Guterres sagte bei dem Treffen, er wolle „ein neues Kapitel“ in den Beziehungen zwischen Israel und den Vereinten Nationen eröffnen. Das Existenzrecht Israels sei nicht diskutabel, genauso wie die Notwendigkeit, in dem Land in Sicherheit zu leben, erläuterte der Portugiese. „Der Wunsch, den Staat Israel zu zerstören, ist etwas total Inakzeptables.“

Als Generalsekretär möchte er nach eigener Aussage ein „Botschafter des Friedens“ sein. Er habe den Traum, das „Heilige Land in Frieden“ zu sehen, mit Jerusalem als Stadt, die für alle drei Weltreligionen wichtig sei. Guterres warb für die Zwei-Staaten-Lösung als Möglichkeit für den Frieden – „in gegenseitiger Anerkennung, aber auch in Frieden und in Sicherheit“. Der Weg dahin sei jedoch „ein komplexer politischer Prozess“.

Vor dem Treffen mit Netanjahu und einer Zusammenkunft mit Staatspräsident Reuven Rivlin besuchte der UN-Generalsekretär die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Dort betonte er: „Ich glaube daran, dass der Schrecken des Holocausts derart sein sollte, dass der Antisemitismus für immer tot sein sollte.“ Umso schockierter sei er gewesen, die „Blut und Boden“-Gesänge von Neonazis in „einem entwickelten Land zu hören“, „den Slogan der Nazis“. Dies sagte er in Bezug auf die Ausschreitungen in der US-amerikanischen Stadt Charlottesville.

Voreingenommenheit der UN gegenüber Israel

In einem Interview des Senders „Kanal 2“ wurde Guterres gefragt, ob er empfinde, dass Israel von den Vereinten Nationen gleich behandelt werde. Daraufhin weigerte sich der Portugiese, in die Thematik hineingezogen zu werden und antwortete: „Durch den Generalsekretär und durch das Amt, das ich inne habe, glaube ich, dass es so ist.“ Hingewiesen auf Kommentare der amerikanischen UN-Botschafterin Nikki Haley, die hervorhob, dass die UN Israel immer wieder schikanierten, gab Guterres zu, dass dies manchmal der Fall sei. „Ich denke, dass das bei manchen Situationen stimmt“, sagte der UN-Chef laut der Onlinezeitung „Times of Israel“.

Er warf Israel aber gleichzeitig vor, manchmal zu überreagieren, und merkte an, nicht jede Kritik sei Antisemitismus. „Ich denke, ich anderen Situationen muss Israel verstehen, dass Menschen nicht mit der Politik der Regierung einverstanden sind.“

„Jerusalem als heiliger Ort aller drei Weltreligionen“

Gefragt zu der im Mai verabschiedeten UNESCO-Resolution, die den jüdischen Anspruch auf Jerusalem leugnet, antwortet der UN-Generalsekretär Guterres: „Für mich ist ganz klar, dass Jerusalem ein heiliger Ort aller drei Weltreligionen ist und auch als solcher respektiert werden muss.“ Auf die Frage, ob Juden Privilegien in Jerusalem genießen sollten, sagte er: „Privilegien für Juden und ihre Religion, Privilegien für Muslime und ihre Religion, Privilegien für Christen und ihre Religon – für mich sind sie alle gleich.“

Guterres traf sich zudem mit israelischen Familien, deren Kinder in Hamas-Haft sind oder waren. Dabei waren die Familien des verstorbenen Soldaten Oren Schaul, sowie die der jungen Männer Avraham Abera Mengistu und Hischam al-Sajed. Bei beiden wird davon ausgegangen, dass sie im Gazastreifen von der Hamas als Gefangene festgehalten werden. Die Angehörigen baten um Guterres‘ Unterstützung, um ihre Kinder wieder zurückzubringen.

Bei seiner Reise in der Region will Guterres planmäßig zudem den Premierminister der Palästinensischen Autonomiebehörde, Rami Hamdallah, am Dienstag im Westjordanland treffen. Am Mittwoch setzt er den Besuch im Gazastreifen fort.

Von: mab

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