Über 100 syrische Patienten in Israel versorgt

Die syrischen Patienten, die sich in Israel behandeln lassen, werden immer jünger. Bislang haben israelische Ärzte mehr als 100 Verletzte aus dem Bürgerkrieg versorgt. Zu deren Schutz ergreifen die Sicherheitskräfte besondere Maßnahmen.
Das Siv-Krankenhaus in Safed nimmt besonders viele verwundete Syrer auf.

Foto: Ori~ / Wikipedia

Das Siv-Krankenhaus in Safed nimmt besonders viele verwundete Syrer auf.

„Zuerst waren es junge Männer in den 20ern und 30ern, jetzt sind sie jünger, Teenager und manchmal sogar Kinder“, zitiert die Tageszeitung „Yediot Aharonot“ den Leiter der Traumaabteilung des Siv-Krankenhauses in Safed, Amram Hadari. „Normalerweise kennen wir ihren Hintergrund, außer in extremen Situationen wie bei der Person, die in Uniform kam und eine Granate in ihrer Tasche hatte. Manchmal kommen sie in Uniform, manchmal in Jeans. Keines von beiden deutet notwendigerweise darauf hin, ob sie Zivilisten oder Soldaten sind.“ Nach Safed (Zefat) in Galiläa werden besonders viele syrische Patienten überwiesen.
Mittwochnacht überquerten zwei Jungen die Grenze zwischen Syrien und Israel. Einer von ihnen ist neun Jahre alt, er wurde von seinem Vater begleitet. Dieser erzählte, sein Sohn habe vor zwei Wochen ein Auge verloren, als eine Granate in ihrem Haus explodierte. Syrische Ärzte hätten ihn erfolglos behandelt. Derzeit nehme der Junge Medikamente, damit der Schaden nicht auf das zweite Auge übergreift. Am Bein sei er durch Splitter verwundet.
Der andere Junge im Alter von 15 Jahren weist Splitterverletzungen am gesamten Körper auf. Er war nach eigenen Angaben mit einem Traktor unterwegs, als er plötzlich eine Explosion hörte. Der Jugendliche brach sich den Kiefer und mehrere Gliedmaßen. Die Wunden haben zu eitern begonnen.
Ein zwölfjähriges Mädchen wird in der nordisraelischen Küstenstadt Naharija behandelt. Die Syrerin hat zahllose Knochenbrüche erlitten und bereits sieben Operationen hinter sich. Ihr Zustand habe sich stabilisiert, teilten die Ärzte mit.
In den vergangenen Monaten sind mehr als 100 verwundete Syrer nach Israel gekommen, um sich dort medizinisch versorgen zu lassen. Etwa 70 von ihnen wurden in Krankenhäuser gebracht. Zwei Patienten erlagen ihren Verletzungen.

Strenge Richtlinien sollen Syrer schützen

Das medizinische Personal darf mit den syrischen Gästen nur über deren Gesundheitszustand sprechen. Jeder Syrer wird von einem Soldaten oder einem zivilen Wachmann beschützt. Sie achten darauf, dass die Patienten mit niemandem ins Gespräch kommen, der nicht autorisiert ist. Denn wenn Fotos oder Informationen über den Aufenthalt im jüdischen Staat nach Syrien gelangen, könnte ihnen dies nach der Rückkehr in ihre Heimat schaden.
Auch wenn es vermutlich die internationale Meinung über Israel und seine Armee verbessern würde, gibt das Militär kaum Informationen über die Zahl der Patienten oder Einzelheiten zur Identität weiter. Denn es befürchtet einen noch größeren Zustrom, den die Mediziner nicht mehr bewältigen könnten. Die Sicherheitskräfte behandeln jeden Fall individuell. Etliche Syrer werden sofort nach der Behandlung zurückgeschickt.
„Manche kommen in einem relativ stabilen Zustand an“, sagte Hadari. „Dann können wir es zwischen dem einen oder anderen ‚Autsch‘ schaffen, mit ein oder zwei Fragen ein paar Antworten zu erhalten, aber nur zu ihrem medizinischen Zustand. Der Befragungsprozess dient ausschließlich diagnostischen Zielen. Wir fragen sie, wo es wehtut. Wir versuchen, herauszufinden, ob sie durch Gewehrfeuer oder eine Explosion verwundet wurden. Aber meistens kennen sie die genauen Umstände nicht.“
Einige Patienten haben sich schon in Syrien behandeln lassen. „Vor zwei Wochen kam jemand mit einem offiziellen Brief von einem Arzt; ein anderes Mal tauchte jemand mit einem nicht entzifferbaren Brief auf, der uns wenig half“, fügte der Leiter der Traumaabteilung hinzu. „Normalerweise ist die Versorgung in Syrien behelfsmäßig; auf jeden Fall erhalten sie auch Erste Hilfe auf beiden Seiten der Grenze.“
Nach neuesten Angaben sind im syrischen Bürgerkrieg bislang mehr als 100.000 Menschen ums Leben gekommen.

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