Studie: Holocaust-Überlebende leiden unter Armut

JERUSALEM (inn) – Die Zahl der in Israel lebenden Holocaust-Überlebenden ist offenbar größer als bisher angenommen. Eine neue Studie des Brookdale-Instituts zählte 327.000 Überlebende der Nazi-Verfolgung – viele von ihnen leben unterhalb der Armutsgrenze.

Bisher ging man offiziell von 230.000 bis 280.000 Menschen aus, die den Holocaust überlebten und nun in Israel wohnen. Eine Versicherung, die 2003 anlässlich von Schadensersatzforderungen eine Studie durchführte, kam auf 265.000 Überlebende.

Die Untersuchung von Jenny Brodsky vom Brookdale-Institut und dem Meinungsforscher Sergio Della Pergola von der Hebräischen Universität bietet nun erstmals verlässliche Daten zu dieser Frage. Im Auftrag der Regierung brachten sie mehr über die Anzahl sowie die wirtschaftliche, gesundheitliche und soziale Situation der Überlebenden in Erfahrung.

40 Prozent dieser Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze oder knapp darüber. Etwa die Hälfte der Überlebenden ist erst nach 1990 nach Israel gekommen.

25 Prozent müssen sich dem Bericht zufolge entscheiden, ob sie Essen oder andere Grundbedürfnisse wie Medikamente kaufen. 16 bis 20 Prozent gaben an, nicht ihre Kinder anrufen oder besuchen zu können. Ein Drittel beklagte, dass ihre Wohnung in den Wintermonaten kalt sei.

Diese Ergebnisse stimmen mit einer Studie überein, die der Schweizer Fonds für Holocaust-Überlebende im Jahr 2003 durchführte. Demzufolge waren 38 Prozent der Holocaust-Opfer hilfsbedürftig.

Die Brookdale-Studie basiert auf zwei Quellen. Einerseits auf einer Umfrage von 1997 des Zentralbüros für Statistik. Damals wurden Bürger über 60 Jahre befragt. Andererseits auf einer Untersuchung von 2003, die das Brookdale-Institut und das Gesundheitsministerium durchführten. Damals wurden die Auswirkungen der wirtschaftlichen Krise auf die Lebensumstände älterer Personen untersucht. In beiden Untersuchungen wurde auch nach einer Verbindung zum Holocaust gefragt.

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