Umfrage: Palästinenser gegen Verhandlungen trotz Siedlungsbaustopp

RAMALLAH (inn) - Die Mehrheit der Palästinenser, über 61 Prozent, ist gegen die Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen aufgrund des von der israelischen Regierung angebotenen zehnmonatigen Siedlungsbaustopps. Das ergab eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage des Instituts "Arabische Welt für Forschung und Entwicklung" (AWRAD) in Ramallah.

Demnach sprachen sich rund 31 Prozent der Befragten für Verhandlungen aufgrund dieses Angebotes aus. 75 Prozent der Teilnehmer gaben zudem an, sie glaubten nicht, dass sich Israel an den ausgerufenen Siedlungsbaustopp halten werde. Rund 22 Prozent waren vom Gegenteil überzeugt.

Laut der Befragung hielten mehr als 67 Prozent der Teilnehmer die Bemühungen der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) und der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) um einen unabhängigen Palästinenserstaat für ernsthaft. Rund 28 Prozent taten dies nicht.

Etwa 45 Prozent der Befragten glaubten, dass die Hamas ernsthaft um einen solchen Staat bemüht ist. Über 46 Prozent waren gegenteiliger Ansicht.

“Israel nicht um Palästinenserstaat bemüht”

Nur 2,8 Prozent waren davon überzeugt, dass Israel es mit der Gründung eines Palästinenserstaates ernst meint. Knapp 95 Prozent vertraten die Meinung, der jüdische Staat bemühe sich nicht darum.

Auf die Frage, ob Verhandlungen der beste Weg für ein Ende der Besatzung seien, antworteten über 54 Prozent mit “ja”. Rund 44 Prozent verneinten dies, der Rest gab an, es nicht zu wissen.

Großteil hält bewaffneten Kampf für erfolgreich

Für am Vielversprechendsten hielt die Mehrheit Verhandlungen unter neuen Bedingungen im Rahmen einer internationalen Konferenz – hierfür sprachen sich 59 Prozent der Teilnehmer aus. Rund 36 Prozent der Palästinenser hielten diese jedoch für ineffektiv. Die Wiederaufnahme von Selbstmordanschlägen und ähnlichen Attacken hielten rund 50 Prozent der Befragten für nicht effektiv. 46 Prozent vertraten jedoch die Meinung, der bewaffnete Kampf könne Erfolg bringen.

Die Beliebtheit der Hamas bei der Bevölkerung scheint laut der Umfrage weiter zu sinken. Mit 52 Prozent war die Mehrheit dafür, dass die radikal-islamische Organisation ihre Macht an die PA im Westjordanland abgeben sollte. Etwa 40 Prozent waren dagegen.

Umgekehrt würden es nur 17 Prozent befürworten, wenn die PA ihre Autorität an die im Gazastreifen regierende Hamas abgeben würde. Rund 75 Prozent sprachen sich dagegen aus.

Die Arbeit der Regierung im Westjordanland unter Premierminister Salam Fajjad beurteilten rund 35 Prozent der Palästinenser als gut, 29 Prozent hielten sie für mittelmäßig und 27 Prozent für schwach. Der Rest gab an, er wisse es nicht. Die Arbeit der Hamas-Regierung im Gazastreifen unter Premier Ismael Hanije bezeichneten 22 Prozent der Befragten als gut, 24 Prozent als mittelmäßig und rund 41 Prozent als schwach.

Auf die Frage, wer der Nachfolger des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas werden sollte, falls dieser tatsächlich wie angekündigt zurücktritt, entschieden sich 14,3 Prozent für Hanije. 13,6 Prozent hielten Fajjad für am Geeignetsten. 23,5 Prozent der Teilnehmer gaben an, sie würden nicht wählen gehen. Das Meinungsforschungsinstitut hatte hier eine Liste von Personen vorgegeben.

Parlamentswahlen: Fatah im Gazastreifen am Stärksten

Wären heute Parlamentswahlen, würde die Fatah-Partei mit 42 Prozent die meisten Stimmen erhalten. Sie wäre auch im Gazastreifen die stärkste Kraft. Die Hamas würden 17 Prozent der Palästinenser wählen. An dritter Stelle kämen mit 2,9 Prozent die “Partei des dritten Weges” von Fajjad sowie die “Volksfront für die Befreiung Palästinas” (PFLP). Danach folgten kleinere Gruppen. 14,2 Prozent der Befragten gaben an, sie seien unentschlossen. Und 13,7 Prozent sagten, sie würden nicht wählen gehen.

Die Umfrage wurde zwischen dem 8. und 10. Dezember durchgeführt. Befragt wurden 1.200 Palästinenser aus dem gesamten Autonomiegebiet.

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