Umwelt-Experten warnen: Jordan und Totes Meer trocknen aus

KÖLN (Inn) – Die Umwelt-Verbände “Friends of the Earth Middle East” (FoEME), “Global Nature Fund” (GNF) und der “Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland” (BUND) haben am Dienstag in Köln vor der baldigen Austrocknung des Jordans gewarnt. Um zu verhindern, dass der israelische Fluss bald nur noch aus Abwassern besteht, müssten die vier Anrainerstaaten die Übernutzung des Wasserreservoirs stoppen, so die Experten.

“Die Anrainer müssen schnell handeln”, warnte der Geschäftsführer von FoEME, Gidon Bromberg aus Israel, “sonst trocknet der Jordan innerhalb weniger Jahre aus”. Zu den Parteien, die Wasser aus dem Jordan pumpen, gehören neben Israel Jordanien, der Libanon, Syrien und die Bewohner der palästinensischen Gebiete. Etwa zehn Millionen Menschen nutzen sein Wasser im Übermaß, heißt es in dem Bericht.

FoEME fordert gemeinsam mit dem BUND (Berlin) und dem GNF (Radolfzell am Bodensee) in einer “Jordan-Deklaration” die Staaten auf, die ökologischen Probleme anzugehen und den Fluss unter das Regime einer gemeinsamen Behörde, ähnlich der “Rheinkommission”, zu stellen.

Der untere Jordan führe heute nur noch ein Zehntel der Wassermenge von vor 50 Jahren, erklärten die Umweltschützer. Da kaum noch Wasser in das Tote Meer fließe, sinke dessen Wasserspiegel pro Jahr durchschnittlich um einen Meter. Der Jordan ist in den Sommermonaten der vergangenen Jahre fast ausgetrocknet. “Ironischerweise sind es ungeklärte Abwasser, die den heiligen Fluss weiter fließen lassen”, so Munqeth Meyhar, jordanischer Geschäftsführer von FoEME.

Zudem werde das Jordan-Wasser entgegen ökonomischen und ökologischen Regeln übernutzt: 75 Prozent des Flusswassers werde für die Landwirtschaft benutzt, besonders von Israel und Jordanien. Der Beitrag dieses Sektors mache jedoch nur 8 Prozent des Bruttosozialprodukts in Jordanien und nur 3 Prozent in Israel aus.

Des weiteren schlagen die Experten vor, den Jordan und das Tote Meer zu Welterbestätten der UNESCO zu erklären. Anstatt weiterhin die Wasserreserven durch die Landwirtschaft zu übernutzen, sollte das touristische Potential der Region ausgebaut werden.

Die FoEME setzt sich im Nahen Osten gemeinsam mit israelischen, jordanischen und palästinensischen Umweltgruppen für eine umweltverträgliche und friedliche Entwicklung in der Region ein. Der Verband hat Büros in Tel Aviv, Amman und Bethlehem.

Vom 23. bis zum 27. Mai klären die drei Geschäftsführer von FoEME in Köln über die aktuelle Wassersituation in der Region auf. Die Informationsreihe, die von der Nordrhein-Westfälischen Stiftung für Umwelt und Entwicklung unterstützt wird, steht unter dem Titel “Wasser als Quelle des Friedens? Aktuelle Entwicklungen im Friedensprozess und in der Wasserkrise im Nahen Osten”.

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