WASHINGTON (inn) – Gut einen Monat nach Beginn des Irankrieges hat US-Präsident Donald Trump in einer Ansprache an die Nation die militärischen Erfolge herausgestellt. Das Regime sei mitsamt seiner Militäreinrichtungen größtenteils dezimiert und stelle keine Bedrohung mehr da, sagte der Republikaner am Mittwoch. „Das ist eine wahre Investition in die Zukunft Ihrer Kinder und Enkel“, sagte er den Amerikanern.
Die USA würden „sehr bald“ ihre militärischen Ziele erreicht haben, erklärte der 79-Jährige weiter. Allerdings erneuerte er seine Drohung gegen das Regime: Wenn es kein Abkommen gebe, werde das US-Militär Kraftwerke unter Beschuss nehmen, eventuell auch Ölanlagen.
EU: Navigationsfreiheit sicherstellen
In seiner Rede betonte Trump erneut, dass die Sicherung der Straße von Hormus denjenigen Ländern obliege, die auf die Öllieferungen durch diesen Seeweg angewiesen sind. Trump schlug diesen Ländern vor, zunächst Öl von den USA zu kaufen, sodann aber „verspäteten Mut“ zu fassen und die Straße zu sichern. Die USA würden dabei helfen, aber andere Länder müssten vorangehen.
Die Kommissionspräsidentin der Europäischen Union, Ursula von der Leyen, deutete Bemühungen in diese Richtung an. Sie habe mit dem britischen Premier Keir Starmer (Labour) in einem Telefonat über die Lage in Nahost und die Straße von Hormus gesprochen, schrieb sie am Donnerstag auf X. „Die Handlungen des Iran setzen die Weltwirtschaft einem Risiko aus. Wir werden mit unseren Partnern zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass Navigationsfreiheit so bald wie möglich wiederhergestellt werden kann.“
Bodenoffensive als Option
Während Trump in seiner Rede ein baldiges Ende der Kriegshandlungen thematisierte, spekulierten viele Medien in den vergangenen Tagen über eine Bodenoffensive im Iran. Das Magazin „The Atlantic“ berichtete erst am Mittwoch, dass die USA die Einnahme der Insel Kharg ebenso vorbereiteten wie den Versuch, im Kernland das angereicherte Uran zu erlangen.
Laut dem Bericht sind am vergangenen Wochenende 3.500 Marinesoldaten in der Region eingetroffen, 3.500 weiter würden in den kommenden Wochen erwartet. Trump habe zu beiden Optionen aber noch keine Entscheidung getroffen, sagten Militärvertreter dem Magazin.
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Peseschkian: Iraner hegen keine Feindschaft
Indes wandte sich der iranische Präsident Masud Peseschkian in einem offenen Brief an die Amerikaner. Darin schrieb er, der Iran habe noch nie in der jüngeren Geschichte den Pfad von Aggression und Vorherrschaft gewählt. Das iranische Volk hege keine Feindschaft gegen andere Nationen – Amerikaner, Europäer oder benachbarte Völker. Iraner hätten immer zwischen den Völkern und ihren Regierungen unterschieden.
Die USA hätten den Iran nicht aus Eigeninteresse angegriffen, sondern weil Israel die Regierung „beeinflusst und manipuliert“ habe. Dies habe sie getan, um von den „Verbrechen an den Palästinensern“ abzulenken. Peseschkian rief die Amerikaner dazu auf, hinter die „Maschinerie der Desinformation“ zu schauen. Die Welt stehe am Scheideweg zwischen Konfrontation und Dialog.
Das iranische Regime vertritt seit Jahren den Wahlspruch „Tod für Israel“ und „Tod den USA“. Zudem unterstützte es die Terror-Organisationen Hamas und Hisbollah im Libanon. Es ist verantwortlich für zahlreiche Anschläge in aller Welt gegen amerikanische, jüdische oder israelische Einrichtungen. Erst im Januar hat die Europäische Union die Islamische Revolutionsgarde, die militärische Vorhut des Regimes, als Terrorgruppe eingestuft.
Große Raketensalve zu Pessach
Zu Beginn des Passahfestes feuerte der Iran die seit Wochen größte Raketensalve auf Israel ab. Am frühen Mittwochabend, als die Vorbereitungen auf den Sederabend liefen, musste die Armee zehn Raketen abwehren. Verletzt wurde niemand, Ersthelfer mussten sich jedoch um Menschen mit Angstzuständen kümmern. An einigen Wohngebäude entstanden Schäden.
Am Donnerstag setzte das Regime die Angriffe fort. Die Hisbollah feuerte am Vormittag 50 Raketen auf Israel ab. Dabei erlitten zwei Menschen in der Ortschaft Kiriat Schmona, an der Nordgrenze gelegen, leichte Verletzungen.
Die israelische Armee teilte am Mittwoch mit, dass sie nunmehr alle „wichtigen und strategischen“ Ziele unter Beschuss genommen habe, die sie im Vorfeld markiert habe. Das Regime werde lange brauchen, um seine ballistischen und nuklearen Fähigkeiten wiederherzustellen, sagte ein Armeevertreter der Zeitung „Yediot Aharonot“.
Zuletzt hatte die Luftwaffe wieder massive Angriffe über Teheran geflogen. Dazu gehörten ein Stützpunkt der Bodentruppen sowie ein mobiler Kommandoposten der Revolutionsgarde. Diese habe in den vergangenen Tagen damit begonnen, ihre Kommandoposten in Waggons zu verlegen, da die stationären Posten aufgrund der Schäden nicht mehr nutzbar seien.
Schläge gegen Hisbollah und Hamas
Auch die Angriffe auf die Hisbollah im Libanon gingen weiter. Am Mittwoch seien dabei 50 Terroristen getötet worden, teilte die Armee am Donnerstag mit. Zu den beschossenen Zielen gehörten Kommandoposten, Waffenlager und Raketenstellungen.
Auch im Gazastreifen geht der Kampf gegen die Hamas weiter. Die Armee bestätigte Medienberichte über mehrere Drohnenangriffe auf Stellungen der Terroristen, nannte aber keine Details. Laut den Berichten sind bei drei Angriffen seit Dienstag neun Terroristen getötet worden. (df)
2 Kommentare
Keine Feindschaft gegen Amerikaner oder Europäer oder benachbarte Völker ?
Ausser Israel natürlich……………
SHALOM
Man kann darüber streiten, ob es angesichts der Drohungen des Iran gegen Israel gerechtfertigt ist, zu den Waffen zu greifen. Aus meiner Sicht ja.
Jedoch war der Angriff erkennbar nicht zu Ende gedacht. Das ist immer schlecht. Jetzt steckt Trump im Schlammassel und die Weltwirtschaft mit ihm. Trump muss den Exit suchen, da seine Wähler keine Lust auf eine Energiepreiskrise haben. Mal sehen, ob er den Exit findet.
Die Mullahs regieren weiter. Die Not der Menschen, die unter den Mullahs gelitten haben, wurde dramatisch erhöht.